Stand: 10.03.2016 11:44 Uhr

Spitzen und Speere: Wie unsere Vorfahren jagten

von Werner Junge

Die neue Schau auf Gottorf passt. Schließlich wird über die Steinzeitküche viel geredet, die fleischlastige Paläo-Diät gilt als neuer Trend. Fleisch, da sind sich die Archäologen sicher, war ein wesentlicher Motor der Evolution. Die im Neandertalmuseum im bergischen Mettmann konzipierte Ausstellung wirft einen Blick auf Jagdwaffen und -methoden von 300.000 vor Christus bis zum Beginn der Bronzezeit.

Waffen und Fallen sind rekonstruiert

In drei Räumen unten im Schloss erwartet die Besucher eine familientaugliche Schau. Dass es mit Ausnahme eines Stückes Mammutzahn dort keine Originale zu sehen gibt, ist Absicht. Ausstellungsmacher Ulrich Sodiek will vor allem erklären. Dafür nutzt er Animationen und Filme, die spannend zeigen, wie die Archäologen aus kleinsten Fundstücken Waffen, Fallen und das Fischfanggerät rekonstruiert haben. Ob es so war, wurde dann in Experimenten nachgeprüft. Ulrich Sodiek hat so aus gefundenen kleinen Haken eine hocheffiziente Steinzeitwaffe, den Schleuderspeer, rekonstruiert.

Waffenform bleibt über Jahrtausende fast gleich

Das meiste, was sonst in Schleswig gezeigt wird, ist auch aus Schleswig. Der Experimentalarchäologe Harm Paulsen hat eine ganze Wand voller Speer- und Pfeilspitzen aus Flint, Horn, Elfenbein nachgebaut, die vor rund 60.000 Jahren den Holzspeeren neue Schärfe und Effizienz gaben. Sowohl bei den 300.000 Jahre alten Speeren, als auch bei den erst am Ende der Steinzeit verwendeten Bögen erstaunt eines: die damals geschaffenen Formen sind identisch mit denen von modernen Hightech-Sportspeeren und -bögen.

Tod durch Schreck

Archäozoologe Ulrich Schmölcke vom Zentrum für baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig betont deshalb: "Die Menschen in der Steinzeit waren keine haarlosen Affen, die dumpf durch die Welt liefen. Sie waren findig und geschickt." Das zeigt sich auch an Spezialwaffen wie etwa Pfeilen mit Holzpropfen an der Spitze. Was aussieht wie Kinderspielzug, ist in Wirklichkeit eine hocheffektive Spezialwaffe. Erlegt wurden damit vor allem kleine Pelztiere. Traf sie der Pfeil mit großer Wucht, starben Eichhörnchen, Iltis oder Otter vor Schreck durch Herzstillstand. Damit war die Beute erlegt, das Fell unverletzt.

Rentiermodelle zum Streicheln

Fallen und Geräte zum Fisch- und Robbenfang sind im letzten der drei Ausstellungsräume zu sehen. Das weist in den Augen der Ausstellungmacher auch darauf hin, wie groß der Anteil an Fisch, Meeresfrüchten und in Fallen gefangener Tiere in der Steinzeit war. Alles in dieser Schau ist sehr schön erklärt, es gibt Rentiermodelle zum Streicheln, ein harmloses Fallenmodell mit Plüschtier und Plastikkottelet.

Nahrhaftes Schilfrohr

Haben sich unsere Vorfahren wirklich nur von Fleisch und Fisch ernährt? Die Archäologen bezweifeln das. Es gibt viele Dinge in unserer Umwelt, die uns heute nicht mehr als essbar erscheinen, aber durchaus für den Topf taugen. Zum Beispiel die dicken und voller Energie steckenden Wurzeln des Schilfrohrs. Bei vielen Fragen kann nur spekuliert werden. Das Problem: Während es möglich ist, aus einem kleinen Fundstück eine ganze Waffe zu rekonstruieren, sind die Gemüsespuren einfach weg, unwiederbringlich kompostiert.

"Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit" auf Schloss Gottorf dauert noch bis zum 24. Mai. Die Ausstellung in Schleswig (Schloßinsel 1) hat täglich ab 10 Uhr, unter der Woche bis 17 und am Wochenende bis 18 Uhr geöffnet.

Auf Jagd nach Eichhörnchen und Fisch

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 10.03.2016 | 18:00 Uhr