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"Den lieben Gott wird das cool lassen"

von Daniel Sprenger, NDR.de

Theater unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen

Dietrich Wuschke steht vor dem Eingang zum Thalia Theater in Hamburg-Altona. © NDR.de Fotograf: Daniel Sprenger Detailansicht des Bildes Für Dietrich Woschke ist Religion häufig totalitär im Anspruch darauf, was gut und was schlecht ist. Er will sich selbst ein Bild machen. Dietrich Woschke aus Niendorf stellt sich kurz neben die Gruppe und hört ihnen zu. Er respektiere zwar den Protest, empfinde aber eine grundsätzliche Ablehnung des Stücks, ohne es gesehen zu haben oder gar sehen zu wollen, als "schmalstirnig". Religion habe einen totalitären Anspruch, häufig gebe es nur Himmel oder Hölle. Damit könne er nicht viel anfangen. Er hat sich vor einigen Wochen Karten für die inzwischen längst ausverkaufte Aufführung besorgt. "Ohne Provokation holt man doch heute keinen mehr vom Sessel", sagt Woschke zu den Inhalten des Stücks. Er ist gespannt, wie das viel diskutierte Werk des argentischen Regisseurs Rodrigo García ihm persönlich gefällt: "Ich gehe da jetzt rein und es kann sein, dass ich es total doof finde. Aber ich möchte mir gerne meine eigene Meinung bilden."

Sagt es und geht um halb acht hinüber auf die andere Straßenseite. Dort stehen vier Securitymänner verteilt über die gesamte Breite der Einfahrt zum Theater. Sie halten ein Baustellen-Absperrband. Vor ihnen hat sich eine kleine Schlange gebildet, die Theatergäste strömen jetzt zur Vorstellung. Die Securityleute kontrollieren jede Person: An diesem Abend darf nur auf das Gelände, wer bereits hier - noch etwa 200 Meter vom Saaleingang entfernt - eine Eintrittskarte für "Gólgota Picnic" vorzeigen kann.

Wirbel im Vorfeld des Skandalstücks

Gólgota Picnic: Gastspiel des Centro Dramático Nacional (Madrid) & Théâtre Garonne (Toulouse) © Copyright: Davir Ruano Detailansicht des Bildes Szene aus "Gólgota Picnic": Das Gastspiel des Centro Dramático Nacional (Madrid) und des Théâtre Garonne (Toulouse) sorgt für Proteste. Im Vorfeld der Aufführung gab es nach Angaben der Theaterleitung viele E-Mails mit Forderungen nach einer Absetzung des vermeintlichen Skandalstücks. Teilweise sei der Tonfall nötigend oder gar drohend gewesen. Deshalb geht Intendant Joachim Lux lieber auf Nummer sicher.

Die Piusbruderschaft hatte noch am Sonntag angekündigt, mit einer Unterlassungsklage die Aufführung verhindern zu wollen. Schon lange vorher hatte sie sich wiederholt für die Absetzung stark gemacht, was das Theater stets strikt ablehnte. Am Abend wies das Hamburger Verwaltungsgericht den Antrag eines "einzelnen Herrn" ab, der die Stadt zum Verbot der Aufführung bewegen wollte. Das Stück erfülle nicht den Straftatbestand der "Störung der Religionsausübung", so das Gericht.

Gebet für die Schauspieler

Inzwischen ist es acht Uhr geworden, das Stück dürfte gerade begonnen haben. Die Gruppe der Gläubigen ist stetig angewachsen, jetzt beten rund 70 Personen zunächst inbrünstig zur Gottesmutter. Dann, kurz bevor die Gläubigen ihre Versammlung um halb neun beenden, geht Pater Brühwiler auf die Schauspieler ein - und vermeidet jede Schuldzuweisung: "Wir beten für die Schauspieler. Wir wollen nicht sagen: Ihr seid Sünder, nein. Wir sind wirklich alle Sünder."

Gütlicher Tonfall gegenüber Gläubigen

Jesuitenpater Hermann Breulmann und Thalia-Intendant Joachim Lux sitzen auf dem Podium beim Publikumsgespräch. © NDR.de Fotograf: Daniel Sprenger Detailansicht des Bildes Hermann Breulmann und Joachim Lux diskutieren nach der Aufführung. "Das Stück hat was", findet Jesuitenpater Breulmann. Nach der Aufführung findet im Theater ein Publikumsgespräch statt. Auch Dietrich Woschke bleibt noch. Für ihn war es ein "rundum gelungener Abend". Er bezeichnet das Gesehene als "Spektakel". Es habe Dinge gegeben, die auch er eklig fand. Zum Beispiel, als ein Schauspieler Burger und Cola in sich reinstopfte und das Gekaute dann wieder aus dem Mund herauspresste, was auf der über der Bühne angebrachten Leinwand in Nahaufnahme übertragen wurde.

Auf dem Podium stellt Intendant Lux klar, dass die draußen friedlich Protestierenden nicht mit den teilweise wütenden Mailschreibern über einen Kamm geschoren werden dürften: "Wir sagen nicht: Wir sind hier die Aufgeklärten, und das sind alles Idioten. Man muss sie in ihrem Anliegen akzeptieren." Ein gütlicher Tonfall hat sich da sowohl auf Seiten der Klerikalen als auch bei den Künstlern eingeschlichen. Der große Theaterskandal ist "Gólgota Picnic" also nicht geworden.

Wie als Mittler zwischen der Kirche auf der einen und der Kunst auf der anderen Seite wirkt Jesuitenpater Hermann Breulmann. Er hat sich im Gegensatz zu den Piusbrüdern draußen das Stück angesehen. Er sei weder amüsiert noch verstört oder empört, wohl aber nachdenklich. "Ich muss sagen: Das Stück hat was", so Breulmann. Einige zugespitzte Szenen seien schon heftig gewesen. Aber alles in allem gilt für Breulmann: "Der liebe Gott, den wird das cool lassen."

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Stellungnahme der Theaterleitung des Thalia Theaters Hamburg zum Gastspiel.

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