Stand: 05.12.2017 09:01 Uhr

Geliebt und gejagt: Nashörner

Nashörner. Ein Porträt
von Lothar Frenz, Judith Schalansky
Vorgestellt von Joachim Gaertner

Nashörner sind plump, ungestüm und faszinierend. Seit Jahrtausenden üben die nach den Elefanten größten Landsäugetiere eine kolossale Anziehungskraft auf den Menschen aus. Das hat sie an den Rand der Ausrottung gebracht. Der Biologe und Journalist Lothar Frenz hat ihnen ein Buch gewidmet, in dem er sie liebevoll porträtiert. "Was ich an Nashörnern schon immer toll fand: Denen ist die Urzeit ins Gesicht geschrieben", sagt er. "Diese ganzen Falten, dieses skurrile Horn, wo man eigentlich nicht so richtig weiß, wozu das gut ist."

Ein Nashorn im Zoo

Lothar Frenz: Kulturgeschichte des Nashorns

Kulturjournal -

Nashörner sind plump und ungestüm. Sie üben seit Jahrtausenden eine Faszination auf uns aus und leiden stark unter Wilderern. Der Biologe und Journalist Lothar Frenz widmet ihnen ein Porträt.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Nashörner haben eine lange Kulturgeschichte

Bild vergrößern
Dürer zeichnete ein Nashorn, ohne je eines gesehen zu haben.

Die Spuren des Nashorns lassen sich in der Kulturgeschichte weit zurückverfolgen. Einst prägten Nashörner sogar Europa. Zahlreiche Abbildungen sind schon in der Höhle von Chauvet zu finden: Vor 30.000 Jahren entstanden dort mit die ältesten Zeichnungen der Menschheitsgeschichte - voller Nashörner. 1515 wusste kein Europäer mehr, wie sie wirklich aussehen. Albrecht Dürer schuf sein "Rhinocerus", ohne je eins selbst gesehen zu haben. Sein Bild ist auch voller anatomischer Fehler.

Das Nashorn "Clara" kommt übers Meer

Bild vergrößern
Lothar Frenz: Das Entstehen sowie das Aussterben einer Spezies sei natürlich. Nicht aber die Eingriffe der Menschen, ihre Gier und Rücksichtslosigkeit.

In Schwerin hängt das erste realistische Nashorn, Mitte des 18. Jahrhunderts von Jean-Baptiste Oudry geschaffen. Sein Modell kam übers Meer aus Indien und hieß "Clara". Das Urvieh wurde vom Schiffskapitän quer durch Europa gefahren, nach Wien, Paris und Neapel. Es war eine tierische Sensation. "Das hat die Leute natürlich fasziniert", erzählt Lothar Lenz. "Und der holländische Kapitän Van der Meer hat ein Geschäftsmodell für sich daraus gemacht. Es war verrückt. Er hat, kann man sagen, die erste europaweite Werbekampagne inszeniert, ganz klug, mit Plakaten und Flugblättern."

Krieg um das Horn der Tiere

Heute drohen Nashörner auch in Afrika zu verschwinden, weltweit gibt es nur noch knapp 29.000 Tiere. Im 20. Jahrhundert begann ein beispielloses Drama, ein Krieg um das Horn der Tiere. Allein in Südafrika töten Wilderer jedes Jahr über Tausend von ihnen. "Die Wilderer sind mittlerweile hochtechnisiert", sagt der Biologe. "Sie fliegen teilweise mit Hubschraubern ein, schießen die Nashörner. In Windeseile sind die Hörner abgesägt und gleich nebenan an Mittelsmänner weitergegeben, dass sie ganz schnell nach Vietnam kommen."

In China und Vietnam gilt Nashorn als wertvolles Heilmittel. Bis zu 70.000 Euro wird für ein einziges Horn bezahlt, eine medizinische Wirkung ist nicht nachweisbar. Dass Nasenhorn ein Aphrodisiakum sein soll, ist nur ein westliches Gerücht.

Engagement für den Artenschutz

Der Mensch hat wohl ein gespaltenes Verhältnis zum Nashorn. Der Tierfilmer Bernhard Grzimek etwa verkleidete sich in den 60er-Jahren als Plastik-Rhinozeros, um mit einem Nashorn zu flirten. Ja, wir lieben die plumpen Dickhäuter, und doch rotten wir sie aus. Lothar Frenz' Buch ist eine Hommage an diese wunderbaren Tiere - kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden.

Nashörner. Ein Porträt

von
Seitenzahl:
128 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Matthes & Seitz Berlin 2017
Bestellnummer:
978-3-95757-473-2
Preis:
18 Euro €

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 04.12.2017 | 22:45 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Lothar-Frenz-Nashoerner-Ein-Portraet,frenz110.html

Mehr Kultur

04:16

Adventstürchen 11: Der Pferdemaler

11.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:30

Hamburger Symphoniker feiern 60. Jahre Laeiszhalle

11.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:05

Mitmachausstellung "Murmiland" ist wieder da

11.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin