Die Reeperbahn - Deutschlands sündigste Meile
Ein Bummel über die berühmte Straße in Hamburg St. Pauli. mehr
Nicht nur örtlich ganz vorn auf dem Kiez: das Imperial Theater.
Das Schmidts-Tivoli, das Operettenhaus oder das St. Pauli Theater - überall auf der Hamburger Reeperbahn locken die Theaterhäuser mit attraktiven Aufführungen. Um dagegen bestehen zu können, bedarf es schon einer ausgefallenen Idee. Das Imperial Theater hat sich auf Kriminalstücke spezialisiert und ist damit erfolgreich.
Frank Thannhäuser ist Intendant dieses Theaters. Begonnen hat Thannhäuser mit Musicals und Revuen, wie "Grease" oder "Hossa". Doch der Musicalmarkt in Hamburg war bald übersättigt. Als er 1994 das geschlossene Pornokino gegenüber dem Operettenhaus entdeckte, zögerte er nicht lange und machte daraus ein Theater. Seither werden hier Theaterstücke aufgeführt, bevorzugt Krimis von Edgar Wallace. Damit sich das privatwirtschaftlich geführte Haus gegenüber der großen Konkurrenz über Wasser halten kann, muss es sehr sparsam mit den verfügbaren Mitteln umgehen.
Mit Leidenschaft und persönlichem Engagement arbeitet Intendant Frank Thannhäuser an seinen Theaterstücken.
Intendant Thannhäuser beispielsweise ist zugleich Schneider, Bühnenbildner, Ticketverkäufer, Regisseur, Putzmann, Dramaturg. Auch seine Mitarbeiter nehmen mehrere Aufgaben wahr. Das hier jemand nur einen Job hat, kommt nicht vor. Nur so gelingt es diesem kleinen Theater mit 300 Plätzen zu überleben.
Zurzeit steht "Der unheimliche Mönch" von Edgar Wallace auf dem Spielplan: Im Hotel Monkshall sind immer wieder markerschütternde Schreie zu hören. Die Hotelgäste fühlen sich von den Schreien gestört und stellen Theorien auf, wer hinter den Schreien stecken könnte. Der Verdacht fällt auf einen mysteriösen Mönch aus dem naheliegenden Kloster.
Szene aus "Der unheimliche Mönch". Akteure und Zuschauer rätseln gemeinsam, wer der Mörder ist.
Aber nicht nur Romane von Edgar Wallace kommen hier auf die Bühne. Improvisationskrimis der Theatergruppe "Steife Brise" mit ihrem Programm "Morden im Norden" oder eigene Stücke wie "Polizeirevier Davidwache - Kiez, Koteletten und Kanonen" werden gezeigt.
Inzwischen ist das Besucherinteresse so groß und das Repertoire so umfangreich, dass auch andere Spielstätten genutzt werden. Im Hotel Reichshof am Hamburger Hauptbahnhof wird jeden zweiten Sonntag ein Krimi-Salon veranstaltet. Während die Gäste ein Vier-Gänge-Dinner genießen, präsentieren die Schauspieler ihr Theaterstück. Keine Bühne, keine Barriere. Der Zuschauer befindet sich inmitten eines Kriminalfalles.
Imperial Theater - der Name ist Programm. Das kleine Theater ist gut aufgestellt und braucht die nahe Konkurrenz auf der Reeperbahn nicht zu fürchten. Denn was Krimitheater angeht, ist die Bühne ein kleines Imperium in Norddeutschland.