Sendedatum: 02.05.2012 16:20 Uhr  | Archiv

Pipilotti Rist - Eine Pionierin der Videokunst

Pipilotti Rist. Augapfelmassage
von Pipilotti  Rist, Stephanie Rosenthal (Hg.)
Vorgestellt von Anette Schneider

Pipilotti Rist ist eine Pionierin der Videokunst. Seit Mitte der 80er-Jahre arbeitet sie mit dem Medium, ihr innovativer Umgang gilt als stilbildend. Nun ist anlässlich ihrer ersten internationalen Retrospektive in der Londoner Hayward Gallery, die inzwischen in Mannheim gezeigt wird, ein umfangreicher Katalog erschienen.

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Bereits der Katalog-Einband zur Retrospektive Pipilotti Rist bezieht den Betrachter mit ein: Je nach Blickrichtung schillert er unterschiedlich bunt.

"Augapfelmassage" nennt Elisabeth Charlotte Rist alias Pipilotti Rist ihre Retrospektive. Und tatsächlich massieren ihre Arbeiten die Augen des Betrachters, seine Wahrnehmung: Ununterbrochen fließen die Bilder über Wände, Decken und Fußböden, hüllen den Ausstellungsbesucher ein in Licht, Bewegung und Farben.

Ein Kosmos von Licht, Bildern und Geräuschen

Die Schweizerin Pipilotti Rist bricht mit herkömmlichen Sehgewohnheiten. Sie zerbricht gängige Raumvorstellungen. Sie schafft mit ihren unentwegt strömenden Bildern, mit Geräuschen, Musik und Gesang einen eigenen Kosmos.

Schon als Kind inszenierte die heute 49-jährige weltberühmte Videokünstlerin Räume für andere, in denen sie mit Licht, Musik und Film experimentierte, einen Raum für Menschen schuf.

Bilderflut auf 200 Seiten

Wie klemmt man die flirrende Welt der Pipilotti Rist zwischen zwei Buchdeckel?

Herausgeberin Stephanie Rosenthal entwickelte eine überzeugende Form: Schon der Umschlag schillert verheißungsvoll bei der kleinsten Bewegung in allen Regenbogenfarben. Auf den 200 Seiten folgt dann eine Flut von großen und kleinen Filmstills, die überraschend gut die Arbeitsweise der Künstlerin vermitteln.

 

Video
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Augapfelmassage - Ein Abriss

Der Trailer der Videokünstlerin bei YouTube zu ihrer aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim. Länge: 2'15 Minuten extern

Vorgestellt werden Videos aus 27 Jahren, die anschaulich zeigen, was Rist an dem Medium so fasziniert: Sie will Wirklichkeit nicht abbilden, sondern fühlbar machen. Doch sei ein herkömmliches Video nur eine schlechte Kopie dessen, was wir sehen, erklärte sie anlässlich ihrer Ausstellungseröffnung in London. Deshalb drehe sie mal rasend schnell, mal ganz langsam, manipuliere mit Farben, wolle so dem näher kommen, wie wir Wirklichkeit empfinden.

Extrakt von verführerisch-bunter Erfahrung

Ihre Idee ist verbunden mit einem ungeheuren Aufwand: Rists Kamera ist in ständiger Bewegung. Mit ihr ist es der Zuschauer: Er findet sich in Augenhöhe eines Wurmes oder eines Kuhmauls wieder, streift über Haut, schwebt durch Wasser, Zeit und Raum. Sie denke immer, so Pipilotti Rist, wenn sie hundert Stunden Arbeit in eine Minute Film stecke, erhalte derjenige, der die Minute sieht, hundert Stunden.

Fünf Katalogbeiträge nähern sich dem Werk der Schweizerin aus unterschiedlichen Perspektiven: psychologisch, philosophisch, feministisch. Gedruckt sind sie in typischen Schreibmaschinenlettern. Zusammen mit den Filmstills erhält der Band damit den Charakter eines verführerisch-bunten Arbeitsbuches, das auf lustvoll-suggestive Weise in die Welt der Pipilotti Rist entführt - obwohl die Bilder sich doch gar nicht bewegen. Oder doch?

Pipilotti Rist. Augapfelmassage

von
Seitenzahl:
200 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Prestel, 200 Seiten
Bestellnummer:
978-3791351834
Preis:
39,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 02.05.2012 | 16:20 Uhr