Stand: 22.11.2017 16:30 Uhr

Momentaufnahmen aus aller Welt

Street Photography. Die 100 besten Bilder
von David Gibson
Vorgestellt von Annkathrin Bornholdt

Sie will authentisch und ausgefallen sein, zum Nachdenken anregen und Fragen aufwerfen: die Straßenfotografie. Gute Straßenfotografen haben viel Geduld, einen Blick für besondere Situationen und schaffen es dann auch noch, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Doch ein guter Straßenfotograf muss nicht mehr unbedingt Experte für Blende und Belichtung sein - in Zeiten von hochauflösenden Smartphone-Kameras und der schnellen Verbreitung übers Internet hat sich eine neue Sparte der Straßenfotografie entwickelt. Die spielt in dem Bildband "Street Photography. Die 100 besten Bilder" eine wichtige Rolle.

Neue Technik - neue Verbreitungswege

Den richtigen Moment finden

Vor einer roten Backsteinwand sitzt ein Mann in einer blauen Regentonne. Er hat den Kopf genießerisch zurückgelegt. Man fragt sich, wie sehr er sich verrenkt haben muss, um in diese Tonne zu passen. Daneben steht ein weißer Stuhl mit abgebrochener Lehne, darauf eine transparente Plastikschale. eine Aufnahme, die die südamerikanische Fotografin Graciela Magnoni in einer Thermalquelle in Singapur gemacht hat:

"Er bemerkte nicht, dass ich ein Foto machte. Ich glaube aber nicht, dass es ihn gestört hätte. Was mir daran gefällt, abgesehen vom Missverhältnis der Proportionen, ist die genießerische Entspanntheit des Mannes, obwohl er in dem Bottich ziemlich eingezwängt ist - wie die Einwohner Singapurs, die auf einer kleinen Insel unter einer autoritären Regierung leben." Graciela Magnoni

Smartphone-Fotos werden immer mehr

Ein kleines Mädchen in Rock und Sandalen und mit einem Hut auf dem Kopf schreitet vor einer Betonmauer eine lang gezogene Backsteintreppe hinauf. Die Kleine scheint einer hellen Lichtquelle entgegen zu gehen. Hinter ihrem Rücken fallen Sonnenstrahlen quer auf die Treppe. Eine wunderschöne Schwarzweiß-Aufnahme, die die amerikanische Fotografin Gwen Coyne in Lissabon von ihrer Tochter gemacht hat. Mit einem Smartphone.

Genial ist auch ein Bild der russischen Fotografin Maria Plotnikova, die eine Karnevalsszene im bolivianischen Potosi eingefangen hat. Das Foto zeigt eine Straßenkreuzung, auf der sich ganz unterschiedliche Charaktere versammelt haben: Menschen in Tracht, Kinder, Straßenverkäufer. Alle schauen in unterschiedliche Richtungen, es sind keine Autos im Bild, Seifenblasen steigen auf.

"Ich postierte mich an einer günstigen Stelle und wartete eine halbe Stunde, bis ich schließlich auf den Auslöser drücken und mit einem Breughel-ähnlichen Straßenfoto auf der Speicherkarte aufbrechen konnte." Maria Plotnikova

Intelligenz, Tiefe und Menschlichkeit

"Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut", soll der "Urvater" der Straßenfotografie Henri Cartier-Bresson einmal gesagt haben.

"Die besten Fotografen haben etwas Wesentliches gemeinsam: Intelligenz, Tiefe und Menschlichkeit", findet der Autor des Buches, David Gibson, selbst seit 30 Jahren Straßenfotograf.

Ein gutes Straßenfoto ist vor allem eines: nicht inszeniert. Darauf hat Gibson seine 100 ausgewählten Bilder, die fast alle in den vergangen fünf Jahren entstanden sind, abgeklopft. Er hat die Künstler - darunter übrigens auch erfreulich viele Frauen - zu ihren Arbeiten und zu ihren Vorbildern befragt. Er lässt seine Betrachter mit den zum Teil sehr skurrilen Motiven nicht allein, sondern liefert in den kurzweiligen Begleittexten viele zusätzliche Informationen.

Straßenfotografie kann große Kunst sein

Das Besondere der modernen Straßenfotografie ist sicherlich auch ihr Verbreitungsweg. Denn Instagram, Flickr und Facebook - das sind die Kanäle, auf denen die Bilder weltweit ihr Publikum im Internet finden. Darunter kann auch ganz große Kunst sein.

Der Lesestoff vom  "Gemischten Doppel" vom 6. März 2012 bei NDR Kultur © NDR Fotograf: Patricia Batlle

David Gibson: "Street Photography: Die 100 besten Bilder"

NDR Kultur -

Die besten Bilder der Straßen-Fotografie - NDR Kultur stellt den Bildband vor.

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Die Französin Florence Oliver aus der Bretagne fotografiert mit ihrem Smartphone Strandszenen, verwendet Glas als Filter und Reflektor, so dass geradezu träumerische, gemäldeartige Bilder entstehen. Wie ein Selbstporträt, in dessen Hintergrund man verschwommen Badende in einem Strandbad und gestreifte Sonnenliegen erkennt.

"Es ist ein Reflexionsbild und eine Art Selfie zugleich. Ich stand mit dem Gesicht zum Meer. Fenster, Bassin und Strand verschmelzen in choreografischer Weise zu Spielen und Spiegelungen. [...] Ich bewege mich gerne zwischen abstrakt und real, zwischen Foto und Gemälde." Florence Oliver

Schon Henri-Cartier Bresson sah die technischen Bedingungen bei der Straßenfotografie eher als nebensächlich an und so ist es völlig berechtigt, dass die neue Generation der Fotografen mit ihrem ganz speziellen Blickwinkel die nötige Aufmerksamkeit bekommt - wie in diesem wunderschönen Buch.

Street Photography. Die 100 besten Bilder

von
Seitenzahl:
208 Seiten
Genre:
Sachbuch
Zusatzinfo:
Gebundenes Buch, Pappband, 208 Seiten, 23,0 x 25,0 cm, 100 farbige Abbildungen
Verlag:
Prestel
Bestellnummer:
978-3-7913-8335-4
Preis:
29,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 26.11.2017 | 17:40 Uhr

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