Stand: 23.11.2016 11:05 Uhr

Elbphilharmonie-Architekt: "Erleichterung ist groß"

Wie ein glitzernd-schimmernder Diamant steht sie mitten im Hamburger Hafen: die Elbphilharmonie, entworfen von den Architekten Herzog & de Meuron. Am 11. Januar wird das neue Haus endlich eröffnet. Nach heftigem Streit, Baustopp und Kostenexplosion wird das Gebäude nun von vielen bewundert und die Eröffnung mit Spannung erwartet. Der Architekt Jacques Herzog hat diesem Großprojekt viele Jahre gewidmet.

NDR Kultur: Als Sie bei der Eröffnung Anfang November auf der Plaza der Elbphilharmonie standen, wie groß waren da die Freude und die Erleichterung, dass es jetzt endlich so weit ist?

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Jacques Herzog: "Sicher sein, dass das wirklich so funktioniert, kannst du nie."

Jacques Herzog: Die Erleichterung ist groß, weil wir eine starke Verpflichtung spüren, wenn wir so ein großes, teures, problematisches Gebäude in einer demokratischen Stadt machen, wo der Bau mit Steuergeldern finanziert wird. In einer Zeit, in der Gelder knapper werden, in der Budgets für kulturelle Bauten hinterfragt werden - auch von populistischen Parteien - ist es wichtig, dass solch ein Bau auch wirklich ein Erfolg ist. Dann ist er auch ein Argument, weiter für eine offene Kultur zu denken, die in einer demokratischen Gesellschaft ihren Platz haben muss. Das ist vielleicht kein architektonisches Statement, aber es ist das, was wir empfinden. Vor allem daher rührt auch die Erleichterung.

Hatten Sie im Laufe der langen Baugeschichte, in der es ja auch zu Protesten - beispielsweise beim Richtfest - kam, Zweifel, dass sich dieser Erfolg bei den Menschen einstellen würde?

Herzog: Wir haben immer Zweifel uns selbst gegenüber. So wie wir Architektur verstehen, ist sie sehr fragend, sehr experimentell und sehr für einen Ort gemacht - in dem Fall speziell für Hamburg. Insofern ist es immer eine große Herausforderung, die Ziele zu erreichen. Aber wir haben auch eine gewisse Erfahrung und Überzeugungen in Bezug auf solche öffentlichen Gebäude. Es müssen Gebäude sein, die die Menschen lieben, für die sie gemacht sind. Wir denken also von Anfang an daran, dass ein Ort entstehen soll, der neu ist, an den die Leute neu hingehen können. Vorher konnten sie nicht an diesen Ort. Vorher konnten sie Hamburg nicht so von oben anschauen, so panoramisch. Vorher konnten sie nicht den berechtigten Stolz für ihre Heimatstadt empfinden, die sie dann in einem ganz neuen Licht sehen. Das war uns wichtig: einen Ort zu schaffen, der für die Hamburger gemacht wurde. Sicher sein, dass das wirklich funktioniert und angenommen wird, kannst du nie.

Ein Rundgang durch die fertige Elbphilharmonie

Sie arbeiten im Team mit Pierre de Meuron. Sie kennen sich seit der Grundschule. Wie haben Sie es so lange miteinander ausgehalten?

Herzog: Das ist eine gute Frage! Aber auch eine einfache: Es bleiben wenige Freunde, die man seit der Kindheit oder Jugend hat, und das sind die tollsten Freundschaften. Sie sind vor allem ganz anders als die späten Freundschaften, weil sie natürlich sind. Fast wie bei Tieren sind sie instinktiv entstanden und nicht berechnend. Pierre und ich haben eine Freundschaft seit unserer Kindheit. Wir haben zusammen gebastelt, weil wir es einfach mochten, und weil er Sachen konnte, die ich nicht konnte und umgekehrt. Wir hatten eine symbiotische Art zu arbeiten, die eifersuchtslos ist. Es wäre dumm gewesen, hätten wir nicht zusammen weitergemacht. Aber es war nie ein Plan, wir hatten nie vor, gemeinsam Architektur zu studieren. Es ist zufällig entstanden. Und hat einfach gut funktioniert.

Sie planen neue Projekte. Ist da auch ein neues Konzerthaus vorstellbar, oder haben Sie mit der Elbphilharmonie das Gefühl, das reicht jetzt erst mal für die nächsten Jahre?

Herzog: Vielleicht gibt es eines, wir werden sehen. Wir sind im Gespräch an einem Ort, das wär aber etwas völlig anderes und nur so ist es auch interessant. Wir haben sicher nicht vor, Hamburg zu wiederholen - das könnte man auch gar nicht.

Das Gespräch führte Jan Ehlert.

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Dieses Thema im Programm:

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