Stand: 11.03.2016 00:00 Uhr

Janoschs 85.: Schreiben gegen das Unglück

von Jan Ehlert

"Oh, wie schön ist Panama" - fast jedes Kind kennt diese Geschichte vom kleinen Tiger und dem kleinen Bär, die sich auf die Suche nach dem Glück begeben. Erfunden hat sie der Zeichner und Autor Janosch - genauso wie die Figuren Popov und Pietzke, den Kastenfrosch und natürlich die Tigerente. Janosch kam als Kind nach Niedersachsen, dort lebte er zwölf Jahre, in Oldenburg und Bad Zwischenahn. Am Freitag wurde Deutschlands wohl bekanntester Kinderbuchautor 85 Jahre alt.

In Janoschs Welt

Vom Vater verprügelt

Seine Geschichten handeln von Freundschaft und Vertrauen, dem Gefühl, dass jemand für einen da ist. Ein Gefühl, das Janosch selbst als Kind nicht gekannt hat. "Mein Vater war ein Säufer", erinnert er sich. "Der hatte zu Hause eine Hundepeitsche, um mir das beizubringen, was er für richtig hielt. Er prügelte auch meine Mutter und sie wieder mich. Das war grauenhaft. Das war für mich das größte Unglück, das mir passieren konnte, diese Kindheit."

Tiefes Misstrauen prägte die ersten Werke

Janosch wurde in Schlesien geboren. Mit richtigem Namen heißt er Horst Eckert. Sein Vater benannte ihn nach Horst Wessel, dem Dichter der Hymne der Nationalsozialisten. Den Namen hört Janosch bis heute nicht gern. Er war ein schwächliches Kind, wurde von den Mitschülern gehänselt, von den Priestern geschlagen. Er habe damals vor allem Angst gehabt, sagt er. Dieses tiefe Misstrauen spiegelt sich auch in seinen frühen Gedichten, in denen auch schon Tiere die Hauptrollen spielten.

Der Vater sprach zu seinem Sohn: Du bist vor sieben Wochen schon nun aus Deinem Ei gestiegen. Du sollst jetzt endlich fliegen. Und setzte ihn auf einen Ast. Stieß ihn hinunter, und auch fast wäre der Flug gelungen. Doch leider ist das Vögelchen in seinen Tod gesprungen.

Flucht nach Niedersachsen

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Mit "Oh, wie schön ist Panama" wurde Janosch berühmt.

Für Janosch selbst war das Kriegsende die Rettung aus dieser quälenden Kindheit. Mit seiner Familie floh er von Schlesien nach Oldenburg und kam nach Bad Zwischenahn. Dort ging er zur Schule und fand Freunde. Zum Kinderbuchautor wurde er durch Zufall. "Ich habe eine Arbeit gesucht und bin zu einem Verlag gegangen. Und der hat eigentlich auf einen anderen gewartet und hat mich verwechselt, weil er besoffen war am Vormittag", erinnert er sich. "Dann haben wir uns zusammen besoffen und dann sagte er: Hier hast du eine halbe Flasche Cognac, geh nach Haus und mach ein Kinderbuch."

So entstand die Geschichte von Valek, dem Pferd - ein Buch mit einer klaren Botschaft.

Wie kann ein guter Mensch Soldat sein wollen! Immer, wenn er Soldat war, sah er blass aus und kränklich. Und wir sagten alle: Es steht dir nicht, dass du Soldat bist. Aber was half es? Was kann der Mensch tun gegen die Gewalt?

Ein Leben in der Hängematte

Janoschs Antwort darauf blieb das Schreiben. Und so schuf er zumindest in seinen Büchern eine bessere Welt, ohne Gewalt und ohne Autoritäten. "Oh, wie schön ist Panama", "Post für den Tiger" oder "Larifari Mogelzahn" sind auch deshalb so wunderbare Kinderbuchklassiker, die bis heute begeistern.

Mit der realen Welt hat sich Janosch dagegen nie versöhnt. Seit den Achtzigerjahren lebt er in seinem Haus in Teneriffa. Die meiste Zeit davon verbringt er dabei nach eigenen Angaben in der Hängematte. Zum Glücklichsein brauche es nicht viel, sagt er: "Das Paradies muss man nicht außen suchen. Das Paradies ist ein Zustand!"

Ein Zustand, den er sich hart erkämpfen musste. Den er mit seinen Büchern aber an Generationen von Kindern weitergegeben hat.

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NDR Info | 11.03.2016 | 06:55 Uhr