Stand: 02.08.2017 00:01 Uhr

James Krüss, der Erzähler von Helgoland

von Annette Volland, NDR.de

"Der Leuchtturm auf den Hummerklippen", "Mein Urgroßvater und ich", "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen": Der Helgoländer James Krüss (1926 - 1997) schrieb zahlreiche erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Krüss auf der Hochseeinsel. Heute vor 20 Jahren starb er.

Neben Michael Ende, Otfried Preußler und Erich Kästner war der Geschichtenerzähler und Reimkünstler Krüss einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren der Nachkriegszeit.

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James Krüss hat mit seinen Geschichten eine ganze Generation von Kindern geprägt.

Geboren wurde er am 31. Mai 1926 auf der Nordseeinsel Helgoland. Sein Vater war Elektriker, sein Großvater und sein Urgroßvater verdienten ihren Lebensunterhalt als Hummerfischer. Mit 16 Jahren musste James Krüss die Insel wegen des Krieges verlassen. Später kehrte er nur noch als Kurzzeit-Besucher dorthin zurück. Doch in vielen seiner Bücher, Lieder, Theaterstücke, Hörspiele, Filme und Satiren ist Helgoland die Kulisse für fantastische Abenteuer und witzige Einfälle.

"Auf kleinen Inseln mit wenig Auslauf, da muss man sich die Zeit vertreiben, da kommt man von selber ins Geschichten erzählen." James Krüss

Ausbildung als Lehrer in Lüneburg

Im schleswig-holsteinischen Lunden, in Ratzeburg und Braunschweig beginnt der junge Krüss nach der Evakuierung von der Insel Helgoland eine pädagogische Ausbildung, muss 1944 aber zur Luftwaffe. Bevor er dort zum Einsatz kommt, ist der Krieg vorbei. Krüss lebt zunächst mit seinen Eltern in Cuxhaven, studiert dann an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg und legt dort ein Examen ab. Er arbeitet aber nicht als Lehrer, sondern schreibt für Rundfunk und Presse. In Reinbek bei Hamburg gründet er die Zeitschrift "Helgoland", ein Mitteilungsblatt von Exil-Helgoländern. Bald aber, 1949, macht der junge Mann aus dem hohen Norden einen "Sprung in den Süden", wie er selbst notiert: Er lebt bei München, wo er sich mit Erich Kästner anfreundet. Der ermuntert ihn, Kinderbücher zu schreiben.

Lesung in der "Tagesschau" macht ihn berühmt

Der erste große Erfolg kommt mit dem 1956 veröffentlichten Kinderbuch "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen".

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Eine Aufnahme aus den 70er-Jahren: Längst hat Krüss sich als erfolgreicher Kinderbuchautor etabliert.

Bevor es auf Deutsch erscheint, ist es schon in Jugoslawien zu haben - in kyrillischer Schrift. In Deutschland schafft es der Erstling gleich auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis. Und als Krüss vier Jahre später in der "Tagesschau" aus "Mein Urgroßvater und ich" vorlesen darf, ist er über Nacht berühmt. Für dieses Buch wird er mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Neben vielen anderen Preisen in seiner Laufbahn erhält Krüss für sein Gesamtwerk 1968 auch die Hans-Christian-Andersen-Medaille. Dieser internationale Kinder- und Literaturpreis wird von Eingeweihten auch als "kleiner Nobelpreis" bezeichnet.

Wann das Gute anfängt, böse zu werden

Krüss ist auch sonst sehr produktiv: Er schreibt Schlagertexte und Hörspiele für Kinder, sammelt Volkslieder und Gedichte und verfasst theoretische Texte zur Kinder- und Jugendliteratur.

Außerdem reist der Ex-Helgoländer gern und viel, zum Beispiel nach Holland, Ungarn, Griechenland, Großbritannien, mehrfach nach Italien und immer wieder auch nach Jugoslawien. Zu Besuch auf seiner Heimatinsel ist Krüss erstmals wieder 1961. Dort verfeinert er ein Buch, an dem er schon seit Jahren arbeitet: "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" erscheint 1962 und wird 1978 mit Horst Frank und Thomas Ohrner für das Fernsehen verfilmt - es ist ein Riesenerfolg. Die fantastische Geschichte enthält auch gesellschaftskritische Töne. "Mein größtes Anliegen ist es, den Kindern nicht nur von Gutem und Bösem zu erzählen, sondern auch, wann das Gute anfängt, böse zu werden", sagt Krüss einmal.

Mehrere Seehunde am Strand von Helgoland. © Catarina Hey Fotograf: Catarina Hey

Friesisch für alle: Antje Arfsten zu James Krüss

NDR 1 Welle Nord - Friesisch für Alle -

Am 2. August 1997 starb James Krüss auf Gran Canaria. Wir erinnern an den Autoren mit Helgoländer Wurzeln der nicht nur durch Timm Thaler berühmt wurde.

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30 Jahre auf Gran Canaria

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James Krüss

Die Erbengemeinschaft des Dichters informiert über Biografie, Ehrungen und das Museum. extern

1966, im Alter von 40 Jahren, siedelt Krüss mit seinem Lebensgefährten nach Gran Canaria über, wo er sich ein Haus gekauft hat - wieder auf einer Insel also. "SPRUNG AN DIE AFRIKANISCHE KÜSTE" notiert er in Großbuchstaben in seinem Lebenslauf und ist danach "nur noch zu Besuchen in Europa". Zum Beispiel feiert er seinen 50. Geburtstag auf Helgoland - und in der DDR im Köpeniker Schloss. Denn die meisten seiner Bücher erscheinen auch dort, einige sogar zuerst. Ein Herzinfarkt zwingt den reisefreudigen Autor ab 1984 zu einer ruhigeren Lebensweise. Am 2. August 1997 stirbt James Krüss mit 71 Jahren in seiner neuen Heimat. Am 27. September 1997 wird er vor Helgoland auf See bestattet. Seinen schriftstellerischen Nachlass erhält die Internationale Jugendbibliothek in München.

Krüss zum Lesen und Hören

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In zwei bunten Buden können Besucher im Nachlass des Dichters stöbern.

Ein kleines Museum in Schenefeld auf Helgoland in zwei nachgebauten "Hummerbuden" im Museumsdorf vor der Nordseehalle erinnert seit 2007 an den Dichter. In einer der Buden können Besucher in Krüss-Büchern blättern und sich die Stimme des Autors in Original-Mitschnitten aus dem Radio anhören. Für Kinder gibt es eine besondere Bastel-, Mal- und Leseecke. Im zweiten Häuschen ist dokumentiert, wie das Arbeitszimmer von James Krüss in dessen Wahlheimat Gran Canaria ausgesehen hat. Gezeigt werden auch Briefe, Postkarten, Fotos und Bilder, die der Schriftsteller gemalt hat.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.08.2017 | 21:05 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/buch/James-Kruess-auf-Helgoland,kruess6.html

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