Stand: 19.06.2017 15:14 Uhr

Spannung ganz nah: Regiokrimis in MV

Jahr für Jahr überschwemmt eine Flut neuer Krimis den Buchmarkt, immer wieder auch viele Romane, die in Mecklenburg-Vorpommern spielen, zwischen dem mörderischen Usedom und dem blutigen Schwerin. Es gibt 118 Verlage, die Regiokrimis im Angebot haben, die meisten aus unserem Land werden bei Hinstorff in Rostock verlegt. Da den Überblick zu behalten ist nicht leicht.

Sonnenaufgang über der Seebrücke in Heringsdorf © NDR Fotograf: Werner König aus Wismar

Kunstkaten vom 18. Juni: "Krimiland MV"

NDR 1 Radio MV - Kunstkaten -

Das i-Tüpfelchen für einen perfekten Leseabend: Etliche spannende Romane spielen in Mecklenburg-Vorpommern. Anke Jahns verrät, welche Krimis empfehlenswert sind.

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"Viel Schrott, aber auch echte Perlen"

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Etwa 50 Regiokrimis aus Mecklenburg-Vorpommern hat Redakteurin Anke Jahns in den vergangenen Monaten gelesen.

Anke Jahns aus der Kulturredaktion von NDR 1 Radio MV hat monatelang ausschließlich Regionalkrimis aus Mecklenburg-Vorpommern gelesen. "Es war ganz viel Schrott unter den Krimis von etwa 50 Autoren", sagt sie. "Viel Kleingeistig-Provinzielles mit schiefen Bildern oder konstruierten Geschichten. Aber ich habe auch echte Perlen entdeckt."

Zu Letzteren zählt der Thriller "Die letzte Losung" von André Meier. Anke Jahns meint: "Spannend von Anfang an, es wird Dorfgeschichte über mehrere Generationen erzählt, nicht konstruiert, mit glaubhaften Charakteren wie dem Pfarrer, dem Säufer, dem Ex-Journalisten, der zum Aussteiger geworden ist, dem Kantor und der Ermittlerin Schmidt. Viele Tote, aber keinesfalls blutrünstig. Sehr skurril und wunderbar zu lesen - sofort entsteht Kino im Kopf. Oder Claudia Rusch mit ihren witzigen Zapotek-Geschichten, die in der Gegend rund um Stralsund spielen. Spannend auch der Plot von 'Die Sippe'. Es geht um völkische Siedler und Reichsbürger. Der Krimi spielt im mecklenburgischen Dorf Granzow. Marc-Oliver Richter hebt zwar manchmal etwas stark den Zeigefinger, aber das Buch ist nicht nur interessant, sondern auch gut geschrieben."     

Karte: Hier spielen die besten Regionalkrimis in MV

Das Lokalkolorit muss stimmen

Jeder Krimi braucht seinen Tatort - beim Regionalkrimi ist das aber mehr als eine Kulisse. Der Schauplatz wird deutlich stärker für die Handlung genutzt, auch für die Figuren. Manchmal erkennt der Leser reale Personen der Region, wie zum Beispiel bei Birgit Lohmeyers Krimis in Wismar, oder auch die Atmosphäre der Orte oder die Probleme, die eine Rolle spielen.

Historische Krimis im Trend 

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Viele Kriminalromane befassen sich mit der größten Stadt des Bundeslandes. Unter anderem spielen Frank Schlößers "Der tote Reformator" und "Letzte Runde" von Volker Harry Altwasser in Rostock.

Bei Kriminalromanen deutet sich ein Trend an: Die Autoren tauchen wieder gerne tiefer in die Geschichte ein. Bert Lingnau arbeitet historische Kriminalfälle auf, Frank Goyke lässt in seinen historischen Krimis Fritz Reuter vor 150 Jahren zwischen Burg Stargard und Neubrandenburg ermitteln. Frank Pergandes "Die Inselkrähe von Mirow" spielt im 18. Jahrhundert. Emma Wittenstein beschreibt in "Aufruhr am Ryck" und "Der Teufel vom Ryck" das Zusammenspiel von universitärem und städtischem Leben im mittelalterlichen Greifswald und Frank Schlößer widmet sich der Reformation in Rostock im Krimi "Der tote Reformator".

Vielschreiber unter den Krimiautoren

Die Sendetermine

Sonntag, 18. Juni ab 19 Uhr im Kunstkaten "Krimiland MV" und
täglich vom 19. bis zum 23. Juni ab 19 Uhr im Kulturjournal auf NDR 1 Radio MV

Katharina Peters (Rügen), Diana Salow (Schwerin) und Elke Pupke (Usedom) sind sehr erfolgreiche Autorinnen zahlreicher Regionalkrimis, aber Buchhändler wie Petra Dittrich (Der Buchladen Rügen in Gingst), Holger Brandstädt (Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde) oder Manfred Keiper (Die andere Buchhandlung in Rostock) warnen davor, zu schnell hintereinander zu veröffentlichen. Petra Dittrich mag die Rügen-Krimis von Katharina Peters, aber ihrer Ansicht nach schreibt sie zu viele, die auch aufgrund ihrer ähnlichen Titel kaum noch unterscheidbar seien. Manfred Keiper empfiehlt den LeserInnen, nur einen Krimi eines Autors/einer Autorin pro Jahr zu lesen, sonst würden die Vielschreiber entzaubert, weil die Leser erkennen, dass  sich die Krimis im Aufbau stark ähneln. Brandstädt meint, Krimis "nach Schnittmuster" könnten funktionieren, sie würden jedoch häufig zu klischeehaft ausfallen.

Als Buchhändler könne man sogar selbst Regionalkrimis kreieren lassen, so der Ueckermünder Buchhändler. "Drei Straßennamen, drei Sehenswürdigkeiten, vielleicht noch ein Thema, das in der Region gerade aktuell ist, und die Verlage liefern." Die Buchhändler setzen in MV lieber auf Authentizität, damit Urlauber und Einheimische bei der Lektüre ihren Ort wiedererkennen können.

Ihre Tipps für Anke Jahns

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kunstkaten | 18.06.2017 | 19:00 Uhr

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