Stand: 25.09.2017 10:51 Uhr

Theater Osnabrück: Mit Konflikten zum Erfolg

von Fritzi Bruns
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Der Intendant des Theater Osnabrück: Ralf Waldschmidt

Persönliche Konflikte, die sich an der Gesellschaft entzünden. Genau das will das Theater Osnabrück in der neuen Spielzeit zeigen, erklärt Intendant Ralf Waldschmidt: "Es gibt mehrere Stücke, in denen das Thema Krieg und die Auswirkungen des Krieges auf die Keimzelle der Gesellschaft, auf die Familie vor allem, auf Eltern-Kind-Beziehungen. Die Familie steht insgesamt im Zentrum von vielen Stücken, Konflikte von Generationen, die teilweise mit politischen Verhältnissen direkt zu tun haben, ansonsten auch indirekt."

Medea soll den Blickwinkel verändern

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Regisseur Dominique Schnizer

Im Februar feiert ein besonderes Projekt Premiere: "Medea hoch2". Der griechische Mythos der Medea ist bei weitem nicht so einseitig, wie man vielleicht zunächst denkt, so Regisseur Dominique Schnizer: "Wenn ich Ihnen jetzt den Namen sage, dann sagen Sie auch als erstes: Die hat doch Ihre Kinder umgebracht. Die Frage ist aber: Von welcher Seite geht das Blut aus? Der Medea-Mythos ist viel älter als die ersten Dramen von Euripides, wo sie dann die Kindsmörderin ist, aber selbst die erste Legende über Medea stellt sie gar nicht als Kindsmörderin da."

Keine eindeutige Geschichte also. Genau das will Schnizer gemeinsam mit Manuela Soeiro vom Teatro Avenido in Mosambik zeigen. Schauspieler und Musiker aus Osnabrück und Mosambik kommen zusammen. Am Ende treffen dann zwei Medeas in der Inszenierung aufeinander: Eine deutsche beziehungsweise europäische und eine afrikanische. Mit "Medea hoch2" will Schnizer den Zuschauer dazu bringen, seinen Blickwinkel zu verändern, auf die Figur der Medea, aber auch auf die Welt.

Faust und noch mehr Klassiker

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Eine ebenfalls alte, aber immer noch aktuelle Geschichte feiert im Musiktheater Premiere: Ferruccio Busonis Oper "Doktor Faust". Ein Mann, der in der Glaubenskrise steckt. Ein großer Stoff, der seine Gültigkeit noch lange nicht verloren hat, glaubt Intendant Ralf Waldschmidt: "Auch im 21. Jahrhundert hat der Mensch es nicht geschafft, die Welt in eine friedliche zu verwandeln. Welt und Mensch sowie Natur und Mensch in Einklang zu bringen. Ganz im Gegenteil die Konflikte sind härter und grausamer denn je. Darüber kann uns die Faustgeschichte ganz viel erzählen."

Neben dem Fauststoff finden sich auch noch weitere Klassiker in der neuen Spielzeit: Verdis "Rigoletto" feiert Ende September Premiere. Im Februar steht Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" auf dem Spielplan. Hier werden Familien zum Schauplatz von Gewalt. Auch in "San Paolo" spielen Gewalt und Macht eine große Rolle. Das Musiktheater nach Pier Paolo Pasolini feiert im April 2018s eine Uraufführung. In seinem nie realisierten Filmmanuskript holt Pasolini den Apostel Paulus ins 20. Jahrhundert. Der Apostel bereist das Bonn der Adenauer-Zeit, das von den Nazis besetzte Paris und wird am Ende in New York erschossen.

Konflikte werden zum Thema

Alles andere als leichte Kost. Was nicht verwunderlich ist, wenn man die Geschichte von Pier Paolo Pasolini kennt, meint Waldschmidt: "Pasolini ist jemand, der für eine bessere Welt gekämpft hat, der als Homosexueller und als Kommunist ständig angeeckt ist. Der in der katholischen Kirche geblieben ist und immer gehofft hat, dass dort doch noch eine Wendung für ihn zum Guten stattfinden würde. Also ein Mann, in dem sich ganz viele Themen und Konflikte der 50er-, 60er-, 70er-Jahre bündeln." Konflikte also, die mit Ausgrenzung, Intoleranz und Fanatismus zu tun haben und die teilweise auch noch heute bestehen. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 26.09.2017 | 19:00 Uhr

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