Stand: 14.09.2017 18:22 Uhr

Hamburger Regisseurin erhält Studenten-Oscar

Jubel und Stolz in der Hamburger Filmbranche: Zum inzwischen fünften Mal holt sich eine Produktion der Hamburg Media School den Studenten-Oscar. Die junge Schauspielerin und Filmemacherin Katja Benrath hat sich mit ihrem Kurzfilm "Watu Wote: All of us" gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt.

Frau Benrath, insgesamt 1.587 Filme sind eingereicht worden - und Ihrer hat überzeugt. Ein harter Stoff nach einer wahren Begebenheit in Kenia. Wie sind Sie überhaupt auf diese Geschichte gestoßen?

Bild vergrößern
"Ich glaube, dass mich diese Arbeit wieder näher zu mir selber gebracht hat", sagt Katja Benrath.

Katja Benrath: Wir haben im Internet auf der BBC-Seite einen Artikel gefunden, wo von dieser Begebenheit erzählt wurde. Es hat uns gleich so mitgerissen, berührt und ergriffen, dass wir uns entschieden haben, diese Geschichte zu erzählen.

Worum geht es in "Watu Wote: All of us"?

Benrath: In "Watu Wote" geht es um einen Terroranschlag auf einen Reisebus nahe an der Grenze zu Somalia, aber noch auf kenianischem Boden. Diese Busse werden in den letzten Jahren immer wieder überfallen und die Christen werden regelmäßig von den Terroristen abgeschossen. In diesem Fall ist es anders verlaufen: Die Muslime in dem Bus haben - ohne sich abzusprechen - Kopftücher an die christlichen Frauen verteilt und haben, als die Passagiere nach draußen getrieben wurden, um herauszufinden, wo die Christen sind, sich auch stumm verhalten. Sie haben entschieden: Wir geben die Christen nicht frei, wir leiden genug darunter, dass das in unserer Region passiert. Und so ist es dann gekommen: Es wurde keiner verraten und es sind alle am Leben geblieben.

Ein Beispiel für menschliche Solidarität in diesen Zeiten. Ihrer Homepage haben Sie Worte von Pedro Almodóvar vorangestellt: "Weil wir umso authentischer sind, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir selbst von uns haben." Würden Sie sagen, dass Sie Ihrem Traum jetzt ein ganzes Stückchen nähergekommen sind?

Benrath: Nicht zwangsläufig durch die Nachricht des Oscars, sondern dadurch, dass ich diese Geschichten, die mir so sehr am Herzen liegen, mache. Auch wenn sie vielleicht in der Herstellung gefährlich sind oder wenn wahnsinnige Schwierigkeiten auftauchen - am Filmset gibt es auch hier und da Stress und Krisen, das ist kein ruhiger, gemütlicher Job. Ich habe das Gefühl, dass ich meiner Berufung und meinem Ruf folge. Ja, ich glaube, dass mich diese Arbeit wieder näher zu mir selber gebracht hat.

Sie dürfen an dieser Stelle allen "danke" sagen, denen Sie danken möchten - quasi als Probelauf für Los Angeles.

Benrath: Danke würde ich natürlich der Hamburg Media School, dass sie uns erlaubt und uns dabei unterstützt haben, diesen Auslandsfilm unter all diesen Bedingungen zu drehen. Das Wichtigste beim Film ist - und deswegen liebe ich diesen Job so von Herzen - das Team. Es geht nicht, wenn nicht alle gemeinsam arbeiten. Wir hatten eine internationale Arbeit mit verschiedenen Stämmen in Kenia, mit unterschiedlichsten Religionen, wir Deutsche auch noch dazwischen, und wir haben ein großes Team gegründet, das sich als Ziel gesetzt hat, gemeinsam diese großartige Geschichte so zu erzählen, dass die Welt davon erfährt. Und dass uns das gelungen ist, dafür bin ich dankbar. Es ist mir ganz wichtig, diesem ganzen Teamkonstrukt zu danken, denn ohne das Team sind Filmemacher keine Filmemacher.

Es war viel los, es war hier und da stressig, es war emotional, sehr wild - und deswegen geht ein "Danke" auch immer an Familie und Freunde.

Das Interview führte Philipp Cavert.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 14.09.2017 | 14:40 Uhr