Stand: 03.11.2017 11:03 Uhr

Monsieur Claudes Töchter am St. Pauli Theater

von Peter Helling

"Monsieur Claude und seine Töchter" - dieser Film hat 2014 viele Menschen in die Kinos gelockt, allein in Frankreich waren es zehn Millionen. Die Geschichte vom konservativen Patriarchen, der seine vier Töchter bitteschön "ur-französisch" unter die Haube bringen will, hat es in sich und ist durchaus brisant. Jetzt wurde der Film als Theaterstück auf die Bühne des St. Pauli-Theaters gebracht. Ulrich Waller führte Regie.

Wer so nationalistisch die Marseillaise schmettert, ist in den Augen von Monsieur Claude kein echter Franzose. - Es sind seine Schwiegersöhne und als Jude, Muslim und Chinese für ihn indiskutabel. Trotz seiner Beteuerung: "Ich ertrage es nicht, wenn man mich einen Rassisten nennt!"

Vielversprechender Beginn

Monsieur Claude hat es aber auch nicht leicht. Schon drei seiner vier Töchter haben sich ausgerechnet mit "solchen" verheiratet. Seine Hoffnung ist die allerjüngste Tochter. Kommt sie endlich mit einem weißen Katholiken her?

Aber, oh weh: Der vierte Anwärter ist schwarz. Doch noch traut sich die vierte Tochter nicht, ihren Freund den konservativen Eltern vorzustellen. Als es dann doch passiert, ist es ein Schock. - Spannenderweise besonders bei den zukünftigen Schwägern, ausgerechnet! Der Rassismus fällt nicht weit vom Stamm. "Ein aktuelles Thema, das uns hier im Land betrifft", meint ein Besucher.

Schmalziges Ende

Hier könnte das Stück interessant werden. Es fängt es so vielversprechend an: böse und gemein die Dialoge, pointiert und witzig die Szenen, die hier oft nur angerissen werden. Am überzeugendsten aber ist er: Michael Prelle als Ur-Franzose Monsieur Claude. Großartig, dieser blinde Blick, wenn er wieder enttäuscht wird. Stille Verzweiflung kann so komisch sein.

Monsieur Claude verzweifelt an seinen Töchtern

Doch dann wirft sich der Abend ins Lieblich-Rührselige. Die beiden knorrigen Familienväter, der schwarze und der weiße, versöhnen sich natürlich bei einem Glas Rotwein - und der Afrikaner beißt nicht in einen politisch unkorrekten "Mohrenkopf", sondern bekommt einen korrekten "Schaumkuss" auf die Lippen. Wie reizend.

Das Publikum ist enttäuscht. "Keine ganz große Theaterpremiere in Hamburg. Ich fand es schauspielerisch gut, aber ein stückweit zu artig inszeniert" meint ein Zuschauer.

Ja wenn es mal so einfach wäre mit dem Rassismus. Mal ein bisschen schnacken und Schwamm drüber. Zugegeben, das geht erst mal ans Herz, bleibt aber am Ende fade und vitaminarm. Der Abend in der Regie von Ulrich Waller bleibt weit hinter seinem starken Anfang zurück.

Monsieur Claudes Töchter am St. Pauli Theater

Ein konservativer Patriarch und seine vier indiskutablen Schwiegersöhne - "Monsieur Claude und seine Töchter" lockte 2014 Millionen ins Kino. Nun zeigt das Hamburger St. Pauli-Theater die Komödie.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
St. Pauli Theater
Spielbudenplatz 29 - 30
20359   Hamburg
Telefon:
Tickets: (040) 4711 0 666
Preis:
26,90 bis 59,90 Euro
Hinweis:
Monsieur Claude und seine Töchter
Regie: Ulrich Waller

mit: Patrick Abozen, Holger Dexne, Hannah Rebekka Ehlers
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 03.11.2017 | 19:30 Uhr

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