Stand: 16.10.2017 09:19 Uhr

Joachim Meyerhoff über Liebe und Sex

von Katja Weise

Das Harbour Front Literaturfestival war am Sonntag mit drei Lesungen im großen Saal der Elbphilharmonie zu Gast. Gekommen waren Weltstars wie John le Carré und Salman Rushdie - und der Schauspieler Joachim Meyerhoff, dessen autobiografische Bücher seit Langem auf den deutschen Bestsellerlisten zu finden sind. Er stellte in einer ersten öffentlichen Lesung den vierten und letzten Teil seiner Reihe "Alle Toten fliegen hoch" vor: "Die Zweisamkeit der Einzelgänger".

Ausverkauft war sie, die Elbphilharmonie. Gekommen waren fast alle Zuschauer seinetwegen: "Meyerhoff, ganz klar, ich wäre auch in irgendeinen Club gegangen, um Meyerhoff zu hören", meinte eine Besucherin. Prall gefüllte Ränge, ein hoher Frauenanteil, ja, aber auch Männer. Die fasziniert auf diesen einen blickten, der da ganz locker im schlichten schwarzen T-Shirt hinter einem Tischchen sitzt und liest.

Lesen, "so ein bisschen kreuz und quer"

"Eigentlich haben mir alle gesagt, ich soll von Anfang an lesen, aber das führt dann bei mir dazu, dass ich das dann nicht machen kann. Immer das Gegenteil von dem, was richtig wäre, ich lese so ein bisschen kreuz und quer", erklärt der Schauspieler. "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" heißt der neue Band - und schon der Titel verrät: Es geht um Liebe und Sex. Denn dafür war bisher kein Raum.

Wie in dem zuletzt erschienenen, dritten Buch ausführlich beschrieben, wohnte der Schauspieler während des Studiums in München bei den Großeltern - und schlief in rosa Damast: "Alles Erotische war im Großelternhaus fehl am Platz und von deren ritualisierter Eleganz absorbiert worden. Dass ich hin und wieder, vom strammen Alkoholprogramm schwer mitgenommen, meine eigene Großmutter sexy gefunden hatte, das gab mir noch immer zu denken."

Die Balance zwischen Scherz und Schmerz

Lesung

Rushdie vor nicht ausverkauften Rängen

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Viel wird gelacht während der knapp anderthalbstündigen Lesung, Joachim Meyerhoff beherrscht sie einfach, die Balance zwischen Scherz und Schmerz: "Ich war ganz ergriffen und auch ganz belustigt - und das war einfach schön", schwärmt eine Besucherin, "Man merkt, der möchte aus dem Sitz knallen und sich bewegen", findet ein Mann.

Ausladend ist die Gestik, doch für Meyerhoffsche Verhältnisse fast noch zurückhaltend. Man merkt, es ist die erste Lesung. Allmählich gerät er in Fahrt und nimmt das gebannte Publikum mit - nach Bielefeld und Dortmund. Hier tritt der junge Schauspieler seine ersten Engagements an und lernt die Theaterprovinz fürchten. Mit spitzer Feder beschreibt Meyerhoff die Kollegen, aber auch die eigenen, manchmal unzureichenden Versuche, zu großer Form aufzulaufen.

Meyerhoff ist "der Knaller"

Ein Rezitationsauftritt mit Celans berühmter "Todesfuge" wird zum Fiasko, weil die attraktive Franka den jungen Helden verwirrt: "Was machte sie denn da mit dem rechten Zeigefinger? Ihr Handrücken lag locker auf dem Oberschenkel, aber ihr Finger schien mir ein Zeichen zu geben. (...) Und dann, die Katastrophe: Ich versprach mich. Ich sagte: Schwarze Milch der Kühe."

Bewegend fanden es die Zuschauer, er schaffe es, einen in Lebenssituationen zurückzukatapultieren, in denen man sich mal befunden habe. "Dieser Mann ist der Knaller. Ich hab alles gelesen", platzt einer heraus. Wetten, ob auch "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" wieder ein Bestseller wird, müssen da wohl kaum abgeschlossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.10.2017 | 06:55 Uhr

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