Stand: 16.09.2015 17:01 Uhr

Max-Brauer-Preis für "Theater am Strom"

von Elisabeth Burchhardt

Das "Theater am Strom" hat in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum - aber zu feiern gibt es noch mehr: Die drei Gründerinnen des Kindertheaters erhalten den mit 20.000 Euro dotierten Max-Brauer-Preis, die Preisverleihung fand am Mittwochabend im Hafenmuseum statt. Die Auszeichnung wird seit 1993 vergeben - an Personen oder Institutionen, die sich um das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben in Hamburg verdient gemacht haben.

Theater am Strom in St. Pauli © NDR

Max-Brauer-Preis für das "Theater am Strom"

Hamburg Journal -

Das freie Hamburger Kindertheater produziert eigene Theaterstücke, die vor allem die Lebenswirklichkeiten von Kindern ansprechen. Für seine Projekte wird es mit dem Max-Brauer-Preis ausgezeichnet.

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Ganz anderer Blick auf Hamburg

Es ist ganz still im Zuschauerraum des Fundus Theaters, wo die Gruppe "Theater am Strom" auftritt, gebannt blicken die Kinder auf die Bühne - auf den Musiker rechts vorn - und auf eine Frau, die erst mehrere dick bepackte Einkaufswagen vor sich her schiebt und anschließend ordentlich nebeneinander parkt. "In der nächsten Stunde möchte ich euch meine Wege durch Hamburg zeigen", sagt sie. "Das sind aufregende Wege!" Die obdachlose Maria zieht da mit ihrer Habe umher. Sie hat einen ganz anderen Blick auf Hamburg. Wenn die Glocken vom Michel läuten, denkt sie an die warmen Toiletten, die es dort gibt.

Gründung durch drei Frauen

Gesche Groth spielt diese Frau - sie ist eine der Gründerinnen des Theaters. Die anderen sind ihre Kollegin Morena Bartel und Christiane Richers, die schreibt und inszeniert. Auch das Obdachlosen-Stück "Immer weiter" hat sie entwickelt. Sie war inspiriert von den Begegnungen mit einer wirklichen Obdachlosen, die sich oft vor dem Chile Haus aufhält. "Es ging nicht um diese eine Biografie, sondern um das Leben von obdachlosen Frauen in Hamburg auf der Straße. Wir haben über das Obdachlosenmagazin 'Hinz und Kunzt' und über die Kemenate, einen wichtigen Anlaufpunkt für obdachlose Frauen in Eimsbüttel, Kontakt zu Betroffenen bekommen und mit ihnen Gespräche geführt", erzählt Richers.

"Stücke werden nur gut, wenn ich echtes Interesse habe"

Der wache, besondere Blick auf Menschen und Verhältnisse der Stadt war für die Jury des Max-Brauer-Preises ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Zuletzt hatten Christiane Richers und ihre Mitkämpferinnen ein Stück über die Sinti und Roma im Wilhelmsburg entwickelt, "Im Herzen der Stadt" heißt es. "Ich weiß einfach, das gerade Kinder die richtig großen Themen ungeheuer spannend finden. Und es vielleicht gar nicht so toll finden, wenn die ausgespart werden." Richers, Bartel und Groth wollen allerdings nicht festgelegt werden auf das, was man gesellschaftsrelevante Themen nennt. Wenn es um das Machen von Stücken geht, gibt es nur eine Faustregel. "Die werden nur gut, wenn ich echtes Interesse habe", meint Richers.

Auch Kindertheaterpreis geht an "Theater am Strom"

Auch die anderen Stärken der Gruppe "Theater am Strom", das keinen festen Spielort hat, wurden von der Jury gesehen und gelobt. Der liebevolle Umgang mit den jungen Theaterbesuchern und die Poesie, die in den Aufführungen steckt. Auch diese Zartheit hat Tradition: In der ersten Aufführung ging es um Sternschnuppen, die vom Himmel regnen - und ums Wünschen. Die "Sterne von San Lorenzo" hieß das Stück. "Wir haben es 250 Mal gespielt, ich glaube zehn Jahre lang", erinnert sich Richers.

Keine Sternschnuppen, eher Sterntaler regnet es im Moment: Mit der 20.000 Euro-Auszeichnung der Töpfer-Stiftung war es für dieses Jahr noch nicht genug. Seit Kurzem ist bekannt, dass auch der Kindertheaterpreis der Kulturstiftung, dotiert mit 7.500 Euro ans "Theater am Strom" geht - für das Obdachlosen-Stück "Immer weiter". "Das ist ein Goldregen, ja," freut sich Richers. Und der Goldregen eröffnet den Theatermacherinnen ganz neue Perspektiven: Erstmals in der Geschichte wird sich das "Theater am Strom" ein richtiges Büro in Wilhelmsburg leisten können.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 16.09.2015 | 19:00 Uhr