Stand: 08.03.2016 09:15 Uhr

Kultserie "Loriot" wird 40

von Dirk Böhling

Kalbshaxe Florida, Jodeldiplom, Kosakenzipfel oder die Herrenboutique in Wuppertal - all das hätte es vielleicht nie gegeben, wäre es vor genau 40 Jahren nicht zu der wunderbaren Zusammenarbeit von Loriot und Radio Bremen für die Fernsehserie "Loriot" gekommen.

Die besten Loriot-Sprüche

"Meine Arbeit in Bremen zählt zu den schönsten Erinnerungen, die ich in meiner Berufszeit je gehabt habe. Das waren drei Jahre und ich kann mir nicht denken, dass ich irgendwann glücklicher und zufriedener gewesen wäre", erinnerte sich Vicco von Bülow einmal an seine Zeit in Bremen. Und noch ein ebenso kongeniales wie folgenreiches Zusammentreffen fand hier statt. Die Sketchpartner von Loriot sollten aus Kostengründen mit Ensemble-Mitgliedern des Bremer Theaters besetzt werden. Was für ein Glücksfall! "Das war die entscheidende Zeit, in der ich Evelyn Hamann entdeckt habe, für die ich ungeheuer dankbar bin." Vicco von Bülow hatte unter seinem Künstlernamen Loriot zuvor als Cartoonist bei der Zeitschrift "Stern" und als Moderator der Fernsehsendung "Cartoon" für den Süddeutschen Rundfunk gearbeitet, wo bereits erste kleine Sketche entstanden.

Alltag liebevoll aufs Korn genommen

1971 schuf er den gezeichneten Hund "Wum" für die Sendung "Drei mal neun". Dieter Ertel ist es letztlich zu verdanken, dass Loriots Hauptwerk seine künstlerische Heimat an der Weser fand. Der frühere Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks war nämlich mittlerweile Programmdirektor bei Radio Bremen geworden, und er bot Loriot ideale Arbeitsbedingungen für seine neue Reihe. Entstanden ist nicht weniger als ein Stück bundesrepublikanischer Fernsehgeschichte. Zusammen mit Evelyn Hamann führte Loriot durch ein Programm, in dem jedwede Alltagssituation gezeichnet oder als Sketch mit feiner Feder aufs Korn genommen wurde. Ob "Liebe im Büro", "Vertreterbesuch", "Bettenkauf", "Skat" oder "Lottogewinner" - sie alle wurden wahre Klassiker der Fernsehunterhaltung, und viele Zitate daraus ging in den deutschen Sprachgebrauch ein.

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Das bronzene Loriot-Sofa des Osnabrücker Künstlers Herbert Rauer erinnert an das grüne Biedermeier-Sofa aus der Sendung.

Es waren tatsächlich nur sechs Folgen, die von dem grünen Biedermeier-Sofa, das heute im Foyer von Radio Bremen zu bestaunen und als Bronze-Statue vor dem Bremer Funkhaus zu "besitzen" ist, in die Republik hinausgingen. Die Fernsehserie "Loriot" - in der ersten Folge mit dem Zusatz "Loriots sauberer Bildschirm" - konnte vor genau 40 Jahren zum ersten Mal in der ARD bestaunt und belacht werden. Heute sind die Hoppenstedts, Klöbners und Müller-Lüdenscheids deutsches Kulturgut und vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken.

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