Stand: 14.07.2017 13:13 Uhr

Über Früchte, Gerüchte und den Mut sich zu wehren

von Korinna Hennig
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NDR Info-Redakteurin Korinna Hennig liest gern vor - findet aber auch: nicht jedes Kinderbuch ist gut!

In Ruhe ein Bilderbuch vorlesen, am liebsten gleich drei bis fünf Mal hintereinander, das geht besonders gut, wenn alle Ferien haben. Wer Glück hat, findet ein Buch, bei dem die Kinder auf spielerischem Weg etwas lernen können.

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Der Wolf und die üble Nachrede: Kinder sollten nicht alles glauben, was so erzählt wird.
Wie Gerüchte entstehen

Der Wolf ist böse. Weiß doch jeder. Er frisst Lämmer, Hühner und natürlich auch Rotkäppchen. Aber stimmt das wirklich? Und wie kommt es, dass alle den Wolf für besonders gefährlich halten? Dieses schöne Buch mit naturalistischen Aquarellbildern erzählt im Stile einer Fabel, wie sich die Bauernhoftiere durch Stille Post in eine regelrechte Wolfshysterie reinsteigern.

Alles fängt damit an, dass eine freundliche Wölfin ein kleines Lamm lächelnd grüßen will. Doch das Lamm erschrickt vor den spitzen Zähnen, sagt den Schweinen, dass ein böser Wolf es fressen wollte - und die erzählen es überall rum. Und weil alle übertreiben, werden aus den spitzen Zähnen schon bald Säbel, dann Lanzen - und schließlich ist es vermeintlich ein ganzes Wolfsrudel. Am Ende kommt bei der Wölfin selbst das Gerücht an, ein Monster sei unterwegs - und voller Angst läuft sie weg. Lustig erzählt, die Steigerung von Mal zu Mal funktioniert super bei kleinen Kindern - und am Ende lernen sie, dass man nicht alles glauben sollte, das über andere erzählt wird. Nebenwirkung: Möglicherweise abendliches Wolfsgeheul.

(Habt ihr schon vom Wolf gehört? Von Quentin Gréban. Orell Füssli, € 14,95. Für Kinder ab vier Jahren)

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Am Ende jagen die Tiere den faulen Bauern vom Hof: Dieses Buch erzählt von Starken und Schwachen.
Sich wehren lohnt sich!

Auch dieses Buch liest man gern vor, weil es so schön gestaltet ist, mit großen Tuschezeichnungen, Licht und Schatten und typografisch abgesetzten Tiergeräuschen - die Kinder können also schon bald mitsprechen.

Es ist die Geschichte der Ente, die auf dem Bauernhof wie ein Knecht schuften muss, während der Bauer träge im Bett liegt. Und weil er immer dicker und fauler wird und die Ente irgendwann nicht mehr kann, beschließen die anderen Tiere, ihn vom Hof zu vertreiben. Eine einfache Erzählung vor allem für kleinere Kinder, die Mitgefühl vermittelt - und den Mut, sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen. Fürs Erwachsenenleben später keine schlechte Lektion.

(Bauer Ente. Von Martin Waddell und Helen Oxenbury. Atlantis, € 14,95. Ab drei Jahre)

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Keine Frucht, die hier nicht vertreten wäre: Kleine Schlaumeier kommen ganz auf ihre Kosten!
Exotisches Fachwissen mit Sommergeschmack

Wo kommen all die Früchte her? Wie blühen sie? Was für Sorten gibt es? Und was macht man eigentlich mit Quitten, Granatäpfeln und Oliven? Dieses aus dem Französischen übersetzte Bilderbuch ist eine Mischung aus Sachbuch und Erzählung. Sophie wohnt in der Stadt und besucht gern ihre Verwandten auf dem Land. Dort gibt es die leckersten Sommerbeeren, sie feiern ein Kirschfest und Sophie lernt jede Menge über Bienen, Blüten und Zwetschgen.

Später muss Sophie umziehen, nach Südfrankreich - dort wachsen auch Feigen, Mandeln, Aprikosen, Melonen und Clementinen, und zusammen mit ihren neuen Freunden steigt Sophie ganz tief in die Obsternte ein. Ein perfektes Buch für kleine Besserwisser, die gern auch exotisches Wissen ansammeln. Man kann es ganz normal vorlesen oder mit jüngeren Kindern einfach angucken. Macht Appetit auf den Sommer mit all seinen leckeren Früchten.

(Jetzt sind auch die Kirschen reif! Wo kommen all die Früchte her? Von Gerda Muller. Moritz Verlag. Für Vorschulkinder und jüngere Geschwister)

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 15.07.2017 | 07:56 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Ferienlektuere-,sommerbuecherinfo166.html

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