Stand: 22.08.2017 14:00 Uhr

Die Buchhandlung Annabee in Hannover

von Agnes Bührig

Die Kleinen haben es oft schwer - das muss sich auch die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters gedacht haben, als sie vor drei Jahren den Deutschen Buchhandlungspreis ins Leben rief: Ausgezeichnet werden unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen mit weniger als einer Million Euro Jahresumsatz, die sich um das Kulturgut Buch verdient gemacht haben. Über 500 haben sich beworben, rund 100 wurden nominiert. Eine von ihnen ist die Buchhandlung Annabee in Hannover.

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Claudia Stritzel und Melanie Beyer vor der Buchhandlung Annabee .

Eine junge Frau mit sechsjähriger Tochter hat sich ein Buch aus dem Regal für Kinder gegriffen: Neil Armstrong und seine Reise zum Mond - als Abenteuer von Mäusen. Geduldig erläutert die Buchhändlerin die liebevoll gezeichnete Geschichte aus einem Kinderbuchverlag. Dass bei Annabee kleine Verlage vertreten sind, sei eines ihrer Markenzeichen, sagt Buchhändlerin Maria Mayer: "Wir haben von vielen kleinen Verlagen die Bücher hier. Wir sind auch mit der linken Szene in Hannover vernetzt und haben die marxistischen Bände oben stehen, was die Richtung schon ein bisschen anzeigt. Und Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, da sind wir sehr gut aufgestellt. Dieser linke Buchladen, das ist auf jeden Fall Programm."

Ein Sortiment nach eigenen Vorstellungen

"Die Linke, die Völker und der Populismus" oder "Ene, mene, Missy - die Superkräfte des Feminismus" heißen einige der Titel, die präsent in den schlichten offenen Holzregalen stehen. Auch optisch erinnert der Buchladen ein wenig an die Frauenbewegung vor 40 Jahren, aus der heraus 14 Studentinnen Annabee einst gründeten: vorne ein gemütlicher roter Ohrensessel, hinten ein Tisch mit Stühlen, an dem das fünfköpfige Frauenkollektiv zuweilen heftig diskutiert.

Deutscher Buchhandlungspreis: Die Nominierten

Entschieden wird hier nur gemeinsam, und zu dieser Auswahl stehen sie dann auch - das Konzept ihres Erfolges, sagt Buchhändlerin Melanie Beyer: "Ich glaube, es läuft viel darüber, dass wir sozusagen bei uns bleiben. Dass wir sagen können, warum wir Bücher haben und warum wir welche nicht haben. Wir bestellen alle Bücher - also auch Bücher, die wir nicht ins Sortiment aufnehmen - aber da sind wir ganz autonom und das kann man auch vertreten. Das ist, glaube ich, auch das Konzept, was die Leute gut finden."

Lindener lesen gern

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Das Programm bei "Annabee" hebt sich von dem vieler anderer Buchhandlungen ab.

Ihr Glück sei, dass die Menschen in Hannover-Linden gern lesen, da spräche sich herum, dass sie ein gutes Angebot machen, sagt Melanie Beyer. Auch die Internet-Konkurrenz sei für Annabee nicht existenzbedrohend. Bei Amazon suchen und bei ihnen bestellen, laute für viele Kundinnen und Kunden die Devise. Dazu käme die gute Lage in einer Einkaufsstraße, sagt Buchhändlerin Anna Renate Willms: "Im Moment läuft es tatsächlich ganz gut. Wir sind froh, dass wir 2005 hierher gezogen sind, das hat sich hier seitdem auch nochmal stärker entwickelt: Viele kleine Läden, die alles Mögliche, schöne Sachen anbieten, und Kultur und so."

Kultur gibt's auch bei Annabee - auf der Suche nach einer Grußkarte zu einem 20. Geburtstag ist eine Kundin gerade am Postkartenständer fündig geworden. Wie viele andere Lindener an diesem Tag gefällt ihr der Laden gut: "Ich finde die supertoll, die Buchhandlung, weil sie oft mal so etwas ausgefallenere Bücher haben als andere Buchhandlungen. Nicht so, wie man sie in jeder Buchhandlung findet."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.08.2017 | 17:40 Uhr

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