Norddeutsche Gesichter
Porträts bekannter historischer Persönlichkeiten aus Norddeutschland. mehr
Neun Tänzer, ein paar Papprequisiten, Licht und Musik: Fertig ist die Illusion. Die amerikanische Tanztruppe Pilobolus hat die alte Kunstform des Schattenspiels wiederbelebt. Nun tourt sie mit dem hochbejubelten Programm "Shadowland" durch Deutschland. Bis zum 8. Januar 2012 ist die Kompagnie in Hamburg. Melanie von Bismarck berichtet von der Premiere auf Kampnagel.
Auf einer Leinwand mitten im Bühnenraum bewegen sich schwarze Schatten: verschlungene Pflanzen, ein Elefant, ein Wesen halb Pferd halb Mensch. Das Bild löst sich auf, jetzt sind sie zu erkennen, die Tänzer, wie sie sich entknäulen und zu einer neuen Figur formieren. Ein von hinten auf sie gerichteter Scheinwerfer projiziert ihre Schatten an die transparente Wand. Schattenspiel und real getanzte Szenen wechseln einander ab.
Im Schlaf nimmt eine Hand dem kleinen Mädchen seinen Kopf. - Der Ausgangspunkt für die Geschichte vom Hundemädchen.
Die Produktion "Shadowland" erzählt von einem kleinen Mädchen, das im Schlaf ins Reich der Träume, ins "Shadowland", reist. Eine riesige Hand greift von oben herab, knipst dem Kind den Kopf ab. Es bekommt einen neuen: einen Hundekopf. Molly Gawler tanzt das Dog Girl, das Mädchen mit dem Hundekopf.
Sie hat die Figur erfunden. "Wir probierten verschiedene Tiere als Schatten darzustellen", erzählt die Tänzerin. Ihr fiel auf, wie gut ein gereckter Ellenbogen als Hundeschnauze taugt. Für "Shadowland" hat die Kompagnie Steven Banks mit ins Boot geholt, den Entertainer und Emmy-nominierten Drehbuchautor der Comicserie "Sponge Bob". Er hat die Produktion "Shadowland" maßgeblich mitgestaltet.
So einfach, so wirkungsvoll. Aus dem Hund entwickelte sich die fantastische Geschichte vom Hundemädchen, das auf dem Weg zum Erwachsenendasein viele Abenteuer bestehen muss, bis es sich am Ende aus allen Zwängen befreien kann. Eine Geschichte mit lustigen und beklemmenden Momenten. Es ist die Geschichte vom Erwachsenwerden, von den Kämpfen, vom sexuellen Erwachen.
Die Hauptfigur muss mancher Bedrohung entkommen, zum Beispiel einer Verfolgungsjagd.
Das Hundemädchen muss schwierige Situationen durchstehen. Einmal droht es von der Dunkelheit verschluckt zu werden, dann wird es in einer haarsträubenden Verfolgungsjagd von Hackebeil schwingenden Köchen verfolgt - bester Alptraum-Stoff also.
"Als Kinder merken wir zum ersten Mal, dass es einen Teil von uns gibt, der nicht unserer Idee von uns selbst entspricht", sagt der Geschäftsführer der Kompagnie. "Das ist die zentrale Idee von 'Shadowland'." Das Stück deute den Horror nur an. Es lebe von dem, was in den Köpfen der Betrachter passiere. Unheimlich sei das, meint eine Zuschauerin nach der Premiere. Ein anderer Gast sagt: "Das ist doch viel zu poetisch, um sich fürchten zu müssen."
"Shadowland" ist eine hoch professionelle Show: leicht und poetisch, athletisch und präzise, bezaubernd und verstörend - archaisch in der Anmutung und dabei doch mit einer guten Portion Hollywood.