Stand: 09.10.2017 13:07 Uhr

Tiefe Einblicke in die Abgründe der Ehe

von Peter Helling

Im Ernst Deutsch Theater hatte das Stück " Szenen einer Ehe" nach dem weltbekannten Film von Ingmar Bergman Premiere. Darin geht es um zwei Eheleute, die sich nach 15 Jahren voneinander entfremdet haben und sich ausgerechnet durch die Scheidung wieder annähern. Harald Weiler hat den Abend inszeniert. Das Publikum war größtenteils überzeugt, vorallem von den beiden Schauspielern Nele Mueller-Stöfen und Kai Scheve.

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Nele Mueller-Stöfen und Kai Scheve spielen Marianne und Johan in der Inszenierung "Szenen einer Ehe" am Ernst Deutsch Theater in Hamburg.

Dieser Film war seinerzeit ein Skandal: Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe". Er drehte ihn  Anfang der 70er-Jahre und schuf damit ein Stück Filmgeschichte. Dass in dem Film auch ein kluges Theaterstück steckt, beweist jetzt das Ernst Deutsch Theater, wo zwei Laborratten durch einen Käfig namens "Ehe" rennen.

Die Ehe - ein Schlachtfeld. Wie unter einer Lupe werden hier Mann und Frau seziert. Johan hat die Ehe nach 15 Jahren satt und verlässt wie aus dem heiteren Himmel seine Frau Marianne für eine Jüngere:  Paula. Marianne ist die Verlassene, und man kann es richtig spüren im Theaterraum: Ihr fliegen alle Sympathien zu. Er ist der rückgratlose Betrüger. Wenn es mal so einfach wäre.

Die Ehe - eine Scheinwelt

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Die Bühne ist karg und spröde - so wie das Eheleben der beiden Protagonisten.

Die Bühne ist karg. Wie dieses Stück: riesige Holzwände in schwedenmäßiger Kiefernoptik, die sich langsam bewegen - davor stehen nur einzelne Möbelstücke. Die Schauspieler Nele Mueller-Stöfen und Kai Scheve spielen zwei Sympathen von nebenan. Sie könnten auch in Ottensen oder in Winterhude wohnen. Er trägt grüne Socken, sieht mit Bart verdächtig nach Benny Andersson von Abba aus. Sie ist eine  lässige blonde Schönheit. Eine Ehe wie aus dem Bilderbuch. Kinder gibt es auch, aber die tauchen nie auf. Eine Scheinwelt.

Regisseur Harald Weiler inszeniert das Ehe-Labor als sprödes Kammerspiel. Wer hier einen saftigen Eheschwank erwartet, wird enttäuscht. Darum geht es nicht. Es ist wie im echten Leben,wo es auch nicht immer klar Böse und Gute gibt. "Es war toll", so die Stimmen aus dem Publikum: "Gut gewählt, gut gemacht". Besonders die starken Schauspieler wurden gelobt.

Der Abend geht auf

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Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman drehte 1973 seinen Film "Szenen einer Ehe", die sowohl als Kinofilm wie als sechsteilige TV-Serie ein Welterfolg wurde.

Die Ehe, ein Hamsterrad: Hier - und nicht nur hier - ist sie auf Lügen gebaut. Denn eigentlich ist Marianne eiskalt. Sie hatte längst Affären, bevor Johan wie ein rolliger Hund seiner Paula nachrannte. Demütigend, entlarvend, voller Hass. Die Ehe - eine Schlangengrube.

Der Abend geht auf. Fast noch etwas spröder hätte das ganze sein können, noch reduzierter, denn irgendwann sagt der Ehemann einen entscheidenden Satz: Der Mensch ist eigentlich einsam. Zweisamkeit sei bloße Illusion. Diese Einsicht, sie hätte noch mehr Raum vertragen.

Eine hoffnungslose Situation? Nicht ganz. Denn: Es gibt tatsächlich eine Versöhnung. Am Ende sieht man die beiden, wie sie Hand in Hand da stehen und ein Zelt aufbauen. Jahre nach ihrer Scheidung und mit neuen Ehepartnern: Wie befreit wirken sie, ziehen sich die Gummistiefel aus und den Reißverschluss zu. Ganz ohne Trauring.

Tiefe Einblicke in die Abgründe der Ehe

Die Ehe kann eine Schlangengrube sein: Ingmar Bergman zeigte dies gnadenlos offen in seinem Film "Szenen einer Ehe". Das Ernst Deutsch Theater zeigt das Stück als gelungene Bühnenversion.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
22087  Hamburg
Preis:
Zwischen 22 und 42 Euro
Kartenverkauf:
Information und Kartenreservierung
Telefon: (040) 22 70 14 20
E-Mail: tickets@ernst-deutsch-theater.de
Hinweis:
Szenen einer Ehe
Ingmar Bergman

Regie: Harald Weiler
mit: Nele Mueller-Stöfen, Kai Scheve
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 06.10.2017 | 19:00 Uhr

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