Norddeutsche Gesichter
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Das Mariengymnasium in Jever ist seit einigen Jahren in der Region bekannt für außergewöhnliche Musicals. Außergewöhnlich deshalb, weil sie über das Niveau normaler Schülertheater hinausgehen. Das spiegelt sich unter anderem darin, dass nicht in der Schule, sondern im Stadttheater in Jever gespielt wird. Jedes Jahr gibt es ein neues Musical mit jeweils fünf Vorstellungen. In diesem Jahr heißt der Titel "Einer bleibt sitzen". Der Titel ist sozusagen Programm; allerdings nicht wie man denkt, sondern es geht um einen Motorradfahrer, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist und sich jetzt in der Welt von Rollstuhlfahrern zurechtfinden muss - er bleibt also sitzen, weil er nicht allein aufstehen kann.
Schüler aus Jever haben sich mit dem Leben im Rollstuhl auseinandergesetzt und ein Musical dazu konzipiert. Unter dem Titel "Einer bleibt sitzen" zeigten sie es im Stadttheater.
Erzählt wird die Geschichte von Micha, der nach einem Motorradrennen gelähmt im Krankenhaus erwacht und sich nur noch daran erinnern kann, dass kurz vor dem Unfall seine Freundin Sabine nach neun Jahren Beziehung mit ihm Schluss gemacht hat. Michel ist verzweifelt, hat sich aufgegeben, möchte auch von Therapiemaßnahmen mit den anderen "Spastis" nichts wissen. Um ihn doch noch zur Teilnahme an einem Selbsthilfe-Camp für Rollstuhlfahrer zu bewegen, haben seine Freunde Stefan und Memme eine verrückte Idee: Da Michel nicht allein fahren will, besorgen sie sich einfach Rollstühle, tun so, als wären sie selbst Betroffene und begleiten Michel.
Das führt zu vielen Verwicklungen im Camp, denn die anderen "Rollis" sollen im Verlauf der weiteren Geschichte hinlänglich beweisen, dass ihr Leben noch lange nicht vorbei ist. Auffällig bleibt jedoch, dass gerade Stefan so versessen daran arbeitet, Michel wieder aufzurichten. Was Michel nicht mehr weiß: Stefan, Sabine und sein Unfall haben auf eine schreckliche Weise miteinander zu tun.
"Einer bleibt sitzen" erzählt nicht nur Michels Geschichte, sondern auch die einiger anderer Menschen, die Michels Schicksal in einem ganz entscheidenden Punkt teilen: Durch Unfall oder plötzliche Erkrankung mitten aus ihrem normalen Leben herausgerissen, finden sie sich plötzlich im Rollstuhl wieder, sind plötzlich gezwungen, vieles neu zu lernen - und vieles zu überdenken. Dass das Stück dennoch nicht ausschließlich in Betroffenheitsdramatik abgleitet, liegt nicht nur an den größtenteils selbst erdachten Songs und Choreographien, sondern auch an der Vorlage selbst, der es gelingt, die Handlung trotz aller Schwere mit Witz zu erzählen, ohne dabei in billigen Klamauk auf Kosten Betroffener abzurutschen.
Trotz der gerade stattfindenden Abiturprüfungen laufen auch in diesem Jahr wieder die Proben für das neue Musical des Mariengymnasiums auf Hochtouren: Neben 17 Darstellern und einer 13-köpfigen Band sind auch hinter und vor der Bühne in den Bereichen Bühnenbau, Ausstattung, Licht- sowie Tontechnik zahlreiche Schüler mit der Umsetzung des Projektes beschäftigt, das in diesem Jahr auf dem gleichnamigen Fernsehfilm "Einer bleibt sitzen" von Matthias Pacht (Buch) und Tim Trageser (Regie) aus dem Jahre 2008 basiert.
Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler gab es diesmal viele neue Herausforderungen, unter anderem das Spielen mit und aus dem Rollstuhl heraus und die Auseinandersetzung mit der Frage, wie man selbst dieser Lebenssituation begegnen würde. "Einer bleibt sitzen" ist ein Musical über Liebe, Freundschaft, Verrat und ein Schicksal, dass jeden von uns treffen kann. Die Leitung haben in diesem Jahr Jens Marnowsky, Klaus Wagner sowie der für dieses Projekt neu gewonnene Choreograph Meic Stephan.
Das NDR Magazin Hallo Niedersachsen berichtet in der kommenden Woche über die Aufführung in Jever.

"Einer bleibt sitzen" ist ein außergewöhnliches Musical, das von Schülern des Mariengymnasiums in Jever aufgeführt wird. Nicht etwa in der Aula, sondern im großen Stadttheater.