Sendedatum: 28.08.2012 15:20 Uhr  | Archiv

Ein Museum fürs Radio

Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten
von Neil  MacGregor
Vorgestellt von Jan Ehlert

Gelesen von Hanns Zischler

Vorgestellt von Jan Ehlert

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Die Geschichten dieser Gegenstände sind nicht nur für Archäologen unglaublich faszinierend.

Ein Museum fürs Radio - das war die Idee, mit der die britische BBC an das Britische Museum herantrat.  Regelmäßig sollten besondere Objekte der Sammlung im Rundfunk vorgestellt werden - 100 an der Zahl. Stück für Stück wurden sie den Hörerinnen und Hörern vorgestellt, Exponate aus allen Erdteilen und Epochen, eine Geschichte der Welt, erzählt von den Gegenständen, die sie geprägt haben. Nun sind die Beiträge dieser Reihe auch auf deutsch erschienen, als Hörbuch. 20 CDs mit insgesamt 1.351 Minuten.

Geheimnisvolle Funde

Die Vergangenheit ist voller Geheimnisse. Viele von ihnen verschwinden im Dunkel der Geschichte. Was bleibt, sind Artefakte, Relikte vergangener Kulturen, die unserer heutigen Zeit Rätsel aufgeben - wie der Messingkopf aus dem nigerianischen Ife.

"Es handelt sich ziemlich eindeutig um das Porträt einer Person - wir wissen jedoch nicht, wer diese war; es wurde ohne Frage von einem ganz großartigen Künstler geschaffen - wir wissen aber nicht, von wem; und es muss für eine Zeremonie bestimmt gewesen sein - allerdings wissen wir nicht, was für eine das gewesen ist."

Bis zu seiner Entdeckung 1910 spielte Afrika für die Geschichte der Hochkulturen kaum eine Rolle. Der deutsche Forscher Leo Frobenius, der den Kopf fand, glaubte daher zunächst, er sei ein Überbleibsel des versunkenen Atlantis. Heute glaubt das natürlich keiner mehr, aber selbst wenn viele Fragen offen bleiben: Der Messingkopf aus Ife revolutionierte die Vorstellung der Wissenschaftler von der Entwicklung der Menschheit.

Dinge können Gedanken verändern

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100 spannende Geschichten hat der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor, ausgesucht.

"Was wir wissen, ist, dass der Kopf aus Afrika stammt, dass er einen König zeigt, und dass er die großen mittelalterlichen Kulturen Westafrikas vor etwa 600 Jahren verkörperte. Man kann gar nicht genügend betonen, wie tiefgreifend diese Entdeckung Vorurteile und Hierarchien umkrempelte. Auf einer Stufe mit Griechenland und Rom, Florenz und Paris stand nun Nigeria. Wenn Sie nach einem Beispiel dafür suchen, wie Dinge Gedanken ändern können, dann ist die Wirkung der Ife-Köpfe das Beste, das Sie finden werden."

Heute steht der Ife-Kopf - einer von insgesamt 13, die gefunden wurden -  im Britischen Museum in London. Nur ein Objekt unter Zehntausenden. Denn jedes einzelne Exponat hat seine eigene, spannende Geschichte. Die großen, prachtvollen, wie der goldene Schiffsautomat aus Augsburg, genauso wie die kleinen, unscheinbaren.

"Es ist erstaunlich, was uns einige zerbrochene Teller und Krüge alles erzählen können. Es gibt einige glatte, blassgrüne Stücke, die wie teures modernes Porzellan aussehen; andere kleine Scherben sind blau gemustert; und eine dritte Gruppe besteht aus unglasiertem natürlichen Ton. Die Gefäße, deren Teil diese Fragmente einst waren, stammen aus ganz unterschiedlichen Regionen der Erde, aber ungefähr 600 bis 900 Jahre vor unserer Zeit wurden sie alle an einem Ort weggeworfen - an demselben Strand in Ostafrika."

Scherben sind nicht nur Scherben

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Hanns Zischler bei seinem 22-stündigen Lesemarathon zuzuhören ist, wie einem Krimi zu folgen.

Und damit sind die Bruchstücke nicht einfach nur Scherben, sondern einer der ersten Beweise dafür, dass es bereits vor 900 Jahren einen weltweiten Handel gegeben haben muss. 100 solcher Geschichten hat der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor, ausgesucht  und gemeinsam mit dem Kulturradio der BBC aufgenommen. Auf Deutsch liest die Texte Hanns Zischler - und auch er beweist, dass Wissenschaft alles andere als trocken sein muss. Ihm bei seinem 22-stündigen Lesemarathon zuzuhören ist, wie einem Krimi zu folgen: Spannend, manchmal atemberaubend, sehr oft überraschend.

"Die Taino mögen vor Hunderten von Jahren nahezu vernichtet worden sein, aber wir finden den Nachhall ihrer verschwundenen Welt noch immer in einigen uns vertrauten Worten: Hurrican, Barbecue, Kanu und Tabak."

Der Bergkristall, der zum Untergang von König Lothar führte, die Sintflut-Tafel, die die Geschichte der Bibel vorwegnahm, der Warren-Kelch, der so obszön war, dass er nicht in die USA eingeführt werden durfte - es gibt so viele faszinierende Objekte, dass es schwer fällt, eine Auswahl zu treffen. Am besten, man hört sie sich alle an. Denn so viel ist sicher: trotz der Laufzeit von 1.351 Minuten wird einem die Zeit mit diesem ungewöhnlichen Hörbuch nicht lang.

 

Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten

von
Verlag:
der Hörverlag
Bestellnummer:
9783-86717-8945

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Hörbücher | 28.08.2012 | 15:20 Uhr

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