Stand: 27.02.2015 11:00 Uhr

Landmensch durch und durch

von Susanne Birkner

Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum, ist in einem kleinen Dorf in Nordfriesland aufgewachsen.

Bild vergrößern
Die Autorin und Journalistin Dörte Hansen ist begeistert von den selbstbewussten Marschbauern im Alten Land.

Nach einigen Jahren in Hamburg-Ottensen zog sie vor zehn Jahren wieder aufs Land, diesmal ins Alte Land. "Der große Unterschied ist, dass die Menschen auf der Geest, wo ich herkomme, immer eher arme Bauern waren. Das Alte Land dagegen ist eine wohlhabende Gegend. Hier gibt es die standesbewussten, selbstbewussten Marschbauern", so die Autorin. "Sie haben eine ungeheure Haltung. Man sieht diese Haltung an den riesigen Häusern, den riesigen, akkurat gepflegten Feldern. Die Menschen im Alten Land kennen ihren eigenen Wert. Und das fasziniert mich."

Bis heute spricht sie Platt

Buchtipp

NDR Buch des Monats: "Altes Land"

"Altes Land" heißt der erstaunliche Debütroman von Dörte Hansen, der lange nachklingt - wie das Ächzen und Knarren in dem Bauernhaus. Große Literatur aus Norddeutschland. mehr

Erst in der Grundschule hat Dörte Hansen festgestellt, dass es außer Plattdeutsch noch andere Sprachen auf der Welt gibt. Zuhause mit ihrer Familie und mit ihrer Tochter spricht sie bis heute Platt. Die Begeisterung für Sprache zieht sich durch ihr Leben: Sie hat unter anderem Gälisch, Finnisch und Baskisch studiert und in Linguistik promoviert. Danach hat sie lange als Autorin für Hörfunk- und Printmedien gearbeitet, unter anderem auch für den Norddeutschen Rundfunk.

"Altes Land" ist ihr erster Roman. Darin setzt sie sich nicht nur mit den Auswirkungen von Flucht und Heimatlosigkeit auseinander, sondern auch sehr ironisch mit den vielen Menschen, die aufs Land ziehen, keine Ahnung vom Land haben, aber darüber drollige Bücher schreiben. "Ich dachte mir, ich kann die Deutungshoheit nicht bei den Menschen aus der Stadt lassen. Ich wollte den Spieß umdrehen und sagen: Aus unserer Sicht sieht vieles, was die Stadtmenschen tun, auch merkwürdig aus."

Das Recht auf Schweigen

Dass Landmenschen generell schweigsam sind, hält Dörte Hansen für ein Gerücht. Dafür reden sie und ihre Familie viel zu gerne, schnell und viel. Trotzdem ist es für sie ein Psycho-Mythos, dass über Probleme zu reden immer hilft. "Es stimmt natürlich in vielen Fällen, aber diese Flüchtlings- und Kriegsgeneration, über die ich in meinem Buch schreibe, hat so viel hinter sich. Diese Menschen haben nicht die Pflicht, ihren Kindern und Enkeln alles zu erzählen. Sie haben das gute Recht, das Erlebte in sich einzuschließen und den Schlüssel wegzuwerfen. Und das ist manchmal nicht die schlechteste Lösung."

Weitere Informationen

"Ich sollte jetzt am Schreibtisch sein"

Dörte Hansen kommt der Erfolg von "Altes Land" manchmal unheimlich vor. Im Interview spricht die Autorin über die geplante Verfilmung ihres Debütromans sowie über ihr neues Buchprojekt. mehr

Dörte Hansens Roman "Altes Land" wird verfilmt

Der Chef des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz sprach angesichts des Romans "Altes Land" von einem "Dörte-Hansen-Wunder" - nun wird das Buch der Nordfriesin verfilmt. (13.01.2016) mehr