Stand: 19.05.2017 18:24 Uhr

Besondere Romane für Jugendliche

von Katharina Mahrenholtz, NDR Info

Durchschnittstyp plant Ocean's Eleven

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Schön gemachte Gangster-Story: "Wir sind nicht zu fassen" von Kurt Dinan.

Dieses Buch verbindet aufs Feinste Spannung, Witz und ein bisschen Liebe: Ich-Erzähler Max ist selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass er ein Langweiler ist, 08/15, normal eben. Wie gerne wäre er Mitglied des geheimnisvollen Chaos Clubs, der mit seinen Aktionen immer wieder für Aufsehen sorgt - etwa, wenn eines Morgens eine Kuhherde auf dem Schuldach steht. Als Max eine Einladung zu einer Chaos-Club-Aktion bekommt, ist er Feuer und Flamme - und tappt prompt in eine Falle - zusammen mit einigen anderen Loser-Schülern. Jetzt reicht's! Max entdeckt den Gangster in sich und schmiedet mit seiner kleinen Opfer-Gruppe einen Racheplan. Sie wollen den Chaos Club auffliegen lassen! Und ganz nebenbei plant Max, das Herz der coolen Ellie zu erobern. Ein tolles Buch voller origineller Ideen und überraschender Wendungen, gut geschrieben - Ocean’s Eleven lassen grüßen. (Magellan Verlag / ab 14 / 320 Seiten / 16,95 Euro)

Waisenkinder finden ein Zuhause

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Lieblingsbuch in wunderschöner Gestaltung: "Der Himmel über Appleton House" von S. E. Durrant.

Dieses Buch scheint merkwürdig aus der Zeit gefallen. Waisenhausgeschichten assoziiert man eher mit dem 19. Jahrhundert und tatsächlich ist das Kinderheim, in dem Zac und Ira landen, hundert Jahre alt. Und obwohl die Geschichte 1987, also durchaus in Neuzeit, beginnt, mutet vieles altmodisch-verwunschen an. Die Geschwister fühlen sich wohl in Skilly House - und doch sind sie immer ein bisschen traurig, wenn andere Kinder eine neue Familie finden und das Kinderheim verlassen, während sie stets dort bleiben. Bis sie eines Tages in die Ferien zu einer alleinstehenden Dame aufs Land eingeladen werden. Martha wohnt in einem gemütlichen Haus mit einem herrlichen Garten, alles könnte wunderbar sein, wenn sich nur Zac nicht so schlecht benehmen würde. Ira befürchtet die ganze Zeit, dass Martha sie nach Hause schickt. S.E. Durrant erzählt eine leise Geschichte ohne Knalleffekte und schafft es, den Leser einzuwickeln in ihre wunderbare Sprache, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen mag. (Königskinder / ab 12 Jahren / 240 Seiten / 16,99 Euro)

Noch ein Waisenkind, aber ganz anders

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Nichts für schwache Nerven: "Der Koffer" von Robin Roe.

Dieses Buch ist heftig. Es ist die Geschichte eines Missbrauchs. Seitdem Julian seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat, lebt er bei seinem grausamen Onkel - und ist gefangen in den Erinnerungen an glückliche Tage. In der Schule gilt er als Sonderling, wird geärgert, hat keine Freunde. Da ist nur Adam, der eine Zeit lang wie ein großer Bruder für ihn war und den er jetzt wiedertrifft. Erzählt wird abwechselnd aus Adams und Julians Perspektive, was einen interessanten Effekt hat: Adam bewegen die üblichen Teenagersorgen um Schule und Mädchen - hier finden sich vermutlich die meisten Leser wieder -, während Julian mit ganz anderen Problemen kämpft. Seine Situation verschlimmert sich, und Adam merkt ganz lange nicht, was vorgeht, bis das Ganze fast ein tödliches Ende nimmt. Die entscheidende Szene hätte vielleicht nicht ganz so drastisch sein müssen, aber abgesehen davon, ist "Der Koffer" ein berührendes Buch von einer Autorin, die weiß, worüber sie schreibt: Robin Roe arbeitet in der Jugendberatung und betreut Risiko-Jugendliche. (Königskinder / ab 14 / 416 Seiten / 19,99 Euro)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 20.05.2017 | 07:54 Uhr

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