Stand: 22.11.2015 12:50 Uhr

Junges Schauspiel in Hamburg ist zehn Jahre alt

von Katja Weise

Viel ist nicht geblieben von der Zeit, als Friedrich Schirmer Intendant des Hamburger Schauspielhauses war. Die fünf Jahre von 2005 bis 2010 standen unter keinem guten Stern. Doch ein Geschenk hat Schirmer der Stadt gemacht, für das man sich gar nicht genug bedanken kann: Er gründete das Junge Schauspiel und engagierte den Regisseur Klaus Schumacher, der die Sparte bis heute leitet. Schon im ersten Jahr gab es etliche Auszeichnungen und bis heute sind nicht nur Kritiker begeistert von dem, was sie von Schumacher und seinem Team geboten bekommen, sondern vor allem auch das junge Publikum. Am Sonnabend feierte das Junge Schauspiel sein zehnjähriges Bestehen.

Theaterszene aus dem Jungen Schauspielhaus Hamburg: Drei Leute mit Badekappen und Regenschirm stehen nebeneinander.

Zehn Jahre Junges Schauspielhaus

Hamburg Journal -

Seit zehn Jahren fasziniert das Junge Schauspielhaus Hamburg mit intensiver Theaterarbeit sein junges Publikum. In der Gaußstraße wurde der zehnjährige Geburtstag gefeiert.

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Der Geist des Theaters

Es hat von Anfang an funktioniert. Schon mit der Eröffnungs-Inszenierung, "Mutter Afrika", hat Schumacher 2005 klar gemacht, welcher Geist in diesem Theater herrschen soll. Das Stück des Niederländers Ad de Bont über Machtmissbrauch und Rassismus ging unter die Haut - nur ein Jahr später erhielt Schuhmacher unter anderem dafür den "Faust" als bester Kinder- und Jugendtheaterregisseur.

In diese Jubiläumssaison ist er gestartet mit "Nichts" nach dem Bestseller von Janne Teller, einer ebenso klugen wie minimalistischen Inszenierung über den Sinn des Lebens. Schumacher erläutert: "Wir versuchen immer wieder Gegenwart zu beschreiben, natürlich so, dass das Publikum gut einsteigen kann, dass es gute Geschichten kriegt mit unerwarteten Wendungen."

"So weit kann man gehen"

Die "Odyssee", in einer Fassung von Ad de Bont von Schumacher 2007 mitreißend in Szene gesetzt, war bisher eine der beeindruckendsten Arbeiten. Die Götter stritten sich am Küchentisch, während es für den griechischen Helden um Leben und Tod ging. Ergänzt wurde seine Geschichte durch die zeitgenössischer Irrfahrten. Schumacher dazu: "Ich glaube, das war auch in gewisser Weise programmatisch, weil wir den riesigen Anspruch hatten, eine große Geschichte zu erzählen, die wirklich viel von den Zuschauern gefordert hat. Und trotzdem: Es war immer voll, wir hatten eine Riesenresonanz, wir sind zu den Wiener Festwochen damit gefahren. Das war so ein ganz markanter Merkpunkt für uns alle: So weit kann man gehen."

Erneuertes Ensemble, gleicher Geist

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Aktuell wird im Jungen Schauspiel Hebbels "Maria Magdalena" aufgeführt.

Regelmäßig stehen nicht nur aktuelle Jugendstücke über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Patchworkfamilien auf dem Programm, sondern auch Klassiker wie "Cyrano", "Hamlet" oder - jetzt gerade - Hebbels "Maria Magdalena". Viele junge Schauspieler sind unter Schumacher groß geworden und spielen jetzt an anderen Häusern. Fixpunkte in diesem kleinen, aber feinen Ensemble sind seit 2005 Christine Ochsenhofer und Hermann Book. Sie sorgen mit dafür, dass es, obwohl es sich ständig erneuert, immer vom gleichen Geist beseelt zu sein scheint.

Ein Wermutstropfen

Dieser besondere Teamgeist ist allenthalben zu spüren. Insofern wünschen sich Book und Schumacher zum Geburtstag, dass möglichst viel noch lange so bleiben möge. Doch einen großen Wermutstropfen gibt es: Schon seit über zwei Jahren ist das Junge Schauspiel ohne eigene Spielstätte, Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier braucht den Malersaal, in dem es ursprünglich beheimatet war, für eigene Produktionen. Die gegenwärtige Bleibe in der Gaußstraße sollte nur eine provisorische sein, für maximal ein Jahr, und ist entsprechend provisorisch. Obwohl es für ein neues "Heim" etliche Ideen gab, konnte bisher noch keine umgesetzt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 20.11.2015 | 18:20 Uhr