Jeder ist ein Künstler - auch in Delmenhorst
von Silke Rudolph
So sah es in der Städtischen Galerie noch nie aus: Am Eingang hängen ein paar Hemden auf dem Bügel, selbstgenähte "Monster" sitzen auf dem Fensterbrett, Holzbretter und Werkzeug stehen in der Ecke. "The Garden of Genders" ist keine normale Ausstellung, sondern ein Ort zum Mitmachen und Mitdiskutieren. "Jeder kann kommen und zum Beispiel selbstgestrickte Nikoläuse mitbringen. Wir würden dann wahrscheinlich über Geschlechterrollen, also Mann oder Frau reden, und etwas Neues schaffen", sagt "The old boys' club".
Lustwandeln im Garten der Geschlechter
Stand: 15.11.2012 20:02 Uhr
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Auch die jüngsten Mitglieder im "The old boys' club" bekommen einen schwarzen Schnurrbart aufgemalt. An dem offenen Netzwerk kann sich jeder beteiligen, der einzelne Künstler taucht dabei nicht mehr auf.
Teile der in Delmenhorst gezeigten Arbeiten wurden schon in Lyon, San Francisco oder Stuttgart gezeigt.
Die losen Fäden sollen als Sinnbild für den Wandel stehen.
Mann oder Frau? Bei 400 unterschiedlichen Monstern auf der Tapete lässt sich diese Frage nicht beantworten.
Die Ausstellung als gemeinschaftlicher Prozess: Bis zur Finissage am 20. Januar soll sich hier noch viel verändern.
Der Ansatz von "The old boys' club": Jeder kann ein Künstler sein. Ob Zeichnen ...
... oder Häkeln: Hier ist alles erlaubt.
Den Künstlern geht es darum, die Frage nach Herkunft und Sinnhaftigkeit traditioneller Geschlechterrollen zu stellen, zum Nachdenken anzuregen und sich aktiv am aktuellen Genderdiskurs zu beteiligen.
Dazu greifen sie zu vielerlei Methoden: Ob Malerei, Objekte, Wandtapeten, Installationen oder Animationen - hier ist alles zu finden.
Durch die Zusammenarbeit von Künstlern und Besuchern soll der "Garden of Genders" blühen und gedeihen.
Im Museums-Shop sind Zeichnungen ab 100 Euro zu erstehen.
Vom 17. November 2012 bis 20. Januar 2013 ist die Ausstellung unter Leitung von Annett Reckert in der Städtischen Galerie Delmenhorst zu sehen.
Vom 17. November 2012 bis 20. Januar 2013 ist die Ausstellung unter Leitung von Annett Reckert in der Städtischen Galerie Delmenhorst zu sehen.
Offenes Netzwerk von Menschen
Hinter dem "Club" versteckt sich ein offenes Netzwerk von Menschen aus aller Welt. Der einzelne Künstler ist unwichtig, deshalb will sich auch die Hauptakteurin nicht zu erkennen geben. Künstler oder Autoren als Genies - das sei im 21. Jahrhundert, in dem Medien immer wichtiger werden, veraltet, ist "The old boys' club" überzeugt: Jeder sei ein Künstler, ob auf Facebook oder sonst wo, heißt es weiter.
Kennzeichen: Schwarzer Schnurrbart
Und deshalb kann in Delmenhorst auch jeder mitmachen beim "The old boys' club". Kennzeichen ist der schwarze Schnurrbart. Es gibt Häkel-Workshops mit den Künstlern, auch Animationen oder Masken können zusammen gebastelt werden. "Die Ausstellung wird sich ständig verwandeln und ist damit eher ein fortlaufender Prozess. Ich bin schon gespannt, wie es am 20. Januar bei der Finissage aussieht", sagt Galerieleiterin Annett Reckert.