Stand: 13.10.2015 17:00 Uhr

Reise in die Erinnerung

Die Straße der Pfirsiche
von F. Scott Fitzgerald, aus dem Englischen von Alexander Pechmann
Vorgestellt von Jan Ehlert
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"Die Straße der Pfirsiche" schrieb der Autor in einer glücklichen Phase seines Lebens, die nicht lange andauerte.

Der US-amerikanische Autor F. Scott Fitzgerald gilt als der große Träumer unter den amerikanischen Schriftstellern. In seinen Romanen, die von den Reichen und Schönen des Jetset erzählen, scheint alles möglich - im Guten wie im Schlechten: "Der große Gatsby", "Zärtlich ist die Nacht", "Diesseits vom Paradies". Neben den Romanen schrieb Fitzgerald zahlreiche Kurzgeschichten. Eine davon ist nun erstmals auf Deutsch erschienen: "Die Straße der Pfirsiche" heißt sie.

Lust auf ein spontanes Abenteuer

Das Leben kann so schön sein! Fast über Nacht wurde Fitzgerald dank seines Romans "Diesseits vom Paradies" berühmt. Das lang erträumte Schwelgen im Luxus scheint plötzlich möglich - und gemeinsam mit seiner großen Liebe und frisch gebackenen Ehefrau Zelda taucht der Autor ein in die Welt der Reichen und Schönen, reist von einem Luxushotel ins nächste.

Seitenweise hat Zelda ihre Erinnerungen an die ungezählten Hotelaufenthalte festgehalten, fasziniert von all den absonderlichen Kuriositäten. Aber es sind die Biskuits und die Pfirsiche, die plötzlich bei Zelda ein Gefühl der Sehnsucht auslösen - und bei ihrem Mann die Abenteuerlust.

Da kam mir ein wilder Gedanke und entfaltete sich in seiner ganzen Pracht. "Ich ziehe mich an", sagte ich mit gedämpfter Stimme, "dann gehen wir nach unten und steigen in unseren Wagen [...] Sobald wir auf den Vordersitzen Platz genommen haben, fahren wir von hier nach Montgomery, Alabama, und essen dort Biskuits und Pfirsiche." Leseprobe

Aus Dramen werden amüsante Anekdoten

Doch Montgomery ist mehr als 1.000 Kilometer entfernt und der Wagen, der liebevoll "Rolling Junk", also rollender Schrott genannt wird, macht seinem Namen alle Ehre.

Diese Leichtigkeit des Erzählens, diese Liebe zum stilistischen Detail machten Fitzgerald so erfolgreich. In seinen Romanen wie "Der große Gatsby" und "Zärtlich ist die Nacht" paart er sie mit großen Tragödien: einer verlorenen Liebe, einer zerrütteten Ehe. Hier aber, in "Die Straße der Pfirsiche" bleibt die Tragödie aus. Auch scheinbar dramatische Ereignisse - ein versuchter Raubüberfall, ein Radschaden bei voller Fahrt - werden zu amüsanten, herrlich erzählten Anekdoten.

Erzählung voller Lebenszuversicht und Begeisterung

Fitzgerald schrieb diese kurze Geschichte etwa 1922, in Erinnerung an die Spritztour nach Montgomery, die tatsächlich stattgefunden hat. In einer Zeit also, als er auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit war und die schweren Schicksalsschläge - seine Alkoholsucht, Zeldas Einweisung in eine psychiatrische Heilanstalt - noch vor ihm lagen.

So ist es ein Amerika der unbegrenzten Möglichkeiten, das Fitzgerald wieder aufleben lässt, geprägt von Lebenszuversicht und Begeisterungsfreude. Nur kurz scheint auch das andere, nicht so glanzvolle Amerika auf: in Form rassistischer Klischees gegenüber Schwarzen, die auch Fitzgerald offenbar nicht fremd waren.

Doch selbst das trübt nur kurz die Freude an dieser rasanten, spielerischen, bisweilen herrlich absurden Odyssee. Ein Band, der unbedingt ins nächste Reisegepäck gehört. Denn Fitzgerald zeigt uns hier wieder einmal: Die Welt ist voller Abenteuer, man muss nur rausgehen und sie suchen.

Die Straße der Pfirsiche

von
Seitenzahl:
157 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Aufbau Verlag
Bestellnummer:
978-3-351-03612-6
Preis:
16,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 14.10.2015 | 12:40 Uhr

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