Sendedatum: 23.09.2013 10:56 Uhr

Komplexer Klimawandel ist globales Problem

Klimafakten
von Tobias Böttcher, Sven Plöger
Vorgestellt von Verena Gonsch

Der Weltklimarat veröffentlicht seinen ersten Bericht zum Zustand der Erde. Auch auf dem Extremwetterkongress, der in Hamburg stattfindet, wird dieser Bericht diskutiert. Und wie steht es nun ums Erdklima? Was erwartet uns? Der Veranstalter des Kongresses, Frank Böttcher, hat mit dem Wettermoderator und Meteorologen Sven Plöger das Buch "Klimafakten" über die Fakten des Klimawandels geschrieben.

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Das Buch "Klimafakten" von Sven Plöger und Frank Böttcher ist im Westend Verlag erschienen.

Ein schwieriges Thema in einem schwierigen Umfeld - so präsentieren die beiden Autoren die "Klimafakten". Dabei verschweigen sie nicht die Krise, in der die Klimapolitik seit dem Kopenhagener Gipfel vor vier Jahren steckt. Denn immer mehr Menschen schlagen sich auf die Seite der Klimaskeptiker, das heißt, sie halten die Debatte um den Klimawandel für falschen Alarm und die Auswirkungen der Erderwärmung für halb so schlimm. Unterstützt wird diese Einschätzung durch Meldungen aus der Wissenschaft, die Erwärmung der Erde mache Pause.

Für den Veranstalter des Extremwetterkongresse, Frank Böttcher, zeigt dies, wie komplex das Thema ist: "Da wird ganz oft vergessen, dass so ein Gesamtklimasystem eben nicht nur aus der Atmosphäre besteht, in der die Luft eine bestimmte Eigenschaft hat, eben die Temperatur, die ansteigt oder - ganz aktuell - stagniert, sondern da gehören andere Elemente dazu. Das ist beispielsweise der Ozean und der macht über 90 Prozent des gesamten Systems aus, was den Energiehaushalt angeht. Das heißt, wenn von außen eine Erwärmung kommt - und die ist weiterhin da, die findet weiterhin statt -, dann passiert das im Gesamtsystem. Das heißt, das, was im Moment in der Atmosphäre nicht mehr messbar ist, passiert dann weiter in den Ozeanen."

Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels

Und das in vielen Teilen der Erde. Die Deutschen selbst hätten oft nur die Vorteile des Klimawandels für sich selbst im Blick, sagt Böttcher: "Ganz häufig kommt dann der Punkt, dass jemand sagt: 'Also, ganz ehrlich, so zwei, drei Grad mehr hier in Norddeutschland, das wäre doch ganz wunderbar! Damit könnte ich prima leben!' Das Problem ist immer, dass wir sehr schnell immer nur unseren Bereich im Blick haben und nicht das, was global passiert. In der Arktis beispielsweise, im letzten Jahr im September, da fehlten 3,1 Millionen Quadratkilometer Eis."                                                                                   

Das fehlende Eis in der Arktis, der Smog in Peking, Orkane, Überschwemmungen und Hitzewellen - Kapitel für Kapitel deklinieren die beiden Autoren die möglichen Auswirkungen des Klimawandels durch und fassen den Stand der Forschung zusammen. Das ist gut lesbar und bietet einen umfassenden Überblick über die Debatte.

Autoren halten Energiewende für alternativlos

Bei dem Thema Energiewende in Deutschland beziehen die beiden Klimaexperten klar politisch Position. Die Energiewende halten sie für alternativlos und bei einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sicherlich auch mit weniger Geld finanzierbar. "Denn tatsächlich ist es so: Wenn man mal die Subventionen abzieht, die wir nicht nur in der erneuerbaren, sondern auch in der Kohle- und in der Atomenergie haben, dann ist die erneuerbare Energie immer die günstigere. Und das müssen wir im Preis eigentlich auch irgendwo spüren", sagt Böttcher.

Böttcher und Plöger halten es auch für verkraftbar, dass die Strompreise steigen. Ein Zitat aus dem Buch:

"Rechnet man trotz aller Kritik am EEG ganz nüchtern mit den aktuellen Zahlen, so ergibt sich folgendes Bild: Der Anstieg beträgt 1,69 Cent pro Kilowattstunde und ein durchschnittlicher Drei-Personen Haushalt in Deutschland verbraucht 4.000 Kilowattstunden im Jahr. Dieser Anstieg verursacht also jährliche Mehrkosten von 67,60 Euro oder 5,63 Euro im Monat. Geht man also monatlich einmal weniger in das Fastfood-Restaurant seines Vertrauens, hat man die gesamten Kosten wieder raus."

Keine schnelle Lösung des Problems in Sicht

Das sollte uns die Energiewende wert sein, meinen die Autoren. Das Buch "Klimafakten" bietet einen aktuellen Überblick über die Klimadebatte, mit wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Problems. Noch ein Zitat aus dem Buch:

"Einer neuen Politikergeneration wird es möglicherweise viel leichter gelingen, zu einem weltweiten Konsens in Bezug auf den Klimawandel zu gelangen. Erstens sind sie für das Thema sensibilisiert und zweitens sind jüngere Menschen selbstverständlich auch viel intensiver von den sich verschärfenden Umweltproblemen betroffen.“

Weitere Informationen

Blitzortung.org: "Ernst zu nehmende Spielerei"

Das Netzwerk blitzortung.org stellt eigene Blitzdaten auf interaktiven Karten im Internet zur Verfügung. Auf dem Extremwetterkongress erzählen die Macher vom Nutzen ihrer Daten. mehr

Klimafakten

von
Seitenzahl:
176 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Westend Verlag
Bestellnummer:
978-3-86489-048-2
Preis:
12,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 23.09.2013 | 10:56 Uhr