Stand: 28.10.2016 14:05 Uhr

Feridun Zaimoglus Luther

von Joachim Dicks

Das Luther-Jahr wirft seine Schatten voraus. Am 31. Oktober, dem Reformationstag, beginnt es. Und zahlreiche Sachbücher über die Reformation und über Martin Luther sind bereits in diesem Bücherherbst erschienen. Der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu hat währenddessen einen Luther-Roman geschrieben. Er heißt "Evangelio" und erscheint Ende Februar bei Kiepenheuer & Witsch. NDR Kultur hat Feridun Zaimoglu bereits einen Einblick gewährt und für unsere Reihe "Das erste Mal - Autoren lesen aus bisher unveröffentlichten Texten" eingelesen. Joachim Dicks hat ihn dabei in Kiel getroffen.

Bei Feridun Zaimoglu in Kiel

Es ist inzwischen 21 Jahre her. Damals veröffentlichte Feridun Zaimoglu seinen ersten Roman: "Kanak Sprak". Und damit gelang ihm ein literarischer Paukenschlag, der ihn sofort in den Reigen der maßgeblichen deutschsprachigen Gegenwartsautoren katapultierte. Der Sprach-Berserker von einst kann auch klassisch-konventionell erzählen. Das hat er mit Romanen wie "Leyla" oder zuletzt "Siebentürmeviertel" längst bewiesen. Mit seinem Luther-Roman schlägt er wieder einen deftig-derben, eben lutherischen Ton an. Woher stammt diese Luther-Begeisterung? "Mit zehn Jahren fing ich an, die Luther-Bibel zu lesen", erzählt Zaimoglu. "Ich hatte gehört, dass sei ein Meisterwerk. Ich hab natürlich nichts verstanden. Ich wusste, es ist ein Heiliges Buch und übersetzt. Ich hatte natürlich keine rechte Vorstellung von diesem Begriff 'Übersetzung'. Viele Jahre später sollte ich diese Luther-Übersetzung lesen. Und das hat mich wirklich umgehauen."

Feridun Zaimoglus "Evangelio"

Die Rahmenhandlung seines Romans begrenzt Feridun Zaimoglu auf das Jahr 1521. "Martin Luther versteckt auf der Wartburg. Dieses eine Jahr ist sehr wichtig. Er ist geächtet, er ist ein Ketzer der alten seligmachenden Kirche. Und es wird hier auf dieser Burg die Zukunft entschieden, hier wird er vom Satan, vom Teufel versucht werden. Und hier wird er - geläutert, gereinigt - sich auch aus Selbstschutz an die Übersetzung begeben."

Luthers Sprachkraft

Es gibt diese schönen Sätze von Thomas Mann über Martin Luther, in denen er ihn als "konservativen Revolutionär" bezeichnet, aber auch das "Cholerisch-Grobianische" anprangert. Thomas Mann hat Luthers Sprache hinter die von Goethe und Nietzsche gestellt. Das sieht Feridun Zaimoglu ganz anders. Wie würde er Luther charakterisieren? "Er ist für mich ein großer Deutscher, ein großer Mann. Herrliche Sprachkraft. Für mich ist Deutsch ja nicht einfach eine Sprache. Die deutschen Wörter sind für mich auch nicht einfach nur Werkzeuge, sondern sie sind Fleisch und Knochen und Blut. Das klingt natürlich sehr dramatisch. Aber ich bin als Erzähler eher darauf aus, nicht in akademischen Floskeln oder in heutigen Gegenwartswörtern zu sprechen, sondern ich bin eher am Ursprung oder an der Herkunft der deutschen Wörter interessiert. Und da habe ich natürlich bei Luther einen Wahnsinnsstoff gehabt, was die Sprache und was die Geschichte betrifft."

Weitere Informationen
mit Video

Feridun Zaimoglu über Martin Luther

29.10.2016 18:00 Uhr
NDR Kultur

"Evangelio" heißt das neue Buch, das Feridun Zaimoglu ausgerechnet über Martin Luther geschrieben hat und das im nächsten Jahr erscheinen soll. Auf NDR Kultur spricht er über den Reformator. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Das Gespräch | 29.10.2016 | 18:00 Uhr

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