Stand: 13.02.2017 17:43 Uhr

Feridun Zaimoglu über die Bundespräsidentenwahl

Der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu war am 12. Februar als Wahlmann bei der Bundespräsidentenwahl in Berlin dabei. Sein neuer Romen "Evangelio -Ein Luther-Roman" steht kurz vor dem Erscheinungstermin.

NDR Kultur: Die Botschaft von Frank-Walter Steinmeier ist klar und eindeutig: Ein Apell an westliche Werte, ein Aufruf zu Mut und Engagement. Wie haben Sie das gesten empfunden? Wie haben Sie Frank-Walter Steinmeier gestern gehört und erlebt?

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Feridun Zaimoglu lebt seit 51 Jahren in Deutschland, unter anderem in Berlin und München. Als Medizinstudent kam er 1985 nach Kiel, wo er heute noch lebt.

Feridun Zaimoglu: Es war toll, ich war begeistert. Sie können sich vorstellen, dass das natürlich nicht meine Welt ist. Ich wurde als Wahlmann hingeschickt und saß dann neugierig da und schaute nach rechts und links. Dann wurde er gewählt und er hielt dieser Rede. Ich fand das sehr gut. Er rief die Menschen dazu auf, nicht zu verzagen und mutig zu sein. Und westliche Werte, das bedeutet ja, dass man für die Demokratie und für Wahlen ist. Das sind einfache Sachen, die wir heute für selbstverständlich halten. Aber im Grunde genommen saß ich da und bin am Ende seiner Rede genauso wie alle anderen - bis auf die AfD-Nasen - aufgesprungen und habe applaudiert.

Sie beteiligen sich ja auch durchaus regelmäßig am politischen Diskurs. Sie haben 2006 an der deutschen Islamkonferenz teilgenommen, zur sogenannten Kopftuch-Debatte haben Sie sich geäußert wie auch zur deutschen Flüchtlingspolitik. Gerade letztere ist im Bundestagswahljahr 2017 ein polarisierendes Thema. Erhoffen Sie sich da einen besonderen Impuls von Frank-Walter Steinmeier?

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Zaimoglu: Er hat versprochen, dass er sich immer wieder mit klaren Worten äußern und einmischen wird. Natürlich weiß man, der Bundespräsident kann nur inspirierende Reden halten und vielleicht die Menschen zu einer bestimmten Haltung bewegen. Aber er wird sich ja aus der Tagespolitik heraushalten. Natürlich sind es stürmische Zeiten und natürlich gibt es die einen, die viel versprechen und die zu allem Ja und Amen sagen. Und auf der anderen Seite gibt es jene Leute, die mit grimmigen Gesichtern Ressentiments schüren und wirklich keine Lösungsvorschläge unterbreiten. Und da sehe ich die große Gefahr. Da kann ich mir vorstellen, dass so einer wie Steinmeier, der auch mal auf den Putz hauen kann, die Lage schon richtig beschreibt und auch die Richtung weiß, in die es gehen sollte.

Wenn Sie als Schriftsteller an der Bundespräsidentenwahl teilnehmen, dann setzen Sie ja auch ein Signal. Regelmässig nehmen Sie am Literaturtreffen in Lübeck teil, das Günter Grass einst ins Leben gerufen hat. Wie politisch kann Ihrer Meinung nach ein Schriftsteller sein?

Zaimoglu: Ich beschreibe mich gerne - und da liege ich gar nicht so falsch - als Salon-Hooligan. Ich bin nichts weiter als ein Mensch, der das Glück hat, Bücher schreiben zu können, und der in einem Land lebt, in dem Bücher auch gelesen und nicht verboten werden. Ich bin insofern politisch, als dass ich - und jetzt wird es ein bisschen pathetisch - im Sinne der Bergpredigt auf der Seite der Armen und Beladenen bin. Man hat uns ja immer wieder Märchen erzählt von Zeiten, in denen unten und oben nicht mehr existieren, aber das ist und bleibt ein Märchen. Ich kann als ein Geschichtenschreiber und -erzähler nur immer mal wieder mit beschränkter beziehungsweise keiner Macht darauf hinweisen, dass Märchen Märchen sind. Und Geschichten sind Geschichten.

Das Interview führte Claudia Christophersen.

Zaimoglu © Melanie Grande

Nach der Wahl des Bundespräsidenten

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