Stand: 11.01.2016 17:19 Uhr

Gelungene erste Premiere des Jahres am Ohnsorg

von Jan Graf

Gelungene erste Premiere im neuen Jahr am Hamburger Ohnsorg-Theater: Seit Sonntag ist dort "Wenn de Katt ut 'n Huus is" von Johnnie Mortimer und Brian Cooke zu sehen. Die plattdeutsche Fassung besorgte Manfred Hinrichs. Inszeniert hat das Stück Folker Bohnet. Das Publikum war sehr angetan von diesem Lust-Spiel im wahrsten Sinne des Wortes.

Sie will - er aber nicht

Es geht um Sex. Milda will mit Schorsch nach 25 Jahren Ehe in die zweiten Flitterwochen. Sie sehnt sich nach handfester Zärtlichkeit, während er seine Libido auf Butterkekse und Zwiebeln ausgerichtet hat. Zum Piepen: Sandra Keck in der "Brunst" und Erkki Hopf in - nun ja - Puschen und Jogginghose.

"Wat heet Kondom op Schwedisch?"

Doch Schorsch will nicht und so fliegt Milda mit ihrer Schwester Edda in das kleine Hotel in England, in der einst die Flitterwochen stattfanden. Schwester Edda hat sich von ihrem Mann Hubert getrennt. Er ist ein ganz anderes Kaliber als Schorsch. Ein Testosteron-Bolzen, der seine Gattin mit seiner Sekretärin Shirley betrügt. Die Abwesenheit der Ehefrauen nutzt Hubert, um den Langweiler Schorsch zu einem Abend zu viert zu überreden. "Wenn he lacht, mutt he mit“, sagt Hubert, der Schwerenöter - und fragt: "Wat heet Kondom op Schwedisch? - Pipi Langstrumpf!" Eine tolle Rolle für Till Huster.

Ehefrauen platzen ins verbotene Stelldichein

Wenn de Katt ut 'n Huus is - danzt Hubert op'n Disch, Shirley und ihre psychotische Freundin als Mäuse dabei, und Schorsch mittendrin bei dem verbotenen Stelldichein in seinem Wohnzimmer. Die Situation gewinnt an Fahrt, als die Ehefrauen unerwartet hereinplatzen. Streik am Flughafen. Hubert nimmt bei Schwägerin Milda alle Schuld auf sich: "Also maak em bitte keen Vörwürfe, dat weer mien Schuld, allens", sagt Hubert.  Milda steht daraufhin für ihren Schwager in Flammen, ihr Schwager Hubert sowieso. Sie werden sie noch gemeinsam löschen - die Flammen, und bei der Gelegenheit rächt sich Milda an ihrer großen Schwester Edda - wunderbar ausgespielt von Beate Kiupel -, die das Leben doch irgendwie bevorzugt hat, man siehe bloß diesen aufregenden Ehemann, den sie sich also kurzerhand mal ausleiht.

Köstliche zwei Stunden

Dialoge, die zackig auf den nächsten Lacher zusteuern, wohlkalkulierte Prisen Geschmacklosigkeit, schrullige Typen, die man ins Herz schließt - fertig ist die englische Komödie und beschenkt uns auch im plattdeutschen Volkstheater köstliche zwei Stunden. Das Publikum schwärmt nach dem Schlussvorhang vom "tollen Ensemble" und dem "tollen Abend". Glückwunsch an Folker Bohnet für eine schwungvolle Inszenierung! Die Komödie ist noch bis zum 20. Februar im Ohnsorg-Theater zu sehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 11.01.2016 | 19:00 Uhr