Sendedatum: 30.10.2014 07:40 Uhr

Das Erziehungslexikon: "Slow Parenting"

von Jan Wiedemann & Sarah Heuberger
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Kinder sollen sich in der richtigen Umgebung quasi von selbst entwickeln können.

Die Slow-Life-Bewegung steht für Entschleunigung und Gelassenheit. Beim Essen ist von "Slow Food" die Rede - und bei der Kindererziehung vom "Slow Parenting". Ein Begriff, den vor allem der kanadische Autor Carl Honoré geprägt hat: "Slow bedeutet in diesem Fall nicht, alles in Schneckengeschwindigkeit zu erledigen. Es bedeutet, alles in der richtigen Geschwindigkeit zu tun. Dass sich unsere Kinder so verhalten können, wie sie wollen. Nicht, wie wir wollen, dass sie sich verhalten."

Weniger ist mehr

In seinem Ratgeber "Kinder unter Druck" rät Carl Honoré vor allem zu zurückhaltender Erziehung: Statt zum Klavierunterricht und in den Nachhilfe-Kurs sollten Eltern ihr Kind besser raus zum Spielen schicken. Überhaupt spielt Natur beim "Slow Parenting" eine wichtige Rolle.

Kein ganz neuer Ansatz, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Cornelie Dietrich von der Leuphana-Universität Lüneburg: "Diese naturnahe Erziehung, das ist in der Tat etwas, dass es in Deutschland immer gegeben hat. Das ist ja eine Ur-Romantische Idee. Mit dem Kinderbild dahinter: Die Kinder, wenn wir sie nur einer möglichst natürlichen, ungestörten Umgebung aufwachsen lassen, dann entwickeln die sich quasi von selbst. Das ist alles im Kind angelegt."

Die entspannteste Methode

Noch einen positiven Nebeneffekt hat das Ganze: Wenn sich Eltern nicht 24 Stunden lang um ihr Kind kümmern, haben sie mehr Zeit für sich und ihre Partnerschaft. Vor allem dieser Seite des "Slow Parenting" können viele Hamburger Eltern etwas abgewinnen. Natürlich lässt sich über das Für und Wider des "Slow Parenting" streiten - weniger allerdings darüber, dass es wohl die entspannteste Erziehungsmethode ist. Für alle Beteiligten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 30.10.2014 | 07:40 Uhr

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