Stand: 18.06.2015 09:26 Uhr

Der schillernde Enkel des Kaisers Augustus

Ich Germanicus - Feldherr - Priester - Superstar
von Stefan  Burmeister
Vorgestellt von Agnes Bührig
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Herausgeber Dr. Joseph Rottmann ist Geschäftsführer des Museums und des archäolog. Parks Kalkriese. Der Autor Dr. Stefan Burmeister ist Archäologe und Kurator der dortigen Sonderausstellung "Ich Germanicus".

Wäre er heute unter uns, er könnte sich wahrlich freuen: Eine Ausstellung, eine historische Oper und ein neues Sachbuch beleuchten dieser Tage sein Leben. Die Rede ist von Germanicus, dem römischen Feldherrn. Vor mehr als 2.000 Jahren führte er auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen die Schlachten der römischen Legionen gegen die Germanen an. Nachspüren kann man dem Leben des Feldherrn ab dem 20. Juni in der neuen Ausstellung im Museum Kalkriese in Bramsche und bei der Premiere der lange verschollenen Oper "Germanicus" von Telemann im Theater Osnabrück. Dazu gibt es das Buch "Ich Germanicus - Feldherr, Priester, Superstar", herausgegeben von Stefan Burmeister und Joseph Rottmann.

Ein Rachefeldzug im großen Stil

Mit acht Legionen und tausend Kriegsschiffen zog er in Nordwestdeutschland ein. Seine Mission: Germanien erobern und die Verluste bei der Hermannsschlacht rächen. Sein Auftraggeber: der römische Kaiser Augustus. Im Jahr 13 nach Christus macht ihn dieser zum Oberbefehlshaber am Rhein. Die Heeresführung soll in der Familie bleiben. Germanicus ist ein Enkel von Kaiser Augustus, Spross einer römischen Adelsfamilie, Adoptivsohn des späteren Kaisers Tiberius.

Väterlicherseits gehörte Germanicus einer der ältesten Adelsfamilien Roms an - arrogante und standesbewusste Männer und auch Frauen waren aus ihr hervorgegangen. Seit frühester Zeit hatten diese Claudier die Geschicke Roms bestimmt. Mütterlicherseits war der Adel des Germanicus nicht ganz so glanzvoll. Aber spätestens seit Caesars Diktatur war es nicht mehr entscheidend, wie viele erlauchte Vorfahren jemand in seinem Stammbaum aufwies, sondern wie nah er dem starken Mann im Staat stand.

Vorbereitungen auf ein Leben in der Öffentlichkeit

Die Nähe ist offensichtlich: Germanicus wächst bei seinem Groβvater auf, Kaiser Augustus. Er und seine Frau Livia bereiten ihn mit umfassender Bildung auf ein Leben in der Öffentlichkeit vor. Früh übernimmt Germanicus Aufgaben im Staate. Mit gerade einmal 21 Jahren erhält er das niedrigste Amt der römischen Ämterlaufbahn und wird Quästor. Ein Jahr später befehligt er kleine Heeresabteilungen im Pannonischen Krieg auf dem Gebiet der heutigen Balkanhalbinsel.

Der Vorstoß der Römer ins germanische Siedlungsgebiet wird jedoch in der Hermannsschlacht im Jahre neun nach Christus gestoppt. Als Führer der rechtsrheinischen Truppen versucht Germanicus später weitere Angriffe.

Der Sommerfeldzug 15 richtete sich gegen Stämme in der Emsregion. Caecina stieß mit vier Legionen durch das Bruktererland und vereinigte sich mit der von Germanicus befehligten Flotte, die die obergermanischen Legionen zur Ems schiffte. Auf diese Weise konnte nicht nur Nachschub direkt ins Operationsgebiet transportiert werden, sondern wurden auch die Küstenvölker gesichert, zumal Germanicus das Kriegeraufgebot der Chauken als Quasi-Geiseln dem Heereszug angliederte.

Wo die "Chatten" hausten

Wer weiß, wo Chauken und Chatten hausten und dass die Brukterer zwischen Ems und Lippe siedelten, kann den faktenreichen Beschreibungen der Kriegshandlungen mühelos folgen. Zumal das Buch mit etlichen Karten bestückt ist. Den Alltag der römischen Militärs beleuchten Kapitel über die Infrastruktur und die Verpflegung der Truppen. Daneben lassen Abbildungen von Münzen und Büsten das Bild der Protagonisten wieder auferstehen. Germanicus wird als mächtiger Imperator mit Licht und Schattenseiten nachgezeichnet, eine vielschichtige Persönlichkeit, deren Beurteilung auch 2.000 Jahre nach ihrem Wirken nicht eindeutig ausfällt.

Für die Quellengläubigen ist er ein hervorragender Politiker, Stratege, eine Lichtgestalt und ein "Nationalheld". Für Kritiker ist er eine auf Außenwirkung zielende, zwar beliebte, politisch und militärisch aber nur mittelmäßige Person. Es ist von daher nur schwer möglich, sich dem historischen Germanicus anzunähern.

Das Buch "Ich Germanicus" unternimmt diesen Versuch jedoch erfolgreich, indem es die verschiedenen Sichtweisen darstellt. Es ist vor allem für Fans römischer Geschichte auf heute norddeutschem Boden spannend. Der Veröffentlichungszeitpunkt ist dabei gut gewählt. 2015 jährt sich eine von Germanicus´ Taten mit Verbindung zum heutigen Gebiet Niedersachsens zum 2000. Mal. Im Jahr 15 nach Christus ließ der römische Feldherr die Gebeine der Legionäre der Hermannsschlacht bestatten. Davon zeugen die in Kalkriese nördlich von Osnabrück gefundenen Knochengruben. Auch darüber berichtet das Buch.

   

Weitere Informationen

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Ich Germanicus - Feldherr - Priester - Superstar

von
Seitenzahl:
112 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Theiss
Bestellnummer:
978-3-8062-3141-0
Preis:
19,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 19.06.2015 | 12:40 Uhr

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