Stand: 31.10.2016 13:56 Uhr

"Luther" auf NDR Kultur

Das sogenannte "Lutherjahr" wird am Reformationstag offiziell eröffnet - dem Tag, an dem ein Mönch namens Martin Luther am 31. Oktober 1517 95 Thesen gegen den Verfall der Sitten in der katholischen Kirche an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll. Das Ereignis, das die Gründung der evangelischen Glaubensgemeinschaft zur langfristigen Folge hatte. Das denkwürdige Jubiläum wird auch auf NDR Kultur übers Jahr auf vielfältige Art und Weise begangen. Ulrike Sárkány erzählt im Gespräch, welche Highlights die Hörer und Hörerinnen erwartet.

NDR Kultur: Frau Sárkány, Luther und die Reformation sind ja auch für die Literatur ein sehr ergiebiges Thema.

Ulrike Sarkany: Ja, einen ersten Auszug aus Feridun Zaimoglus im Frühjahr erscheinendem Luther-Roman "Evangelio" haben wir ja schon vor zwei Tagen in der Sonnabend-Story gesendet, und der wird uns natürlich noch weiter interessieren. Das ergibt ja auch eine wirklich knisternde Reibungsfläche, wenn ein Kieler Schriftsteller, der noch dazu in der Türkei geboren wurde, also kein Protestant ist, sich in die Luther-Zeit zurückversetzt. Darüber haben wir uns außerdem mit ihm unterhalten.

Ein erstes musikalisches Highlight hatten wir auch schon am vergangenen Sonnabend mit einer Live-Übertragung aus Hannover, bei der Jazz-Posaunist Nils Landgren und seine Band, Katharina Bäuml mit ihrer Capella de la Torre und der Knabenchor Hannover zu hören waren mit diversen Arrangements, deren Originalkompositionen auf die Lutherzeit zurückgehen. Das Konzert kann man auf unserer Internetseite ja auch noch nachhören. Aber erzählen Sie weiter über den literarischen Zugriff!

Sarkany: Ein Highlight haben wir uns für Januar, also den Jahresbeginn 2017 aufgehoben. Da werden in Am Morgen vorgelesen eine Woche lang eigens von der Literaturredaktion von NDR Kultur angeregte Essays zu hören sein, in denen die Schriftsteller Felicitas Hoppe, Sibylle Lewitscharoff, Friedrich Christian Delius, Nora Gomringer, Raoul Schrott und Frank Witzel über ihr ganz subjektives Verhältnis zum Reformator sprechen. Wir haben diese Reihe, leicht kalauernd, "Alles in Luther!" genannt, und man kann aber jetzt schon betonen, dass neben viel vergnüglichem Wortwitz auch einiges Wissenswertes und Nachdenkenswertes dabei zu Tage tritt. Dafür stehen natürlich auch die Namen der sechs Schriftsteller, die wir um diese Beiträge gebeten haben.

In Am Abend vorgelesen läuft seit dem 31. Oktober auch eine Reihe, die mit dem Reformationsjubiläum zu tun hat.

Weitere Informationen

Luthers Zeitgenossen

11.11.2016 22:00 Uhr
NDR Kultur

Vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine Thesen gegen den Ablass. Aus diesem Anlass sendet NDR Kultur eine zehnteilige Lesereihe mit Schriften von "Luthers Zeitgenossen". mehr

Sarkany: Ja, das war die Idee unserer Regisseurin Anna Hartwich, die meinte, es war ja nicht dieser Mann Martin Luther ganz allein, der eine Zeitenwende herbeigeführt hat. Man muss die Reformation auch mit den großen Umwälzungen der Epoche zusammendenken. Ein erster großer Einschnitt in die Denkweise des Abendlands kam 1492 durch die Entdeckung Amerikas, und entsprechend beginnt die Lesereihe mit dem Logbuch von Christopher Columbus. Danach ging es dann hurtig weiter mit den revolutionären Ideen von diesen neuen Renaissance-Menschen wie etwa Ariost und Castiglione und Macchiavelli - zwei Wochen ist jeden Abend ein solcher Text von Luthers Zeitgenossen zu hören, frisch eingelesen von Maren Kroymann, Thomas Sarbacher, Stephan Schad und Frank Arnold. Online kann man jede Folgen dann noch sieben Tage lang nachhören.

Der letzte Text in der Reihe, am 11. November, stammt dann von Luther selbst, und der ist überschrieben "Vom unfreien Willen". Darum geht es ja auch schon in der Veranstaltung am 10. November, die NDR Kultur im Rahmen der Hamburger Martinstage ausrichtet.

Sarkany: Genau. Martin Luther hat sich mit Erasmus von Rotterdam darüber gestritten, ob der Mensch nun eigentlich einen freien Willen hat oder nicht. Dieser Disput wird an dem Abend in Szene gesetzt von den Schauspielern Thomas Sarbacher und Siegfried W. Kernen. Es werden aber auch zwei Experten anwesend sein, der Theologe Alf Christophersen aus Wittenberg und der Publizist Mathias Greffrath, die diese immer noch zentrale Frage in heutigem Licht diskutieren: Ist alles, auch das Böse, sowieso von Gott gelenkt oder ist der Mensch in der Lage, sich frei für das Gute oder das Böse zu entscheiden?

Haben wir noch etwas vergessen, Frau Sárkány?

Sarkany: Es wird noch viele weitere Programmpunkte zu Luther im Lauf des Jahres geben, aber hinweisen will ich nur noch schnell auf eine Sendung in Prisma am 5. November: Da geht es um das musikalische Zeitalter der Reformation und die alten Instrumente, auf denen diese alte Musik später auch wieder eingespielt wurde.

Das Gespräch führte Philipp Schmid.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 31.10.2016 | 11:20 Uhr

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