Stand: 19.06.2017 12:00 Uhr

Ein Roman von natürlichster Künstlichkeit

Auf geht’s, Jeeves!
von P.G. Wodehouse, aus dem Englischen von Thomas Schlachter
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg

P. G. Wodehouse ist ein Markenzeichen für kultivierten speziell englischen Humor. Er hat von 1881 bis 1975 gelebt und hunderte von hinreißend komischen Romanen geschrieben, in denen nichtsnutzige Neffen, tyrannische Tanten, vertrottelte Lords und würdige Butler die Hauptrollen spielen und die sehr erfolgreich waren und sind! Nun hat der Insel Verlag P.G. Wodehouse noch einmal neu übersetzen lassen: "Auf geht's Jeeves!"

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Der Übersetzer Thomas Schlachter hat für diesen Roman den unverwechselbaren Wodehouse-Tonfall ins Deutsche übertragen.

Während man in unserem schönen Land die Nase gern in kultivierte Rümpfungen legt und sie auf Höheres und Bedeutenderes richtet, haben angelsächsische Intellektuelle es damit leichter. Etliche Schriftsteller von Rang haben sich nicht gescheut, ihre Bewunderung für P.G. Wodehouse  zu schildern und von ihm zu lernen. Er ist der Gentleman unter den britischen Autoren. Weltfremd, von köstlicher Eleganz und natürlichster Künstlichkeit.

Der Butler hilft in jeder Lebenslage

Die Sache ist folgende: Berties Lieblingstante Dahlia hat ihren Neffen aufs Land beordert. Er soll bei einer Preisverleihung eine kleine Festansprache halten:

"Diese Feierstunde verspricht rasend interessant zu werden, Jeeves." "Jawohl, Sir." "Und zu welchem Ergebnis wird das Ihrer Meinung nach führen?" "Man wagt kaum Mutmaßungen darüber anzustellen, Sir." "Sie meinen, es übersteigt jede Vorstellungskraft?" "Jawohl, Sir." Ich überprüfte meine Vorstellungskraft. Er hatte recht. Es überstieg sie. Leseprobe

Noch dazu gibt es auf dem Lande, in Brinkely Court, zwei Liebespaare, die sich zerstritten haben oder nicht zueinander finden. Außerdem gibt es eine Verstimmung zwischen Bertie und seinem Butler Jeeves wegen eines Jäckchens, das nicht dem Geschmackskonzept des stilsicheren Butlers entspricht. Lauter hochkomplexe Fälle.

Pläne zur Versöhnung zerstrittener Partner

Doch gemach, gemach. Bertie besteigt also den Zug, fährt nach Brinkely Court, um dort alle Dinge zu regeln. Sein Plan ist, die Liebenden zum Schein in Lebensgefahr zu bringen, damit sie ihre wahren Gefühle offenbaren. Feuer, Ertrinken im Teich ... eine Katastrophe. Jeeves rettet die Lage. Sein Rettungsplan besteht darin, Bertie vom Gefechtsplatz der zerstrittenen Liebespaare zu entfernen. Er schickt ihn per Fahrrad ins Nachbardorf:

Wenn in meiner Familie früher der Haussegen schief hing, galt es als ausgemacht, dass man nur meine Tante Annie einzuladen brauchte. Sogleich löste sich jeder Zwist zwischen den anderen Angehörigen in Wohlgefallen auf. Die von Tante Annie hervorgerufene kollektive Animosität versöhnt die gerade noch Verfeindeten fast augenblicklich. Leseprobe

 Lagergeschichten aus der Gefangenschaft

Als P.G. Wodehouse während des zweiten Weltkriegs auf seinem Anwesen in Frankreich von den Deutschen gefangen genommen und nach Oberschlesien in ein Lager gebracht wurde, hat er in für ihn bewährter Weise auch darüber erstaunlich souverän Witze gemacht und urkomische Lagergeschichten geschrieben. Die wurden von der deutschen Propaganda missbraucht.

In seiner englischen Heimat haben ihm viele nach dem Krieg diese Weltfremdheit nicht verziehen. Denis Scheck beschreibt den Skandal in seinem Nachwort zu "Auf geht’s Jeeves!" mit den Worten "Wodehouse' Romane suchen und finden keinerlei Tiefsinn und wollen die Welt nicht verbessern. Eskapismus in Reinkultur." Von allen Suchtmitteln, die es gibt, schrieb ein anderer Kritiker, sei Wodehouse eines der wohltuendsten und harmlosesten.

Auf geht’s, Jeeves!

von
Seitenzahl:
363 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Insel Verlag / Suhrkamp
Bestellnummer:
978-3-458-17703-6
Preis:
18,00 €

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