Stand: 21.04.2017 18:08 Uhr

Hamburg: Schauspielhaus setzt auf Uraufführungen

von Katja Weise
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Karin Beier ist seit der Spielzeit 2013/14 Intendantin am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Karin Beier, die Intendantin des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg setzt in der kommenden Spielzeit 2017/18 vor allem auf neue Stoffe. Sieben Uraufführungen und eine deutsche Erstaufführung sind geplant. Am Freitag hat Beier ihre Pläne vorgestellt.

"Mut zum Risiko gehört inzwischen zum Profil"

Mut zum Risiko, der gehöre für sie inzwischen zum Profil des Hauses, erklärte Beier. Allerdings habe sich die Suche nach Stücken dieses Mal auch nicht ganz einfach gestaltet: "Ich dachte, mit diesem entstehenden Rechtspopulismus muss man doch aus den 30er- und 40er-Jahren Stoffe finden", sagte sie. "Aber nein, die haben einen unglaublichen Zeitgout, der einen dann irgendwo auch nicht interessiert, weil man das Gefühl hat, die sind durchgearbeitet."

Jelinek-Stück über Trump auf den Spielplan

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Erstmals gelesen aus "Am Königsweg" - der persönlichen Abrechnung Elfriede Jelineks mit Trump - wurde jüngst in New York.

Also ließ sie nach der Wahl von Donald Trump bei Elfriede Jelinek anfragen, ob sich die Literaturnobelpreisträgerin nicht vorstellen könne, ein Stück zu schreiben. "Elfriede Jelinek hat zunächst abgelehnt, aber eigentlich hätte ich es wissen müssen: Denn es war nicht das erste Mal, dass Elfriede Jelinek sagt, ich kann nicht, will nicht, habe eine Schreibblockade, und zwei, drei Monate später hat man dann ein Stück im Briefkasten", so die Intendantin. "Am Königsweg" heißt das Stück, eine erste Lesung daraus gab es schon in New York. Jelinek beschäftigt sich darin nicht nur mit dem Phänomen Trump, sondern auch mit dem Erstarken des Rechtspopulismus. Falk Richter wird Regie führen.

Start mit der Groteske "Tartare Noir" von Thomas Peckett Prest

Ursprünglich wollte Karin Beier das Stück selbst auf die Bühne bringen, doch für ihre Planung kam der Text zu spät. Und so eröffnet sie die Saison jetzt - zum dritten Mal in Folge  - mit einer Stückentwicklung: Dieses Mal folgt sie Motiven der Groteske "Tartare Noir" von Thomas Peckett Prest, einem auf Horrorgeschichten spezialisierten britischen Autor. "Wir dachten, das ist vielleicht ganz schön“, meinte Beier. "Es gab 'Schiff der Träume'“ und 'Hysteria', die beide ein Thema marginal behandeln, was uns so ein bisschen ein Storyboard gibt. Ähnlich machen wir das jetzt auch. Es ist natürlich wahnsinnig kompliziert, komplex und 'gefährlich', weil man so etwas immer gegen die Wand fahren kann. Aber ich dachte, jetzt auf Basis der Erfahrung: einmal riskieren wir das jetzt noch, und dann werde ich vielleicht wieder klassische Stücke machen“, sagte Beier.

Studio Braun kommt nach Jahren zurück

Das wird die Intendantin auch in der kommenden Saison tun: Anfang 2018 inszeniert sie Shakespeares "Kaufmann von Venedig". Außerdem gibt es neue Abende von zwei Altmeistern: Frank Castorf nimmt sich Eugene O`Neill vor, und Christoph Marthaler will mit einem voraussichtlich ausschließlich weiblichen Ensemble über die Liebe nachdenken. Studio Braun ist, nach Jahren am Thalia Theater, jetzt wieder am Schauspielhaus zu erleben und knöpft sich den hochgelobten Reeperbahn-Roman "Der goldene Handschuh" seines Mitglieds Heinz Strunk vor.

"Ich find´s ganz toll geschrieben, wirklich großartig, aber er ist ja erschreckend", erläutert Beier. "Ich hatte teilweise ein richtiges Ekelgefühl, weil man so mitgeht mit diesem Honka und irgendwann dieses Buch gar nicht mehr anfassen mag, weil's so eklig ist, aber er ist irre geschrieben. Ich weiß nicht, wie das zusammengehen wird mit der Ästhetik dieses Trios. Ich bin gespannt, aber ich bin da ganz zuversichtlich."

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Bastian Reiber wird das Hamburger Schauspielhaus verlassen und nach Berlin gehen.
Abschied von Bastian Reiber

Außerdem wird es ein neues Stück von Ayad Akhtar geben und Edgar Selge neben "Unterwerfung" in einer weiteren Hauptrolle zu erleben sein: als Ibsens "Baumeister Solness". Trennen muss sich das Schauspielhauspublikum von dem Boy Gobert-Preisträger Bastian Reiber. Er folgt seinem Lieblingsregisseur Herbert Fritsch an die Schaubühne nach Berlin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.04.2017 | 16:20 Uhr

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