Stand: 01.04.2017 07:41 Uhr

"Nipple Jesus" - Kurz, knackig, inspirierend

Viel Applaus gab es in Hamburg für die plattdeutsche Erstaufführung der Komödie "Nipple Jesus" von Nick Hornby. Auf der Studio-Bühne des Ohnsorg-Theaters begeisterte Oskar Ketelhut die Zuschauer mit seinem einstündigen Monolog über die Konfrontation eines Museumswärters mit moderner Kunst.

von Daniel Kaiser

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Hauke (Oskar Ketelhut) soll im Museum ein umstrittenes Kunstwerk bewachen.

Was für ein sympathischer Kerl ist dieser Hauke. Der ehemalige Türsteher vom Club Casablanca hat einen neuen Job als Museumswächter. Dort soll er ein modernes Kunstwerk mit Skandal-Potenzial bewachen: Ein Bild vom gekreuzigten Jesus, das aus einer Collage vieler kleiner Brustwarzen besteht. Die hatte die Künstlerin aus Pornoheften ausgeschnitten. Zunächst ist Hauke von diesem "Nipple Jesus" abgestoßen, dann fasziniert, und als er sich ein bisschen in die Künstlerin verguckt und merkt, dass vor allem sympathische Menschen gut auf das Bild reagieren, wird er zum überzeugten Beschützer des Kunstwerkes.

Ein Mann mit Vergangenheit

Oskar Ketelhut spielt den Hauke nicht nur als oberflächlichen Sprücheklopfer vom Kiez mit Beschützerinstinkt, sondern als warmherzigen und auch schlauen Zeitgenossen. Unter dem weißen Hemdkragen ragt eine martialische, grobe Tätowierung hervor, die verrät, dass Hauke auch eine Vergangenheit hat. Man glaubt dieser ehrlichen Haut jedes Wort, jeden Spiegelstrich seines Lebenslaufs und auch die Unzufriedenheit seiner Frau, die sich ein bisschen mehr Karriere von ihm wünscht und seinen Türsteher-Job vor anderen schon mal als "Sicherheitsbeauftragter" verkauft. Ketelhut gelingt es, alle diese Zwischentöne zusammenklingen zu lassen. So wird Hauke zu einem Menschen aus Fleisch und Blut.

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Ketelhuts einstündiger Monolog wird vom Publikum am Ende mit Jubel belohnt.
Wie für Hamburg geschrieben

Den "Nipple Jesus" selbst sieht man nicht, aber das Museum ist liebevoll mit anderen Phantasie-Kunstwerken bestückt (Bühnenbild: Marc Becker und Kathrin Reimers), die sich hin und wieder zu Wort melden: Eine Tischtennisball spuckende Installation, eine Japanisch sprechende und nebelkeuchende Kabelmaschine sowie eine Zwiebel in einem Schaukasten. Das ist alles liebevoll im Detail. In der Inszenierung von Marc Becker vergeht die Stunde wie im Flug: Mit Witz, Ernst und vor allem mit Oskar Ketelhuts Händchen für Timing. Die sehr gelungene, lebendige plattdeutsche Übersetzung von Cornelia Ehlers klingt, als sei das Stück von Hornby für Hamburg geschrieben worden.

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Ein echter Bodyguard

Am Ende kommt es wie befürchtet zum Eklat. Fundamentalisten zerstören das Jesus-Bild. Hauke findet dabei aber heraus, dass er in diesem ganzen Skandal auch nur benutzt wurde. Doch dann beweist dieser uneitle und unprätentiöse Mann, dass er das Wesen und die Kraft von Kunstwerken besser versteht als die vermeintlichen Kenner: Hauke ist ein echter Bodyguard der Kunst. Am Ende dieses kurzen, knackigen, inspirierenden Theaterabends gab es langen Applaus - und für Oskar Ketelhut jubelten und trampelten die Zuschauer sogar.

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"Nipple Jesus" - Kurz, knackig, inspirierend

Ex-Nachtclub-Türsteher bewacht im Museum skandalöses Abbild von Jesus: Nick Hornbys Komödie "Nipple Jesus" hat am Hamburger Ohnsorg Studio eine umjubelte Premiere auf Plattdeutsch gefeiert.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ohnsorg Theater
Heidi-Kabel-Platz 1
20099  Hamburg
Telefon:
(040) 350 803 21
E-Mail:
service@eventris.eu
Preis:
ab 22 Euro
Kartenverkauf:
Kasse: (040) 35 08 03 21
Hinweis:
Komödie von Nick Hornby
Plattdeutsch von Cornelia Ehlers
Inszenierung: Marc Becker
Kostüme: Katrin Reimers

mit:
Oskar Ketelhut
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 03.04.2017 | 19:00 Uhr

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