Stand: 17.12.2015 09:36 Uhr

Bücher für Welt- und Zeitreisende

von Katharina Mahrenholtz, NDR Info

Das Angebot auf dem Büchermarkt ist schier unüberschaubar. Da tut Orientierung manchmal ganz gut. Wir stellen auf dieser Seite Bücher vor für alle, die gerne reisen, aber schon überall waren. Außerdem werfen wir einen Blick in Bücher für Landkarten-Liebhaber. Und auch für Fantasie- und Zeitreisende haben wir Buch-Tipps zum Wünschen und Schenken parat.

Eine tolle Buchidee für Spiel- und Reisefans

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"Die Welt im Spiel - Atlas der spielbaren Landkarten" von Ernst Strouhal (Brandstätter / 208 Seiten / 59,- Euro).

Bei dem Begriff "Reisespiel" denkt man heute an kleine, kompakte Spiele, die man gut mit auf Reisen nehmen kann. Früher aber war ein "Reisespiel" eine besondere Art Brettspiel: Ein schön gestalteter Spielplan mit spiralförmig angeordneten Feldern, meist mit Zahlen versehen. Man muss würfeln und ziehen - und es gibt Spezialfelder: Einmal aussetzen, drei zurückgehen, noch einmal würfeln und so weiter. Soweit, so bekannt und unspektakulär. Aber jetzt kommt's: Der Spieleforscher Ernst Strouhal hat 63 wunderschöne Spielpläne in einem opulenten Bildband zusammengestellt und alle Anleitungen dazu recherchiert und mit abgedruckt. Man braucht nur Würfel und Männchen und kann sofort jedes Spiel spielen. Man kann aber auch einfach nur blättern und staunen, was im 18., 19. und 20. Jahrhundert so alles zum Spielplan wurde. in der Sowjetunion 1926 zum Beispiel: Die Spieler bewegen sich auf einem Fließband und lernen dabei eine gesunde Lebensweise. Natürlich gab es "In 80 Tagen um die Welt" als Spiel, diverse Pol-Expeditionen und eine Reise mit dem Luftschiff zum Mars. Eine Tour durch die britischen Kolonien war 1853 ein vielversprechendes Konzept, 50 Jahren später konnte man sich hoch nach Klondyke spielen und schon sechs Jahre vor Neil Armstrong auf dem Mond landen. Ein hinreißendes Bilderbuch für Erwachsene; das Betrachten der fantasievollen Spielpläne wird nie langweilig - Aha-Effekte gibt es auf jeder Seite.

Für Globetrotter, die Ulan Bator und das Polar-Plateau schon abgehakt haben

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"Die seltsamsten Orte der Welt: Geheime Städte, Wilde Plätze, Verlorene Räume, Vergessene Inseln" von Alastair Bonnett (C.H. Beck / 296 Seiten / 19,95 Euro).

Wetten, dass keiner Ihrer Freunde jemals auf Sandy Island war? Die Insel gibt es nämlich gar nicht, obwohl sie auf diversen Karten verzeichnet ist. Auch Kangbashi hat nicht nur ein Touristen-, sondern auch ein Einwohnerproblem: Die Stadt in der Inneren Mongolei hat sich die Lokalregierung gebaut, um ordentlich was herzumachen. Mit Einkaufszentren, Wohnblocks, Museen, einem Palast und einer monumentalen Dschingis-Khan-Statue - aber ohne Menschen. Da will einfach niemand hinziehen. Macht nichts, weitergebaut wird trotzdem. Ein ähnliches Schicksal hat Bir Tawil in Ostafrika - ein ganzes Land ohne Nation. Niemandsländer, Geisterstädte und verlorenen gegangene Orte hat Alastair Bonnett zusammengetragen, aber auch Ausnahmeräume wie den Genfer Freihafen oder Vergängliche Orte wie das Parkdeck E am Flughafen in L.A., wo Mitarbeiter in Wohnmobilen leben. Manchmal etwas anstrengend geschrieben, aber eine tolles Geschenk für Menschen, die sich nicht nur fürs Rumjetten, sondern auch für die sozialen Aspekte von Geografie interessieren.

Für Nostalgiker

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"Als Deutschland noch nicht Deutschland war: Eine Reise in die Goethezeit" von Bruno Preisendörfer (Galiani Berlin / 528 Seiten / 24,99 Euro).

Früher, da mussten wir zehn Kilometer zu Fuß zur Schule gehen, bei Schnee und Eis! Wie anspruchslos ist doch die heutige Zeit und wie verweichlicht die Jugend. Vor 50 Jahren war das alles anders. Ja, aber richtig interessant war es vor 250 Jahren. Als Goethe mit der Kutsche durch Deutschland gereist ist. Als man statt einer Tube Zahnpasta ein Döschen mit Zahnpulver aus zerriebener Kohle im Gepäck hatte. Als es auf den Straßen stank, weil die Nachttöpfe direkt in die Gosse geleert wurden. Als es zwar keine hupenden Autos gab, aber Lärm ohne Ende: Grunzende Schweine, wiehernde Pferde trompetende Nachtwächter. Bruno Preisendörfer unternimmt mit seinen Lesern eine Zeitreise in die Goethezeit, schildert das Leben in der Stadt und auf dem Land, die Mode, das Eheleben. Es geht um Essen, Trinken, Prostitution und Krankheit, um Schule, Unterwäsche, Tabak und Schwiegermütter. Interessant, amüsant und lehrreich - ein Geschenk für den Schwiegervater?

Für alle, die lieber Landkarten als Romane lesen

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"Weltkarten: Meisterwerke der Kartografie von der Antike bis heute" von Jerry Brotton (Dorling Kindersley / 256 Seiten / 34,95 Euro).

Es sind vor allem Männer jenseits der Fünfzig, die sich gern aus dem Familientrubel zurückziehen, um mal in Ruhe im Atlas zu lesen. Oder die Michelin-Karte der französischen Alpen studieren - als Vorbereitung auf den Sommerurlaub. Und nur diese Zielgruppe weiß überhaupt, dass es historische Atlanten gibt, in denen man nachschauen kann, wie die Landesgrenzen zur Zeit Luthers, Kaiser Wilhelms und Karls des Großen aussahen. Wenn andere Menschen (Cecilia-Ahern-Leserinnen zum Beispiel) einen Blick auf - sagen wir - eine Karte der Molukken (Kupferstich, 1594) werfen, werden sie sich schnell gelangweilt abwenden. Alte Schrift, zu viele Linien, lateinische Erläuterung. Aber der Hardcore-Karten-Fan saugt sich gleich fest. Danach noch etwas den Stadtplan von Augsburg (Holzschnitt, 1521) studiert und mit dem Finger auf der Afrikakarte von Livingstone (Leinendruck, 1873) zu den Nilquellen gereist - herrlich! Mit diesem Buch machen Sie Liebhaber der Kartografie garantiert sehr glücklich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 17.12.2015 | 10:54 Uhr