Stand: 13.02.2017 10:00 Uhr

Die Kraft der Musik

Tadunos Lied
von Odafe Atogun, aus dem Englischen von Miriam Mandelkow
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Der in Nigeria geborene Odafe Atogun hat Journalistik am Times Journalism Institute in Lagos studiert.

In einem kleinen Vorwort für seine deutschen Leser erzählt der nigerianische Schriftsteller Odafe Atogun von einem Musiker mit Namen Fela Kuti, der ihn zu seinem Roman inspiriert hat. Dieser Musiker hat gegen Tyrannei und Missstände in seiner Heimat kämpfen wollen. So handelt Atoguns Roman "Tadunos Lied" von der Widerstandskraft der Künste, dem Wunder der Musik.

Die Regierung verbietet Musik

Der Text hat eine durchaus ähnliche Anmutung wie Kafkas Schloss-Roman, freilich in einen afrikanischen Staat und die Jetztzeit verschoben. Es ist eine Mischung aus Groteske und bitterer Realitätsbeschreibung mit ein paar zusätzlich angebrachten Schrauben und märchenhaften Zügen.

Ein Musiker namens Taduno lebt im Ausland und bekommt einen erschütternden Brief von seiner Geliebten, Lela, die seinetwegen in Bedrängnis geraten ist und später verhaftet wird. Taduno kehrt in sein Land zurück, um sie zu retten. Früher war er hier ein umjubelter Star, nun erkennt ihn niemand mehr und er hat seine Stimme verloren. Er findet ein Land im politischen Ausnahmezustand vor:   

In einer landesweit ausgestrahlten Sendung erklärte der Präsident, Musik habe der Regierung in letzter Zeit schwer zu schaffen gemacht. Infolgedessen habe die Regierung beschlossen, jeglichen Umgang mit Musik zu verbieten. Leseprobe

Taduno macht sich auf die Suche nach seinem einstigen Musikproduzenten, mit dem er musizieren und vor allem seine Stimme wiederfinden will. Erst dann wird er auch seine Geliebte befreien können. Er wird vom Geheimdienst gesucht, aber er kann seinen Freund aufspüren und sie beginnen zu proben. Die Nachbarn hören ihre Musik.

Wundersame Wirkung einer Melodie

Sie erinnerten sich daran, dass der Präsident jeden Umgang mit Musik verboten hatte, doch sie waren verzaubert von den Melodien, die so plötzlich die Leere in ihrem Leben füllten. ... Alle kamen heraus, um zu lauschen. Und dabei schüttelten sie vor Staunen und Freude den Kopf. Leseprobe

Weltweit gilt Musik in vielen Ländern als wichtiger Bestandteil politischen Widerstandes. So beschreibt es auch Odafe Atogun in seinem Roman. Denn weil die Musik so schön, so kraftvoll, so wütend gegen herrschende Missstände machen kann, entfaltet sie ihre rätselhafte Wirkung.

Von der Musik, die sie da hörten, verwandelt, nahmen die Soldaten ihre Helme ab, Mit bloßen Händen wischten sie sich den Ruß vom Gesicht. Sie wollten, dass man in ihnen Menschen sah, keine Monster. Leseprobe

Taduno und sein Freund werden verraten, er wird verhaftet und in ein Verlies gesteckt. Taduno wird erpresst mit seiner Liebe. Seine Peiniger haben Lela in ihrer Gewalt, und Taduno soll ein Loblied auf den Diktator komponieren und singen, sonst wird Lela es büßen müssen.

Geschichte mit Hoffnungsfunken

Atogun erzählt die Geschichte nicht ohne Hoffnungsfunken am Horizont. Es heißt, 99 Prozent der Menschen seien in der einen oder anderen Form bestechlich. Taduno gehört zu der kleineren Gruppe. Er singt an den Präsidenten gewandt:

"Sie sehen also, wo wahre Liebe ist, können Sie nicht über die Liebe siegen, Sie können nicht über die Menschen siegen, der Tyrannei werden wir uns niemals ergeben." Leseprobe

Die Fans sind außer sich vor Begeisterung - bis die Schergen des Präsidenten eingreifen.

"Tadunos Lied" ist der erste Roman von Odafe Atogun. Er schreibt sinnlich, konkret, humorvoll und poetisch. Vielleicht kommt er dem Geschmack, den Wünschen seiner Leser ein wenig zu gefällig entgegen. Aber auf diese Weise bildet er nicht nur ab, was er sieht und erlebt, sondern liefert eine positive Utopie mit dazu. Die andere Version wird täglich in den Nachrichten aus aller Welt geliefert.

Tadunos Lied

von
Seitenzahl:
236 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Arche Verlag
Bestellnummer:
978-3-7160-2755-4
Preis:
20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 14.02.2017 | 12:40 Uhr

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