Stand: 22.01.2016 16:22 Uhr

Theaterstück "Terror": Wann ist Morden erlaubt?

von Markus Hörster
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Der Luftwaffen-Major Lars Koch muss sich in dem Theaterstück "Terror" vor Gericht wegen eines Flugzeug-Abschusses verantworten.

Ein Mann hat Menschen getötet - viele Menschen. Muss er deswegen verurteilt werden? Gibt es überhaupt eine Alternative? In Ferdinand von Schirachs Theaterstück "Terror" geht es um Lars Koch. Der Luftwaffen-Major bei der Bundeswehr steht vor Gericht, da er ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug abgeschossen hat. Die Maschine mit 164 Menschen an Bord sollte in ein mit 70.000 Menschen vollbesetztes Fußballstadion gesteuert werden. Darf man Menschen töten, um Menschen zu retten? Diese Gewissensfrage wird Lars Koch sein Leben lang begleiten. Hat er sich mit diesem Schritt wegen Mordes schuldig gemacht oder nicht? Das entscheiden die Theaterbesucher aktiv mit. Am Freitagabend um 19.30 Uhr feiert "Terror" im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig Premiere.

Sind wir noch vom humanistischen Grundsatz überzeugt?

Es ist ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Seit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten 2001 bis hin zu den jüngsten Attentaten in Paris ist Terrorismus als Bedrohung in den Köpfen der Menschen präsent. Aber wie gehen wir damit um und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Sind wir noch von dem humanistischen Grundsatz überzeugt, nicht töten zu dürfen? Kann man den Abschuss eines Passagierflugzeugs zum Schutz anderer Menschen mit der Menschenwürde vereinbaren?

Regisseur kritisiert Umgang mit Anschlägen

Theaterregisseur Nicolai Sykosch inszeniert "Terror" am Staatstheater Braunschweig. In einem Interview kritisiert er den Umgang mit den islamistischen Terroranschlägen in Paris am 13. November vergangenen Jahres. In Frankreich gelte seitdem der Ausnahmezustand. "Ist es nicht genau das, was die Terroristen wollen? Dass wir angesichts des Schreckens nicht mehr gelassen auf diese furchtbaren Dinge reagieren können?" In seinem Essay "Die Würde ist antastbar" fragt der Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach: "Wird der Terrorismus über die Zukunft unserer Demokratie entscheiden?"

Neue Sensibilität nach Pariser Attentaten

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Freispruch oder Verurteilung? Das entscheidet am Ende das Publikum.

Die Uraufführungen von "Terror" am 3. Oktober 2015 in Berlin und Frankfurt fanden noch vor den Terroranschlägen von Paris statt. Nach den Attentaten hätte er nochmal eine ganz andere Sensibilität der Sache gegenüber entwickelt, so Sykosch. Und das habe auch seine Arbeit an dem Stück beeinflusst: "Wir zählen zum Beispiel im Stück Konzerthallen als Orte auf, an denen man terrorgefährdet ist - das wäre einem doch vorher so nicht in den Sinn gekommen."

Wie werden Braunschweiger über den Lufwaffen-Major urteilen?

In dem Theaterstück werden die großen Fragen um Schuld und Moral verhandelt. Um ein Urteil fällen zu können, muss das Publikum den Argumenten der Prozess-Beteiligten aufmerksam folgen. Jeder Zuschauer kann am Ende eine Karte in die Abstimmungsurne werfen, um darüber abzustimmen, ob Luftwaffen-Major Lars Koch schuldig oder nicht schuldig ist. Man darf gespannt sein, wie das Braunschweiger Theaterpublikum bei der Premiere und bei den weiteren Aufführungen entscheidet. "Terror" von Ferdinand von Schirach in einer Inszenierung von Nicolai Sykosch ist noch bis zum 31. März im Kleinen Haus des Staatstheaters zu sehen.

25 Theaterhäuser in ganz Deutschland haben "Terror" in dieser und in der kommenden Spielzeit in ihre Programme aufgenommen. Hier erfahren Sie, wie die Zuschauer bei den Inszenierungen in anderen Städten über den Luftwaffen-Major entschieden haben.

Theaterstück "Terror": Wann ist Morden erlaubt?

Das Theaterstück "Terror" feiert in Braunschweig Premiere. Es geht um ein von Terroristen entführtes Flugzeug - und um die Frage, ob 164 Menschenleben mehr wert sind als 70.000.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsheater Braunschweig
Am Theater
38100  Braunschweig
Telefon:
(0531) 123 45 67
E-Mail:
info@staatstheater-braunschweig.de
Preis:
von 12,00 Euro bis 30,50 Euro
Besonderheit:
insgesamt gibt es zehn Aufführungen, für einige sind nur noch wenige Karten erhältlich
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