Stand: 09.05.2017 10:23 Uhr

Rassismus im Alltag: Das Buch "Unter Weißen"

Rassistische, hasserfüllte Kommentare bekommt der Journalist Mohamed Amjahid tagtäglich. "Mohamed, du bist ein Kinderficker", "Alle Araber sind kriminell und Kinderschänder", "Wenn Muslime endlich Angst haben, ist es ein gutes Zeichen", sind nur einige davon. Sie klingen schon schlimm genug, sind aber nicht das, was ihn beunruhigt. Vielmehr macht ihm der latente Rassismus zu schaffen, der seinen Alltag prägt.

Mohamed Amjahid wird häufig kontrolliert

"Wenn ich nach einer Wohnung suche und mir die Maklerin sagt, ich habe Ihren Namen gesehen und dachte, Sie sind arbeitslos", sagt Amjahid. An Bahnhöfen und vor allen Dingen an Flughäfen werde er in Bereichen, wo man eigentlich nicht kontrolliert wird, oft herausgepickt. Seine Erfahrungen darüber hat der Journalist jetzt in einem Buch verarbeitet: "Unter Weißen - Was es heißt, privilegiert zu sein". Was Privilegien sind und wie sie verteilt werden - das will der Reporter sichtbar machen.

Seit elf Jahren hier - den deutschen Pass hat er noch immer nicht

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Mohamed Amjahid beklagt den latenten Rassismus im Alltag.

Amjahid wächst, bis er sieben Jahre alt ist, als Sohn marokkanischer Gastarbeiter in Frankfurt am Main auf. Dann kehren die Eltern mit ihm nach Marokko zurück. Amjahid kommt zum Studium wieder nach Deutschland, lebt und arbeitet seit nun elf Jahren im Land. Den deutschen Pass bekommt er noch immer nicht. Ursache: für Amjahid der Kolonialismus. Die Ausbeutung von weiten Teilen der Welt durch wenige europäische Länder wie Großbritannien, Frankreich oder auch Deutschland hat nicht nur wirtschaftliche Spuren hinterlassen. "Rassismus, Diskriminierung beziehungsweise die Hautfarbenlehre, das wurde jahrhundertelang über den Kolonialismus transportiert", sagt Amjahid.

An den Machtposten sitzen fast nur weiße Deutsche

Die Angst vor dem schwarzen Mann, vor dem Islam, Skepsis gegenüber Menschen mit arabischen Wurzeln: Für Amjahid bestimmen solche erlernten Vorurteile bis heute mit, wer nach oben befördert wird - und wer nicht. Und der Weg zu Veränderung ist noch lang: An den Machtposten sitzen fast nur weiße Deutsche, meist Männer. Und entscheiden so darüber, was bleibt oder verändert wird. Zum Beispiel in der Berliner Mohrenstraße. Afro-Deutsche fordern seit Langem deren Umbenennung. "Die Diskussion läuft hier in Berlin doch etwas skurril ab: Warum eigentlich, haben wir nichts Besseres zu tun?" Amjahid macht auf erschreckende Weise deutlich: Unser Land ist rassistisch.

Weitere Informationen

"Es fängt bei alltäglichen Mikro-Aggressionen an"

Der Journalist Mohamed Amjahid berichtet über Fremdenfeindlichkeit und erlebt sie täglich selbst. Im Gespräch erklärt er, warum niemand frei von Rassismus ist. mehr

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 08.05.2017 | 22:45 Uhr

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