Norddeutsche Gesichter
Porträts bekannter historischer Persönlichkeiten aus Norddeutschland. mehr
Das Theaterensemble "die Delikaten" hat keine feste Bühne. Sie spielen an verschiedenen, meist herrschaftlichen Schauplätzen und passen ihre Stücke der Umgebung an. So treten sie beispielsweise in Gärten und Parks, in Schlössern und Herrenhäusern, aber auch auf der Straße oder in Zugwaggons auf. Die Aufführungen sind interaktiv, das Publikum soll mitmachen. In der Regel funktioniert das auch, sagt Schauspieler und Ensemblemitglied Helge van Hove.
Viola Livera, die Leiterin der Theatergruppe, schreibt die Schauspiele und führt Regie.
Das Budget ist klein, aber das Konzept erfolgreich. Inzwischen wird das Ensemble angesprochen, Stücke für eine bestimmte Umgebung zu inszenieren. Auch die Geschäftsführung des Herrenhauses Borghorst bei Eckernförde kam mit der Bitte auf sie zu, für das Anwesen ein Theaterstück zu konzipieren.
Keiner bleibt, wer er ist
"Das letzte Mahl" lautet der Titel dieses Krimidinners im Herrenhaus Borghorst. Die Gäste werden von Krimiautorin Mimi Durst, gespielt von Jacqueline Kähler, begrüßt und bekommen ganz nebenbei ihre neue Identität für diesen Abend auf einem Zettel zugesteckt. Der Gast, der die Rolle eines Bestatters bekommen hat, muss sich beispielsweise um die Leiche kümmern, die während des Stückes auftaucht.
So haben die Gäste die Möglichkeit, sich mit ihrer Rolle zu identifizieren und sie mit Leben zu füllen. Man darf sich aber auch zurücklehnen und dem schaurigem Treiben einfach nur zuschauen.
Niemand wird vorgeführt
In vier Akten wird die Geschichte einer Schriftstellerin erzählt. Mimi Durst schreibt Kriminalromane und wird selber Opfer eines Mordes. Um den Fall zu klären, fängt Kriminalkommissar Conan, gespielt von Helge van Hove, an zu ermitteln. Wer könnte der Mörder sein? Ist es der Butler? Ist es vielleicht einer der Gäste? Der Kriminalkommissar befragt jeden Anwesenden. Damit niemand in Panik gerät, stehen auf den Zettelchen mit der neuen Identität Sätze und Mottos, die zitiert werden können, wenn die Gäste aufgerufen werden.
Die Gastgeberin Mimi Durst wurde ermordet. Doch von wem? War der Butler der Mörder?
"Manch ein Gast blüht geradezu auf, andere wollen nur zuschauen", sagt van Hove, "es macht aber mehr Spaß, wenn jeder mitmacht.“ Und das machen die Gäste dann auch. Bei den Szenen kommt es immer wieder zu komischen Situationen, denen sich kaum jemand entziehen kann. Als dann auch noch der Butler, gespielt von Thomas Nestler, ermordet wird, wird es endgültig kurios. Der Deckenlüster beginnt zu wackeln und am Ende tritt sogar ein echtes Pony auf. Schlüssig ist das nicht immer, aber darauf kommt es auch nicht an.
Jedes Zimmer wird bespielt
Das gesamte Herrenhaus Borghorst wird bespielt. Zwischen den einzelnen Szenen wird gespeist und immer wieder kommen die Schauspieler und erweitern die Geschichte. Bis zum Schluss bleiben sie in ihrer Rolle. So wird jeder Gast am Ende der Vorstellung von der Schwester von Mimi Durst persönlich verabschiedet.
Das Krimi-Dinner. Kein klassischer Theaterabend, sondern ein unterhaltsamer, geselliger Abend in originalem Ambiente. "Das letzten Mahl" wird im Herrenhaus Borghorst wieder im März aufgetragen. Vorher kann mit "den Delikaten" aber schon in anderen Gutshäusern gespeist werden.