Stand: 22.09.2017 14:00 Uhr

Im Reich der Kunstsammlerin Peggy Guggenheim

Begegnungen mit Peggy Guggenheim
von Stefan Moses
Vorgestellt von Juliane Bergmann

Sie verkehrte mit den bedeutendsten Künstlern ihrer Zeit, darunter Samuel Beckett, Max Ernst, Jackson Pollock und Marcel Duchamp. Peggy Guggenheim war eine der bedeutendsten Sammlerinnen und Mäzeninnen der Kunstwelt. Jetzt ist ein Bildband erschienen, der sie in bislang unveröffentlichten Fotografien porträtiert.

Schrill und mit dem richtigen Riecher

Ein langer, weißer Flur. An dessen Ende sitzt sie mit weißgrau gelocktem Haar auf einer Holzbank und telefoniert. Peggy Guggenheim, um die 70. Sie trägt einen übergroßen, cognacbraunen Mantel, goldene Sandalen mit hohen Absätzen. Zwei Hündchen, ihre innig geliebten Terrier, trotten vor ihr auf dem Boden. Eine Putzfrau im Kittel geht vorbei. Über der Telefonierenden hängt Wassily Kandinskys "Landschaft mit roten Flecken".

Eine Meisterin der Selbstinszenierung

Ihr Blick abwesend. Ihre Körperhaltung lässig. Die exzentrische, stets schrill gekleidete Diva wusste sich zu inszenieren. Auf diesen Bildern scheint sie jedoch nahbar und unverstellt. Stefan Moses hat Peggy Guggenheim Ende der 60er-Jahre an verschiedenen Orten in ihrer Wahlheimat Venedig fotografiert. Immer außerhalb des Rampenlichts, fernab von offiziellen Veranstaltungen, ganz privat. Zum Beispiel in ihrem Palazzo am Canal Grande, dem heutigen Museum Guggenheim. Umgeben von großer Kunst: Gemälde von Joan Miró, Max Ernst, Pablo Picasso.

"Es ist ein wahres 'Selbst in Bildern', als das hier Peggy Guggenheim erscheint, eine symbolische wie tatsächliche Verbildlichung ihrer von existenzieller Sammelleidenschaft geprägten Persönlichkeit", schreibt der Kunsthistoriker Thomas Elsen im Buch. Leseprobe

Podcast NDR Info Welt-Wissen © (c) dpa Fotograf: UPI Arthur Sasse

Wer war Peggy Guggenheim?

Die große Liebe zur Kunst bestimmte ihr Leben. Im Zweiten Weltkrieg floh sie nach New York und eröffnete dort sehr erfolgreich mit ihrer Sammlung eine Galerie.

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Kaufkriterium: der eigene Geschmack

Gesammelt hat die Tochter aus reichem Hause wie kaum eine Zweite. Zunächst beiläufig, animiert von ihrem kurzzeitigen Liebhaber Samuel Beckett, dann immer systematischer: Sie konzentrierte sich auf zeitgenössische Künstler, kaufte sich - nach ganz persönlichem Geschmack - eine legendäre Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen, lange, bevor die Bilder Millionen kosteten. Ihre Lippen rot, ein grünes Kleid, kniehohe Lederstiefel: Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt Peggy Guggenheim an einem einfachen Klapptisch aus Holz im Wohnzimmer. Hinter ihr: volle Bücherregale, ein Teller steht vor ihr. Sie schneidet Fisch. Dazu gibt es Reis. Neben sich griffbereit: eine Flasche Ketchup. Ein Bediensteter schenkt ihr Weißwein ein. Der Moment ist intim, wirkt ungekünstelt und gleichzeitig haftet dem Bild etwas Skurriles an: die Lady am improvisierten Tisch, die ihren exquisiten Lunch mit Fastfood-Sauce würzt.

Visionär und voller Widersprüche

Stefan Moses gelingt ein geniales, sehr authentisches Porträt. Er zeigt Peggy Guggenheim nicht als klassische Schönheit, sondern als eine Frau mit Haltung: mutig, visionär, voller Widersprüche und Selbstironie. Wie sie beherzt ihren Hund auf den Kopf küsst. Wie sie auf dem Ledersofa in ihrer Bibliothek döst. Wie sie sich einen kleinen Handspiegel vors Gesicht hält, um den Fotografen zu irritieren. Fast schon schelmisch. Ergänzend hat Moses private Fotoalben von Peggy Guggenheim abgelichtet. Passfotos, Urlaubsfotos, Schnappschüsse. Mit ihrer Familie, ihren Männern, ihren Hunden.

Eine Fotografie zeigt einen ihrer Ausstellungsräume voller Besucher. Peggy Guggenheim sitzt unauffällig auf der Lehne einer Couch, darüber hängt ein Picasso. Sie sieht aus wie ein Gast, nicht wie die Hausherrin. Entspannt lächelt sie. Die Bühne überließ sie auch gerne mal ihren geliebten Bildern. So schrieb sie in ihrer Autobiografie: "Jetzt befinden wir uns im Zeitalter der Sammler, nicht der schöpferischen Menschen. Und so wollen wir wenigstens die großen Kunstschätze, die wir besitzen, bewahren und der Öffentlichkeit zeigen."

Begegnungen mit Peggy Guggenheim

von
Seitenzahl:
144 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
mit 123 Abbildungen in Farbe und S/W
Verlag:
Elisabeth Sandmann Verlag
Bestellnummer:
978-3-945543-34-4
Preis:
48,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 24.09.2017 | 17:40 Uhr

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