Stand: 19.12.2015 17:40 Uhr

Über einen beinahe irren Serienmörder

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Oliver Ménard hat mit "Federspiel" sein Krimidebüt vorgelegt.

Oliver Ménard hat mit "Federspiel" seinen ersten Kriminalroman vorgelegt. Der Berliner studierte Germanistik und Publizistik und wurde Fernsehjournalist. Nun kommt noch das Bücherschreiben hinzu. Im Interview spricht Ménard über seine Rückkehr nach Berlin, 14 Morde auf 374 Buchseiten und die rauchende Gegenspielerin des Serienmörders.

Sie haben etwa in New York und Madrid gelebt. Was hat Sie denn wieder nach Berlin gezogen?

Oliver Ménnard: Ich bin in Berlin aufgewachsen und habe dann vor Beginn meines Studiums die ganze Welt bereist. Es gibt etwas, das vielleicht nur die Berliner kennen: Wenn man im Flugzeug sitzt und die Stadt von Oben sieht, wird einem recht Warm ums Herz. Diese Gefühl ist nicht auf der Welt einzutauschen. Da bin ich sehr sentimental.

Worum geht es in Ihrem Buch "Federspiel"?

Um einen Serienmörder, der unerkannt in der DDR gewütet hat – sozusagen ein Phantom. "Ikarus" hat die Mordkommission ihn damals genannt und die Polizei hat ihn nicht erwischt. Dieser Mann kehrt nun über 20 Jahren nach dem Mauerfall zurück und holt sich eine Frau. Er vollendet also, was er in der DDR nicht vollenden konnte.

Seine Gegenspielerin ist Christine Lenéve, eine 28-jährige Französin, die Gauloises raucht und einen alten Citroin DS fährt. Wie ist die denn drauf?

Christine hat eine deutsche Mutter und einen französischen Vater. Sie hat lieber Sonnenuntergänge als Sonnenaufgänge und chläft auf der linken Seite. Christine ist in Frankreich geboren und ihr Vater war Inspektor in einer Eliteeinheit. Als sie 17 war wurde ihr Vater ermordet. Das verändert einen Menschen. Sie wird Journalistin und will Gerechtigkeit schaffen. Sie will den Mörder zur Strecke bringen. Christine steht zwar auf der Seite der Engel, aber sie ist kein Engel.

In "Federspiel" gibt es 14 Morde auf 374 Krimi-Seiten. Ist Ihr Serienmörder irre oder so was?

(lacht) Wie könnte ein Serienmörder irre sein? Ich habe, glaube ich, über tausend Mordprofile studiert und wir dürfen nicht sagen, dass ein Mörder krank ist. Das wäre falsch, kein Profiler könnte damit arbeiten.

Und was dürfen wir sagen?

Dieser Ikarus ist getrieben von seinem eigenen Wahn und in seinem System ist alles normal. Er holt sich junge Frauen zwischen 16 und 18 Jahren, blond, in der Mitte gescheiteltes Haar  - genau das ist sein Beuteschema. Dieser Drang muss irgendwo entstanden sein. Wir werden lesen, was die Gründe für seine Taten sind. Er hat ja ein Motiv.

Das Gespräch führte Gerd Kuka, NDR 90,3 Kulturredakteur.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 29.12.2015 | 19:00 Uhr

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