Stand: 21.01.2016 11:15 Uhr

Warum Menschen nicht ins Theater gehen

von Janek Wiechers
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Das Staatstheater Braunschweig - zwei Prozent der Braunschweiger kennen es nicht.

Wie so viele Kultureinrichtungen haben Theater es nicht leicht: Einerseits haben sie einen Bildungsauftrag zu erfüllen - mit qualitativ hochwertigen Produktionen. Andererseits müssen sie ein möglichst breites Publikum erreichen - und das geht oft nur mit massenwirksamen Inszenierungen.

Das Staatstheater Braunschweig hat jetzt eine Studie vorgestellt, die untersucht hat, warum Zuschauer kommen - oder nicht kommen. Mehr als 1.000 Menschen aus allen Bevölkerungs- und Altersschichten in sieben Städten und Landkreisen der Region Braunschweig wurden dafür befragt. Ergebnis: Es gehen zwar viele Menschen gern ins Theater - 25 Prozent der Bevölkerung - sehr viele aber auch nicht.

Zwei Prozent kennen das Theater nicht

32 Prozent, so hat die Befragung ergeben, waren noch nie im Staatstheater Braunschweig, und zwei Prozent kennen es nicht einmal. "Aus unserer Sicht gehen vor allem Menschen nicht ins Theater, die ansonsten eher ins Kino gehen, eher Shoppen gehen in ihrer Freizeit, eher zu Rock- oder Popkonzerten gehen", sagt Studienleiter Achim Müller von der Freien Universität Berlin: "Und es sind auch Menschen, die es aufgrund ihres Alters nicht mehr schaffen."

Es sind, so Müller, häufig auch Menschen mittleren Alters, die aufgrund ihrer Lebensentwürfe mit viel Arbeit, Stress oder der Erziehung von Kindern den Weg ins Theater nicht finden. Und auch das ist typisch: Menschen mit mittleren oder niedrigen Bildungsabschlüssen sowie mit Migrationshintergrund gehen selten oder nie ins Theater.

"Staatstheater" - ein elitärer Name?

"Viele der Nicht-Theaterbesucher empfinden das angebotene Programm elitär und stoßen sich am Konzept des Theaters an sich", sagt Studienleiter Müller. Das betreffe sowohl den Begriff "Staatstheater" als auch das Gebäude.

Aus seiner Studie ließen sich einige Ideen ableiten, was das Theater tun könne, um Skeptiker zu motivieren, doch zu kommen. Wichtig sei, so Müller, "auf jeden Fall in die Stadt hineinzuwirken, auf möglichst viele Weisen klarzumachen, dass das Haus für alle ist."

Große Erfolge beim Zeitgenössischen Tanz

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In der Sparte Zeitgenössischer Tanz konnte durch ungewöhnliche Inszenierungen im Stadtraum ein junges Publikum gewonnen werden.

Wie andere Spielstätten in Deutschland auch, bemüht sich das Staatstheater Braunschweig schon seit Längerem intensiv, Menschen für seine Veranstaltungen zu begeistern. Das gelingt auch bereits. In den Sparten Zeitgenössischer Tanz oder Schauspiel etwa kann sich das Staatstheater Braunschweig über ein überdurchschnittlich junges Publikum freuen. Gastspiele außerhalb des Stammhauses, ungewöhnliche Inszenierungen im Stadtraum - all diese Dinge bescheren dem Braunschweiger Theater bereits viele Besucher.

Intendant Joachim Klement nimmt die neue Studie dennoch zum Anlass, einmal mehr über die eigenen Bemühungen um Zuschauer nachzudenken. "Wir müssen auch etwas dafür tun, gerade bei Menschen, die länger nicht bei uns waren, die dann sagen, sie haben den Eindruck, das Theater sei nicht zeitgemäß", sagt er.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.01.2016 | 06:20 Uhr