Stand: 26.02.2016 13:30 Uhr

Große Pläne für Wilhelmsburger "Klorolle"

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Die denkmlageschützte St. Maximilan-Kolbe-Kirche aus den 70er-Jahren muss dringend saniert werden.

Erst sollte die sanierungsbedürftige St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg abgerissen werden, dann folgte die Rettung: Die Malteser kauften das denkmalgeschützte Gebäude, um die inzwischen entweihte Kirche umbauen zu lassen. Nun steht das Ergebnis des ausgelobten Architekten-Wettbewerbs für den Umbau des Innenraums fest. Das Preisgericht sprach sich einstimmig für den Entwurf der Hamburger LH Architekten aus. "Der Siegerentwurf spiegelt am überzeugendsten unsere Erwartung wieder, den 'Malteser Campus St. Maximilian Kolbe' zu einem Zentrum für Pflege, Betreuung, Ausbildung, Beratung und Begegnung werden zu lassen", sagte Graf von Harnoncourt, Geschäftsführer der Malteser Deutschland gGmbH. Geplant sei, den Campus als Quartiersmitte mit sozialen Begegnungsräumen für alle Wilhelmsburger zu etablieren. Der Sieger erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Auch die Betonfassade wird saniert

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So stellen sich die Architekten den Umbau des Innenraums vor.

Die Jury lobte die "auffallend gute Ausgewogenheit, die zwischen dem bestehenden ehemaligen Kirchenraum und den neu geschaffenen Räumen entsteht". Gefordert war eine "behutsame und denkmalgerechte Umnutzung des Kirchengebäudes sowie "der Erhalt eines identitätsstiftenden Denkmals". Wann die Bauarbeiten beginnen, ist noch unklar. "Der Umbau des Innenraums soll zusammen mit der Sanierung der Außenfassade erfolgen", sagte Gräfin Helene von Luckner von den Maltesern in Hamburg am Freitag im Gespräch mit NDR.de. An der Finanzierung der 900.000 Euro teuren Außensanierung der Kirche beteiligen sich der Bund mit 400.000 Euro, das Denkmalschutzamt Hamburg mit 350.000 Euro, das Erzbistum Hamburg mit 100.000 Euro und die Hamburger Stiftung Denkmalpflege mit 50.000 Euro.

Für den Umbau des Innenraums kommen die Malteser auf. Bislang sind Kosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro veranschlagt. "Wir wollen aber auch Fördermittel beantragen", sagte von Luckner. Dir Kirche wird wegen ihrer besonderen Form von Wilhelmsburger auch "Klorolle" genannt.

Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche in Hamburg

"Ein städtebauliches Wahrzeichen in Wilhelmsburg"

Der geplante Abriss hatte Proteste hervorgerufen. Die Kirche mit ihrem markanten spiralförmigen Turm gilt unter Historikern und Denkmalschützern als einer der architektonisch interessantesten Gotteshäuser der Hansestadt. Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) sagte, der Bau zähle als Beispiel der Spätmoderne zu den jüngsten und zugleich eindrücklichsten Denkmälern der Stadt. Die Kirche sei ein wichtiges städtebauliches Wahrzeichen in Wilhelmsburg. Die Kirchengemeinde hatte zuvor einen Antrag auf Entweihung und Abriss gestellt. Der Priesterrat des Erzbistums Hamburg stimmte im November 2013 zu. Ein Grund war, dass die Kirche Dach- und Betonschäden hat - auch weil der Orkan "Christian" die Kirche im Oktober 2013 getroffen hatte. Die Gemeinde sah sich nicht in der Lage, die Sanierungskosten alleine zu tragen. Es handele sich zudem nur um eine Filialkirche. Die Hauptkirche der Gemeinde, die Wilhelmsburger St. Bonifatius-Kirche, sei nur zwei Kilometer entfernt.

Namensgeber Kolbe 1982 heilig gesprochen

Namensgeber der Kirche und des Pflegeheimes ist der Heilige Maximilian Maria Kolbe. Er wurde 1894 in Polen geboren und starb 1941 im Konzentrationslager Auschwitz. Schon früh trat Kolbe dem Franziskaner-Minoritenorden bei und gründete zahlreiche Kloster in Polen und im fernen Osten. 1918 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen bot er Flüchtlingen Zuflucht. Er wurde deshalb verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Dort ging er für einen Familienvater in den Hungerbunker. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1982 heilig. Kolbes Gedenktag ist der 14. August.

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