Stand: 28.10.2015 13:15 Uhr

Mein eigener Sessel in der Elbphilharmonie

von Daniel Kaiser

Knapp 14 Monate vor der Eröffnung der Elbphilharmonie kann das Publikum jetzt Teil des neuen Konzertsaals werden - mit einer Sitzplatz-Patenschaft. Dann steht der eigene Name auf dem Stuhl.

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1.000 bis 2.000 Euro soll eine Patenschaft kosten.

Die Stühle für die Elbphilharmonie sind natürlich schon längst bezahlt. Das Geld, das jetzt hereinkommt, ist für einen guten Zweck gedacht, erklärt Bernd Eckardt von der Stiftung Elbphilharmonie. "Wir verkaufen Patenschaften. Das heißt nicht, dass die Menschen die Stühle besitzen, sondern sie haben das Recht, darauf ihren Namen für fünf Jahre zu verewigen." Das Geld soll dann vor allem in Erklärprojekte, Workshops und spezielle Konzerte besonders für junge Leute und Kinder fließen.

Stolzer Preis

Zum Schnäppchenpreis gibt es die Sitze nicht. Man sollte schon ein bisschen Geld übrig haben, räumt Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter ein. "So einen Stuhl kann sich nicht jedermann leisten, aber man ist schon mit einer kleinen Summe dabei." Auf den guten Plätzen in der Nähe der Bühne kostet eine Patenschaft 2.000 Euro. "Weiter hinten sind es 1.000 Euro", berichtet Lieben-Seutter. Wenn man mehrere Patenschaften übernimmt, erhält man 20 Prozent Rabatt. Das ist ein stolzer Preis. Aber der Aufwand der Aktion müsse sich rechnen, sagt Lieben-Seutter.

Edel-Sessel in changierendem Grau

Es sind ganz besondere Sessel: Weich, stylish und von den Architekten der Elbphilharmonie Herzog & de Meuron höchstselbst für die komplexe Akustik des Saals entworfen. Eine italienische Traditionsfirma hat sie in einer Farbe, die zum Konzertsaal passt, gefertigt. "Der Stoff ist extra für die Elbphilharmonie gewebt worden und spielt sich farblich in unterschiedlichen Graubereichen ab. Die Farbe ändert sich mit der Höhe im Saal."

Auf dem eigenen Stuhl sitzen

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Auf dem Stuhl wird der Name des Paten vermerkt sein.

Für das Spendengeld gibt es nicht nur eine Namensplakette auf der Rückseite und eine Urkunde, sondern auch ein eigenes Elbphilharmonie-Erlebnis, berichtet Dominik Winterling von der Stiftung Elbphilharmonie. "Die Spender nehmen an einer Konzertprobe in der ersten Elbphilharmonie-Saison auf diesem Stuhl teil, für den sie diese Patenschaft erworben haben. Das ist etwas, wovon wir glauben, dass es doch sehr exklusiv ist. Es ist eine sehr schöne Würdigung für diese Spender."

Stadt gibt "Startkapital" für die Elbphilharmonie

Zwei Millionen Euro erhofft sich die Elbphilharmonie von der Stuhlkampagne. Das Geld für die Musikvermittlung soll die Betriebskosten entlasten. Gerade ist bekannt geworden, dass die Stadt jedes Jahr sechs Millionen Euro Unterstützung für den laufenden Betrieb zahlen will. Das sind 1,2 Millionen weniger als von Christoph Lieben-Seutter erhofft. Dafür gibt es für die ersten Jahre einmalig fünf Millionen und dann noch einen speziellen millionenschweren Zuschuss für die allererste Saison. "Damit kann ich leben", sagt der Intendant. "Wir bekommen als regelmäßige Zuwendung von der Stadt zwar nicht ganz die Summe, die wir gerne hätten, aber wir bekommen so etwas wie ein Startkapital. Mit dem können wir dann sorgsam wirtschaften."

Stiftung feiert Geburtstag

Seit genau zehn Jahren begleitet die Stiftung Elbphilharmonie das Projekt. Am Sonnabend ist Geburtstag. Die Arbeit sei nicht immer leicht gewesen, räumt der stellvertretende Vorsitzende Bernd Eckardt ein. "Zwischendurch haben wir schon gemerkt, dass es schwieriger wurde. Wenn auf der Baustelle sich gar nichts mehr tut, und die Leute anfangen zu zweifeln, ob das jemals fertig wird, ist es schwierig Geld einzuwerben." Doch auch in dieser Zeit hat die Stiftung Spenden bekommen, nicht zuletzt dank der Elbphilharmonie-Konzerte, die auch ohne den Konzertsaal an mehreren Orten in Hamburg stattfinden.

Neuer Stolz auf die Elbphilharmonie

Mittlerweile produziert die Baustelle eigentlich nur noch gute Nachrichten. Das spüre man auch an der Bereitschaft der Hamburger mitzumachen, sagt Christoph Lieben-Seutter. "Es gibt ganz viele, die stolz sind. Trotz der wechselhaften Baugeschichte ist doch zu merken, wie viele sich auf die Elbphilharmonie freuen und sich sagen: 'Jetzt leiste mal einen Beitrag'."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 28.10.2015 | 19:05 Uhr

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