Die NDR Bigband
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Die Uraufführung des neuen Balletts "Liliom" von John Neumeier in der Hamburger Staatsoper am Sonntagabend war farbenfroh und beschwingt wie lange keine Inszenierung. Daran hat auch die NDR Bigband ihren Anteil. Hoch oben auf der Empore über dem nostalgischen kleinen Karussell thronen die Musiker und zaubern mit dem Swing das Amerika der 30er-Jahre auf die Bühne. Die Musik zu diesem Drama von Ferenc Molnàr (1878-1952) hat der oscarprämierte Filmkomponist Michel Legrand geschrieben. Und er hat sich dafür etwas Besonderes ausgedacht: Eine Ballettmusik für zwei Orchester: Die Hamburger Philharmoniker und die NDR Bigband.
John Neumeier hat die Handlung des 1909 entstandenen Stückes ins Amerika der 1930er-Jahre verlegt. Das Land steckt in der Wirtschaftskrise. Auf dem Jahrmarkt tauchen die Menschen zwischen glitzernden Buden und bunten Achterbahnen wenigstens für kurze Zeit in eine magische Welt ein. Der Karussell-Ausrufer Liliom wird gefeiert wie ein Popstar. Als er das Dienstmädchen Julie kennenlernt, verlässt er seine Geliebte, eine Karussellbesitzerin, und verliert damit seinen Job auf. Doch mit der Arbeitslosigkeit kommt die Verzweiflung. Und als Julie schwanger wird, lässt er sich zu einem Raubüberfall hinreißen. Als der misslingt, ersticht er sich.
Carsten Jung tanzt Liliom mit großer Leidenschaft. Den verführerische Womenizer verkörpert er ebenso glaubwürdig wie den zärtlich Liebenden. Alina Cojocaru als Julie ist eine wunderbare Ballerina. Zart und leicht tanzt sie mit makeloser Technik den unschuldigen Charakter. Die Tänzerin vom Londoner Royal Ballet schmiegt sich beim Pas de deux ganz eng an ihren Partner, fällt weich in seine Arme.
Choreograf Neumeier war schon als Jugendlicher von der Geschichte begeistert: "Für mich ist es eine besondere Liebesgeschichte von zwei Menschen, die ihren Platz in der realen Welt nicht finden", sagte Neumeier NDR Kultur. Für manche Zuschauer hingegen setzte der zweite Teil des Abends zu sehr aufs Gefühl. Wenn Liliom nach seinem Tod durch ein Himmelsfenster seinem kleinen Sohn beim Aufwachsen zusieht und am Ende auf die Erde zurückkehrt, um ihm einen Stern zu schenken, ist das wirklich herzergreifend - aber auch nah am Kitsch.
Doch gerade, wenn die NDR Bigband spielt, wirbelt ein erfrischendes Ensemble über die Bühne: Jongleure, Clowns, exotische Bauchtänzerinnen dazu temporeiche Choreografien - stellenweise wirkt das Stück schon fast wie ein Musical. Die Komposition von Legrand verbindet elegant Philharmoniker und Bigband. Und dass deren Einsatz mehr als nur eine gute Idee war, zeigt am Ende der tosende Applaus für die Musiker.