Stand: 04.03.2016 15:55 Uhr

Pipeline-Archäologie: Ausstellung zeigt Funde

Archäologische Funde aus 12.000 Jahren Siedlungsgeschichte sind von Sonntag an im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald zu besichtigen. Die rund 240 Exponate sind beim Bau der Erdgastrassen NEL und OPAL zutage gefördert worden. Landesarchäologen hatten den Leitungsbau fünf Jahre lang von 2007 bis 2012 begleitet und dabei von Nahrungsresten bis zu Hausfundamenten mehrere Tausende Funde gemacht.

Virtuelle Entdeckungstour durchs Land

In den schwarzgestrichenen, verwinkelten Ausstellungsräumen können die Besucher selbst auf Erkundungstour durch Mecklenburg-Vorpommern gehen. Fast so, als wären sie selbst die Archäologen, können sie Stück für Stück die Grabungsfunde für sich entdecken, sagt Landesarchäologe und Grabungsleiter Detlef Jantzen: "Wer möchte, kann der Trasse virtuell durchs Land folgen. Wir haben an der Wand eine Abrollung der großen Erdgastrassen. Da steht genau, wo man sich befindet, sodass man sich als Landeskundiger orientieren kann. Dann kann man sehen, was alles so in der Nähe meines Wohnortes gefunden wurde."

Enormer Erkenntnisgewinn

Die Erdgastrassen ziehen sich auf mehr als 340 Kilometer Länge durchs Land. Stück für Stück wurde jeder Abschnitt sorgfältig auf Bodendenkmäler untersucht. Mehrere Zehntausend Funde machten die Archäologen dabei. Doch nur die wenigsten davon, wurden ausgegraben und gesichert. Das Besondere: Die Trassen durchziehen das Land in Nord-Süd- sowie Ost-West-Richtung. "Dadurch können wir sehen, wo bestimmte Regionen zu bestimmten Zeiten besonders intensiv besiedelt waren. Oder wo überhaupt niemand gewohnt hat. Das ist ein enormer Erkenntnisgewinn", sagt Jantzen.

Nahrungsreste und Pfleilspitzen

Den ältesten Fund machten die Archäologen an der Mecklenburgischen Seenplatte bei Glasow, als sie eine 12.000 Jahre alte Pfeilspitze aus Feuerstein entdeckten. Jantzens persönliche Lieblingsfunde sind jedoch die Häuser: "Sie ermöglichen genaue Einblicke, wie die Menschen gelebt haben. Wir können sehen, wie groß die Häuser waren, wie sie eingerichtet waren, wo die Feuerstellen waren, ob es Vieh im Haus gab. Wir sehen das Geschirr, das benutzt wurde und manchmal finden wir auch Reste ihrer Nahrung." So hätten seine Mitstreiter beispielweise Getreidefunde gemacht, die Aufschluss darüber gaben, was in diesen Häusern gegessen wurde. "Wir bekommen ein lebendiges Bild des Lebens der Menschen vor Tausenden von Jahren. Das finde ich absolut faszinierend."

Biersuppe und Hirsch in der Grube

Dadurch können den Besuchern sogar historische Rezepte präsentiert werden. "Man kann lesen, was die Menschen in der Völkerwanderungszeit gegessen haben. Das ist auch alles belegt durch die Grabungen", sagt Jantzen. Die Rezepte reichen von der Biersuppe bis zum Hirsch in der Grube. "Da geht es um Hirschfleisch, das in Blätter eingewickelt wird und in einer heißen Grube über Stunden gegart wird. Es ist bestimmt sehr lecker. Wir haben Reste solcher Mahlzeiten auch tatsächlich gefunden", so Jantzen.

Wanderausstellung danach in anderen Städten zu sehen

Für das Pommersche Landesmuseum ist die Pipeline-Archäologie eine von insgesamt drei Sonderausstellungen in diesem Jahr, sagt der Direktor Uwe Schröder: Eine Besonderheit ist, dass man überhaupt als Museum archäologische Sammlung präsentiert. Die archäologischen Objekte sind fragil und werden nicht ohne Weiteres auf den Weg geschickt, um in anderen Häusern gezeigt zu werden. "Das ist eine Sternstunde", so Schröder weiter. Bis Ende Juni wird die Wander-Ausstellung in Greifswald bleiben. Danach zieht sie weiter nach Rostock, Stralsund, Neubrandenburg und Wismar, vielleicht folgen auch noch weitere Stationen. In jedem Fall werden die Landesarchäologen auch darüber hinaus noch Jahre an einzelnen Grabungsfunden forschen. Die Pipeline-Archäologie-Ausstellung wurde vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege konzipiert. Es ist ein umfangreicher Begleitband zur Ausstellung erschienenen.

Archäologie unter der Erdgasleitung

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.03.2016 | 19:15 Uhr