Stand: 02.02.2017 10:19 Uhr

"Ich besuche Menschen, nicht die Regierung"

Der neue Außenminister, Rex Tillerson, muss auch mit dem von Trump verhängten Einreisestopp für sieben mehrheitlich muslimische Länder umgehen, denn der Protest hält an. Und auch immer mehr Künstler und Kulturschaffende positionieren sich gegen den amerikanischen Präsidenten - nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Eine von ihnen ist die Hamburger Autorin Isabel Abedi. Ihre Bücher landen regelmäßig auf der Bestsellerliste, etwa die "Lola"-Reihe oder ihr aktuelles Jugendbuch "Die längste Nacht". NDR Info hat mit ihr gesprochen.

Sie waren ebenfalls von dem Wirbel um das Einreiseverbot betroffen. Warum?

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Die Kinderbuchautorin Isabel Abedi wurde in München geboren. Neben der deutschen hat sie auch die iranische Staatsbürgerschaft.

Isabel Abedi: "Ja, ich habe durch puren Zufall von meinem Halbbruder erfahren, dass ich durch meinen iranischen Vater neben der deutschen auch die iranische Staatsangehörigkeit besitze. Und das Absurde in meinem Fall ist, dass ich ohne meinen Vater aufgewachsen bin, in Deutschland geboren wurde und seit meinem zwölften Lebensjahr einen deutschen Pass habe.

Deswegen war das eine völlige Überraschung für mich. Meine Nachfragen bei der iranischen Botschaft und beim Auswärtigen Amt haben das bestätigt und mir gesagt, nach iranischem Recht bestehe keine Möglichkeit, aus der iranischen Staatsangehörigkeit auszuscheiden.

Jetzt gibt es ja aber eine Nachbesserung dieses Dekrets von Donald Trump. Sie können jetzt doch fliegen. Haben sie darüber nachgedacht, aus Protest jetzt aber dennoch nicht mehr in die USA zu reisen?

Abedi: Nein, das wäre für mich Protest an der falschen Stelle. Ich habe meiner Freundin beim Skypen gesagt: Jetzt erst recht! Und am Flughafen in Los Angeles hat ein amerikanisch-iranischer Bürger, der in Tränen aufgelöst war, weil er seinen Bruder nicht abholen konnte, gesagt: Wir sind Menschen und nicht die Regierung. Und so sehe ich das auch: Ich besuche da Menschen, meine Freunde.

Mit den USA verbindet sie ja auch sehr viel. Schon in der Schulzeit waren sie ein Jahr dort und seitdem immer wieder. Das Entsetzen über Trump ist jetzt allgemein groß, gerade auch über dieses Einreiseverbot. Aber kennen Sie auch Menschen, die für ihn sind? Was sind deren Argumente?

Abedi: Erschrocken haben mich vor allen Dingen Facebook-Posts von alten Schulkameraden. Ich habe ja ein Austauschjahr in Amerika verbracht und ja, das waren Stimmen, die ich sehr verwandt mit rechtsradikalen Stimmen in Deutschland fand. Was mir sehr aufgefallen ist, ist dass da sehr viele Begriffe wie Islamisten, Immigranten, Terroristen gefallen sind und dass das Wort Mensch überhaupt nicht vorgekommen ist. Und auffallend ist auch eine ganz starke Abgrenzung gegenüber den Künstlern und öffentlichen Menschen, die sich gegen Trump ausgesprochen haben. Ich glaube einfach, dass das diese vergessene weiße Mittelschicht ist, die sich nicht gesehen fühlt.

Jetzt gibt es ja auch in Deutschland sehr viele kritische Stimmen, gerade auch von Prominenten. Haben Sie den Eindruck, dass das reicht oder haben Sie selbst das Gefühl, man müsste da noch mehr tun?

Abedi: Ja, es gibt sehr viel Kritik und das ist sicherlich auch wichtig. Und für mich ist es auch ganz wichtig, dass ein kultureller Austausch weiterhin stattfindet. Das war für mich kein Zufall, dass ich genau an dem Tag, an dem das Dekret von Trump erlassen wurde, in den Film "The Music of Strangers" von dem Yo-Yo Ma gegangen bin, wo es um kulturelle Völkerverständigung durch Musik geht. Und das hat mich ganz, ganz tief berührt, weil dieser Film einfach zeigt, wie Verständigung möglich ist.

Wir könnten alle Feinde sein, sagt da einer der Musiker und stattdessen werden Geschichten von Menschen erzählt, die in Frieden zusammen kommen und etwas erschaffen, was einen bleibenden Wert hat. Und das ist für mich etwas, was man sich angucken kann, worüber man reden kann - und vielleicht fühlt man danach, dass man nicht nur mehr tun kann, sondern auch mehr sein kann.

Das Interview führte Liane Kossmann für NDR Info.    

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 02.02.2017 | 06:55 Uhr

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